Jülich/Düren/Eschweiler: Legionellen: 39 Kranke, aber immer noch keine Quelle

Jülich/Düren/Eschweiler : Legionellen: 39 Kranke, aber immer noch keine Quelle

Block F des Kraftwerks Weisweiler dampft schon seit ein paar Tagen wieder - und das Rückkühlwerk des Forschungszentrums Jülich soll in Kürze weiterbetrieben werden dürfen. Diese beiden Anlagen waren nach positivem Legionellen-Befund einige Wochen abgeschaltet und standen - neben einer Kühlanlage von Enrichment Technology in Jülich - im Verdacht, Quelle des Jülicher Legionellose-Ausbruchs zu sein.

Das hat sich bislang nicht bewahrheitet. Gefunden wurden laut Kreis Düren zwar „Legionellen in bedenklicher Anzahl“, nicht aber solche des sogenannten Serotyps 5, der die Jülicher Lungenentzündungen ausgelöst hat.

Heißt das nun, dass die „Hauptverdächtigen“ als Krankheitsquelle nicht mehr in Frage kommen? Dr. Norbert Schnitzler, Leiter des Kreisgesundheitsamtes Düren, will das auf Anfrage unserer Zeitung weder bestätigen noch dementieren. „Es kann sein, dass der Stamm, den wir suchen, nicht da ist, oder dass er in kleiner Zahl noch vorhanden sein könnte.“ Der Nachweis sei nicht einfach, weil sich der gesuchte Erreger durchaus „verstecken“ könnte.

Das deckt sich mit einer Erklärung, die ein Fachmann aus Bayern, der sich bei unserer Zeitung gemeldet hat, liefert. Legionellen siedelten in Biofilmen und seien im Kühlwasser nur periodisch nachweisbar. Durch „bestimmte Ereignisse“ könne es allerdings „zum explosionsartigen Ausbreiten“ kommen - ähnlich einer Algenblüte. Das sagt Dr. Gero Beckmann, Hygieniker und Fachtierarzt für Mikrobiologie.

Dies würde auch erklären, warum die Rückkühlwerke im Forschungszentrum und bei Enrichment im August und Juli negativ auf Legionellen getestet worden sind, Ende September dann aber doch ein positiver Befund festgestellt wurde. Natürlich wurden sowohl der Kraftwerksblock als auch das Kühlwerk auf dem Forschungscampus gründlich gereinigt und desinfiziert. Alle zwei Tage werden nun nach Mitteilung der Bezirksregierung Köln über zwei Wochen im Kraftwerk Weisweiler Proben am Block F genommen.

Unterdessen wurde bei der Quellensuche in der Region der Radius auf zehn Kilometer ausgeweitet. Kontrolliert worden sind unter anderem Rückkühlwerke eines Industriebetriebs in Düren-Merken, also von Jülich aus in südlicher Richtung, aber auch Anlagen im Westen (Aldenhoven/Linnich). Norbert Schnitzler: „Die Wahrscheinlichkeit, dass der auslösende Stamm in der Umwelt gefunden wird, wird immer geringer. Die Hoffnung aber geben wir nicht auf.“

Inzwischen ist eine Legionellose bei 39 Menschen, meist Frauen, aus dem Raum Jülich nachgewiesen worden. Letzter Erkrankungsbeginn war der 10. Oktober.

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