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Jülich: Lehrstunde in Sachen Lachmuskeltraining

Jülich : Lehrstunde in Sachen Lachmuskeltraining

Zwei Stunden einmal richtig ablachen und den Alltagsfrust hinter sich lassen, dazu hatten die Gäste der Lesung mit Wendelin Haverkamp in der Jülicher Buchhandlung Fischer beste Gelegenheit.

Das bemerkte nicht nur Eva Behrens-Hommel in ihrer launigen Moderation. Spätestens nach dem ersten „Tschö wa!” spürten die Zuschauer die Auswirkung des Haverkampschen Vortrags: schmerzende Bauchmuskeln und tränende Augen.

Der bekannte Kabarettist und Autor trug anlässlich des 135-jährigen Firmenjubiläums der Buchhandlung Anekdoten aus seinem neuesten Werk um seinen Kult-Pädagogen Anton Hinlegen vor. „Wenn der Edukator erzählt” lautet dessen Titel. Ja, und wenn der Edukator erzählt, dann bleibt kein Auge trocken.

Insbesondere die im Publikum stark vertretene Jülicher Lehrerschaft amüsierte sich köstlich über die Randerscheinungen des Schulbetriebs im „Karl-Heinz-Plum-Guminasium”. Offenkundig war ihnen, wie auch den anderen geneigten Zuhörern, das Problem mit dem Bildungsauftrag an der Klientel der lernunwilligen „potenziellen Nachwuchs-Nobelpreisträger” durchaus nicht unbekannt.

Da musste Haverkamp nicht erst nachhaken: „Na, wann war ihr letzter Wandertag?” oder „Sie hatten bestimmt auch immer die Urkunde über 56-einhalb Punkte bei den Bundesjugendspielen über dem Bett hängen.”

Der herrliche Vortrag lebte aber nicht vornehmlich von solchen eingeworfenen Spitzfindigkeiten, sondern vor allem vom Stimmrepertoire des Kabarettisten. Sämtliche Protagonisten des alltäglichen Dramas am „Karl-Heinz-Plum-Guminasium” genossen allein aufgrund ihres wiederkehrenden Gesäusels - Fräulein Müller-Siebenknick, die „zarte Musikpädagogin” - oder des polternden Basses eines Monsignore Stramm einen hohen Wiedererkennungswert.

Apropos Monsignore: Der beleibte Religionspädagoge erfreute sich nicht nur bei seinem Bruder im (Wein-)Geiste, Anton Hinlegen, größter Beliebtheit. Immer ein edles Tröpfchen zur Hand, bildete der Geistliche einen Ruhepol für den gestressten Edukatoren-Kollegen und einen nicht versiegenden Quell der Freude für die versammelte Zuhörerschar. Besonders in der weihnachtlichen Zugaben-Episode sorgte er im zwetschgenbranntseligen Nikolaus-Ruprecht-Gespann mit Hinlegen für anhaltende Lachsalven.

Nicht ohne Weh(r)mut zog das Publikum entsprechend am Ende von dannen. Ach, wenn Schule doch wirklich so amüsant sein könnte...