LEADER-Region: Die größte Baustelle Europas planen

Entwicklung des Rheinischen Reviers: Die größte Baustelle Europas planen

Drei Organisationen beschäftigen sich intensiv mit der Thematik Freiraumnutzung und Landschaftsgestaltung in der Region: die Zukunftsagentur Rheinisches Revier, die LAG Rheinisches Revier an Inde und Rur sowie die Entwicklungsgesellschaft indeland. Dieses Trio hatte ins Restaurant am Indemann eingeladen, um möglichste viele Menschen anzusprechen, sich in diesen Prozess einzubringen und die Planung der Zukunft der Region mitzugestalten.

Im Kurzinterview mit Moderator Patrick Nowicki vom Aachener Zeitungsverlag freute sich Landrat Wolfgang Spelthahn als Vorsitzender der LAG Rheinisches Revier (LEADER) über die große Resonanz. „Wir müssen gemeinsam den Spagat schaffen, brauchen aber auch finanzielle Unterstützung und Selbstvertrauen, um die einmalige Landschaft zu gestalten“, lautet sein Wunsch. Er möchte die Bürger aktivieren, das Engagement mit fachlichem Input stärken und Zuversicht schaffen.

Auch Ralph Sterck, Geschäftsführer der Zukunftsagentur Rheinisches Revier, betonte die Bedeutung der Bürgerbeteiligung, um „die größte Baustelle Europas“ zu planen und zum Erfolg zu führen und das „enorme Potential“ des Rheinischen Reviers zu nutzen.

Nach dieser kurzen Einführungsrunde beleuchtete Prof. Kunibert Wachten die momentanen Gegebenheiten und gab „Impulse für eine eigenständige Entwicklung des Rheinischen Reviers“. Er sieht Landschaftsprojekte im Mittelpunkt des regionalen Entwicklungsprozesses der Planung des Raumes und beleuchtete den Kern, die Prägung und die Unverwechselbarkeit der Region. Eine Mitwirkungsbereitschaft von Privat, Zivil und Öffentlicher Hand hält er für unabdingbar. Der Tagebau bringe Voraussetzungen und Zwänge, mache den Raum aber auch überschaubarerer. Wichtig war und ist für Wachten die Zusammenarbeit mit den einzelnen Kommunen, deren Bedürfnisse in „Steckbriefen“ erfragt, gesammelt und in einer Art „Wimmelbuch“ kartographisch dargestellt wurde.

Dabei wurden die Stärkung der Ortskerne mit Versorgung und Infrastruktur, Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, Ausbau der Landwirtschaft, Weiterentwicklung von Grünverbindungen, touristische Angebote und Erlebnisrouten, neue Industrie-, Gewerbe- und Technologieflächen, Verkehrsinfrastruktur und interkommunale Gewerbegebiete hervorgehoben.

Wachten betonte, dass jede Besonderheit erkannt und genutzt werden müsse. So sei die Landschaft wichtigster Standortfaktor, sozusagender Rahmen für die Eigenentwicklung. Sie bündelt und bettet Technologie, Industrie und Strukturinvestitionen ein.

Es folgte die Vorstellung dreier Projekte, die bereits angelaufen, beziehungsweise abgeschlossen sind.Thomas Muckenheim informierte über das LaNDT- Projekt Barmer Driesch, wo die Bewirtschaftung der Ruraue mit Rinderherden positive Auswirkungen haben soll: Rückgang des Neophyten Bewuchses, Erhaltung der Artenvielfalt in Flora und Fauna, Erhaltung der uralten Rur-Kulturlandschaft und deren wirtschaftliche und touristische Nutzung.

Richardt Reuters stellte die „Ederener Runde“ vor, die mit viel Heimatgefühl und persönlichem Engagement mehrere Projekte zur Bereicherung des Dorfes und seiner Umgebung bereits umgesetzt hat und noch plant.

Das Projekt des Kreises Düren stellte Heidrun Düssel-Siebert von der Biologischen Station vor. Sie betonte die Bedeutung von Erhalt und Neuanlage der Streuobstwiesen. Alte Obstbäume könnten durch Pflegeschnitt erhalten werden.

Da, wo sich die Bevölkerung für ihre Region engagiert, ist der Einsatz von Fördermitteln erstrebenswert. So kommt der „Lokalen Aktionsgruppe der LEADER-Region“ besondere Bedeutung zu. Die Fördermittel stehen ausdrücklich lokalen Akteuren, Personen, Vereinen oder Institutionen zur Verfügung. Ziel ist es, ländliche Regionen zukunftsfähig zu machen und innovative Ansätze zu verwirklichen.

Jens Bröker, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft indeland, resümierte in seinem Schlusswort, dass das Interesse der Bevölkerung und die Gemeinsamkeit wichtigste Bausteine der Zukunftsvisionen sein müssen, um die Strukturentwicklung in vielen kleinen Schritten zu vollziehen. „Es sind nicht die Raumplaner, die für unsere Region verantwortlich sind, sondern es ist jeder Bürger jeden Tag.“

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