Jülich/Weisweiler: Legionellen in Jülich: Quelle in Weisweiler?

Jülich/Weisweiler: Legionellen in Jülich: Quelle in Weisweiler?

Das Landesumweltamt und die Gesundheitsbehörden beim Kreis Düren haben eine weitere mögliche Quelle der Legionellose-Erkrankungen in Jülich ausgemacht. Im Rahmen der umfangreichen Proben, die in Kooperation mit dem NRW-Umweltministeriums genommen worden sind, wurde Dienstagnachmittag ein weiterer ungewöhnlicher Wert bekannt - im Kraftwerk Weisweiler.

Dort sind nach Mitteilung des Kreises Düren erhebliche Überschreitungen des Legionellen-Richtwertes festgestellt worden — hier genau im Kühlwasser von Block H. Ende letzte Woche gab es erhöhte Werte in einem Kühlwerk des Forschungszentrums Jülich. Sichere Nachweise, welcher Infektionsherd genau die Welle von schweren Lungenentzündungen hervorgerufen hat, stehen aus. Dazu muss das Erbgut verglichen werden.

„Das Kraftwerk hatten wir von Anfang an auf der Rechnung“, sagte Norbert Schnitzler, Leiter des Kreisgesundheitsamtes Düren, gegenüber unserer Zeitung. Dort wurden gleich zu Beginn Proben genommen, deren Ergebnisse nun bereits vorliegen. Im Block H wurden 61.500 Legionellen-Kolonien pro 100 ml Wasser gefunden — bei einem Richtwert von 1000 pro 100 ml. „Wir müssen vorsichtig sein und haben noch keine Klarheit.“ Windsimulationen, die parallel angestellt worden sind, lassen aber den Rückschluss zu, dass über den Ausstoß aus dem belasteten Block die Krankheitswelle in Jülich erklärt werden könnte.

Die Legionellen-Konzentration im Kühlwasser von Block F liege bei 7500 Kolonien pro 100 ml, der in einem Ablauf des Kraftwerks bei 4000. Das Landesumweltministerium hat angewiesen, dass die Bezirksregierung Köln mit Kraftwerksbetreiber RWE Maßnahmen ergreifen soll, „um die Belastung zu reduzieren“.

Inzwischen gibt es 30 bestätigte Legionellenbedingte Lungenentzündungen innerhalb der Stadt Jülich. Die Zahl hat sich erneut erhöht (von 24), weil inzwischen Laborergebnisse fast aller Patienten vorliegen, die von Mitte August bis Anfang September erkrankt sind. „Die Altfälle sind jetzt weitgehend abgearbeitet. Und neue Erkrankungen gibt es bislang nicht“, sagte Dr. Norbert Schnitzler, Leiter des Kreisgesundheitsamtes. Insofern scheint die Welle tatsächlich abgeebbt, da die letzte bekannte Patientin am 15. September erkrankte.

Der Kreis Düren hatte mit Blick auf die Überschreitung des Legionellen-Richtwertes in einem Rückkühlwerk des Forschungszentrums zwar von einer „heißen Spur“ gesprochen. Norbert Schnitzler aber hatte dieses Ergebnis sehr vorsichtig interpretiert und zu bedenken gegeben, dass am Jülicher Wissenschaftscampus meist eine Windrichtung vorherrsche, die nicht in Richtung Stadt weht.

Legionellose-Kranke finden sich flächendeckend in Jülich und seinen Ortsteilen. Das Kühlwerk wurde abgeschaltet. Gleiches gilt für das Rückkühlwerk in einem kunststoffverarbeitenden Betrieb in Jülich, wo es ebenfalls zu hohe Legionellen-Werte gab.

Die Legionellenbedingte Lungenentzündung ist laut Kreisgesundheitsamt nicht von Mensch zu Mensch übertragbar, sondern verbreitet sich über mit dem Erreger belastete kleinste Wassertröpfchen (Aerosole) in der Luft und die Atemwege. Dazu muss es zu einer Verwirbelung kommen, die nach außen gelangt und mit dem Wind transportiert wird.

Ob die Welle durch das Kühlwerk im Forschungszentrum ausgelöst worden ist, könnte bis Donnerstag feststehen, da Proben der hier gefundenen Legionellen seit Tagen vorliegen und in einem Speziallabor in Dresden untersucht werden. Bei den weiteren möglichen Quelle dürfte der Nachweis noch etwas länger dauern.

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