Siersdorf: Leser testen die Siersdorfer Steilkurven im Aldenhoven Testing Center

Siersdorf : Leser testen die Siersdorfer Steilkurven im Aldenhoven Testing Center

Gehobene Mittelklasse. Der Begriff ist mehrdeutig auf dem Aldenhoven Testing Center (ATC) in Siersdorf. Ein Teil der Autos, mit denen 22 unserer Leser zur Abo-Plus-Aktion am ATC angereist waren und mit denen sie dann über die Teststrecke gefahren sind, gehören zur gehobenen Mittelklasse.

„Die Experten haben die Teststrecke als gehobene Mittelklasse eingestuft“, sagte Anette Winkler, Wirtschaftsförderin beim Kreis Düren und eine von vier Geschäftsführern des ATC. Schnell schob sie hinterher, dass die Einschätzung aus dem Jahr 2014 stammt, als das ATC eröffnet wurde. „Seitdem ist viel passiert“, fuhr sie fort. Das ATC auf dem Weg in die Oberklasse der Automobil-Teststrecken? Unsere Leser haben exklusive Eindrücke gewonnen, als Winkler und Mit-Geschäftsführer Micha Lesemann berichteten, was auf dem ATC seit 2014 passiert und was noch kommt. Das ist jede Menge. Oder wie Winkler es formulierte: „Hier, auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Emil Mayrisch, geht jetzt richtig die Post ab.“ Das liege zum großen Teil an der Anziehungskraft des ATC. Porsche hatte die Teststrecke schon einmal für mehrere Tage gemietet, Skoda auch schon. „Andere Namen dürfen wir Ihnen leider nicht nennen“, sagte Lesemann und machte damit einen Aspekt deutlich, der in der Automobilentwicklung wichtig ist: Geheimhaltung, und zwar so lange wie möglich.

Exklusive Einblicke: 22 Leser wurden von den ATC-Experten über die Möglichkeiten auf der Teststrecke informiert. Zum Schluss durften alle dann selbst mit ihren Autos auf die Strecke. Foto: Guido Jansen

Viel gab es zu erzählen über das Testgelände mit seinen Möglichkeiten, alle Situationen zu simulieren, die dem Fahrer auch im Straßenverkehr begegnen können. Nasse Kacheln erzeugen auch im Sommer den Effekt von Eisglätte. Neu ist eine Kreuzung, die in der Mitte des Geländes aufgebaut wird. Sie ist von Betonwänden flankiert, die je nach Bedarf enger oder weiter voneinander entfernt platziert werden. Die Kreuzung ist der Vorbote des „nächsten großen Dings“ am ATC. „Wir bauen hier eine kleine Stadt auf, um den Verkehr in der Stadt simulieren zu können“, erklärte Lesemann. Im nächsten Jahr soll sie stehen.

Fachsimpeln mit den Experten: Unsere Leser im Gespräch mit Micha Lesemann (2.v.l.) und Anette Winkler (3.v.l.). Foto: Guido Jansen

Dass die Wände aus Beton sind, mag zunächst nur wie ein kleines Detail wirken. Dahinter steckt aber ein großes Bild. „Hätten wir hier Holz genommen, dann würden sich die Mobilfunksignale anders verhalten“, sagte Lesemann. Das Signal soll unter möglichst realitätsnahen Bedingungen getestet werden. Nicht unbedingt, damit die Gesprächsqualität beim Telefonieren aus dem Auto heraus so gut wie möglich ist. Das Funknetz soll als Kommunikationsweg für das automatisierte Fahren dienen. Waren es bisher Testfahrten, um die Eigenschaften einzelner Fahrzeuge zu testen, so erwarten Lesemann und Winkler für die Zukunft immer mehr Hersteller, die auf dem ATC mit mehreren Fahrzeugen per Funk gesteuerte Selbstfahrsysteme ausprobieren.

Getestet haben auch unsere Leser. Nach vielen Informationen luden Lesemann und Winkler zu einer kleinen Ausfahrt auf vier Rädern ein. So viel sei verraten: Es braucht am Anfang Mut, wenn man in die linke Spur der Steilkurven einbiegt, das Auto gerät ordentlich in Schräglage. „Ich weiß nicht, ob ich mich das getraut hätte“, sagte eine Leserin, die als Beifahrerin unterwegs war.

(jan)