Rur-Pappeln sind ein großes Problem: Langfristig sollen alle 187 Bäume im Bereich der Rurauen gefällt werden

Rur-Pappeln sind ein großes Problem : Langfristig sollen alle 187 Bäume im Bereich der Rurauen gefällt werden

Die Rußrindenkrankheit rafft in Jülich die Ahornbäume dahin, im Hambacher Forst haben Käfer die Kiefern befallen, der Eichenprozessionsspinner bedroht im Stadtgebiet Jülich Eichen, die Miniermotte die Rosskastanien am Rurdamm. Zu allem Überfluss sollen nun auch noch rund 50 von 187 Pappeln im Bereich der Rurauen gefällt werden. Und das ist nur der Anfang. Langfristig werden wohl alle Pappeln weichen.

Das besagt ein Gutachten zur Verkehrssicherheit der Pappeln, das in der kommenden Woche (Mittwoch, 29. Mai, 18 Uhr, Großer Sitzungssaal im Neuen Rathaus) im Ausschuss für Planung, Umwelt und Bau vorgestellt wird. Das Krefelder Sachverständigenbüro Dr. Kutscheid hat im April die Pappeln zwischender Rurbrücke an der Großen Rurstraße bis zur Rurbrücke der B 56 untersucht.

Auf dem rund ein Kilometer langen Flußabschnitt stehen sogenannte Kanada-Pappeln, die kurz nach dem Kriegsende bis Anfang der 1950er Jahre angepflanzt worden sind. Von den 65 Pappeln auf der Ostseite der Rur müssen demnach sech Bäume gefällt werden, weil sie eine intensive Fäule aufweisen. An weiteren 24 Pappeln wurden Fäuleanzeichen gefunden, „die derzeit noch nicht zu einer Verkehrsgefahr“ führen, stellt der Gutachter fest. Sie sollen spätestens im Sommer 2022 erneut untersucht werden. Ein Baum muss wegen Biberfraß gefällt werden.

Auf der Westseite sind die Untersuchungsergebnisse deutlich dramatischer. Von den dort verzeichneten 122 Pappeln weisen 39 eine Fäule am Fuß des Stammes auf, bei 26 weiteren wurde eine noch nicht bedrohlich Fäule erkannt, zwei Pappeln sind nur noch als Torso erhalten. Während auf der Ostseite die zu fällenden Pappeln über den gesamten Bestand verteilt sind, werden an der Westseite künftig sichtbare Lücken klaffen. Verantwortlich für die Fäule sind nach Ansicht der Gutachter Pilze, die entweder durch die Wurzeln oder über Wunden an den Bäumen in den Stamm eindringen. Recht fleißig sind offenbar aber auch Käfer wie der Große Pappelbock und die Raupen des Weidenbohrer-Schmetterlings, die an den Pappeln entsprechende Bohrlöcher hinterlassen. In einigen Fällen kommen noch Sturmschäden an den Bäumen hinzu.

„Rosskastanien in gutem Gesamtzustand“

Entwarnung gibt es von dem Gutachter in einem ganz anderen Punkt. Er hat gleichzeitig die Kastanien auf dem Rurdamm ab der Großen Rurstraße in Richtung Kirchberg untersucht. Das erfeuliche Ergebnis: „Die Rosskastanien auf dem Rurdamm sind zum allergrößten Teil in gutem bis befriedigendem Gesamtzustand. Die sonst häufig auftretenden Symptome der Rosskastanien-Komplexerkrankung konnten nur an einzelnen Bäumen zumeist in schwacher Ausprägung gefunden werden.“ Zudem ist der Gutachter der Ansicht, dass die notwendige Fällung von Pappeln nicht zu einer Gefährdung der Kastanien-Allee führen werde.

Zurück zu Pappeln. Das Gutachterbüro empfiehlt eine kurzfristige Fällung der 47 betroffenen Bäume bis Ende Juni. Auch bei den weiteren 50 Pappeln, bei denen Fäulehinweise festgestellt wurden, ist in den kommenden Jahren mit einer Fällung zu rechnen. Das wird laut Gutachter dazu führen, dass die verbleibenden Bäume anfälliger für Sturmeinwirkungen werden: „In einer Zeitschiene von 20 Jahren ist zu erwarten, dass nahezu alle Pappeln durch natürliche Ereignisse oder erforderliche Fällung verloren gehen werden“, stellt der Gutachter nüchtern fest. Das bedeutet aber nicht, dass die Pappeln ganz aus der Ruraue verschwinden werden. Immerhin muss für jeden gefällten Baum eine Ersatzpflanzung vorgenommen werden. „Wir werden das in Abstimmung mit dem Förster und mit Blick auf den Landschaftsplan vornehmen“, erklärt Thomas Mühlheims von der Stadtverwaltung.

Stadt muss Kosten zahlen

Allerdings ergeben Ersatzpflanzungen an gleicher Stelle nicht immer Sinn, erst recht nicht in Bereichen, in denen absehbar Bäume entfernt werden müssen. Mülheims: „Die Entnahme der Bäume in der Ruraue ist teilweise sehr schwierig. Vor allem könnte die Gefahr bestehen, dass an gleicher Stelle angepflanzte neue Bäume bei einer weiteren Entnahme zerstört werden. Das wollen wir natürlich nicht.“

Unglücklich ist Mülheims über einen ganz anderen Punkt: Weil es hier um Fragen der Verkehrssicherungspflicht geht, bleiben die Kosten für Gutachter, das Fällen der Bäume, weitere Untersuchungen in den kommenden Jahren und die Ersatzpflanzungen komplett an der Stadt Jülich hängen. „Das sind mehrere 10.000 Euro“, sagt Mülheims.

Das hätte man sich sparen können. Vor vier Jahren gab es bereits den Plan des Wasserverbandes Eifel-Rur, rund 70 Pappeln in diesem Abschnitt zu entnehmen und Totholz in die Rur einzubringen, um die Eigendynamik des Fließgewässers anzukurbeln. Zudem wäre neuer Lebensraum für Tiere und Pflanzen geschaffen worden. Kosten für die Stadt damals: Null Cent, weil es entsprechende Fördermittel gab. Gescheitert ist das Projekt damals am Widerstand von Bürgern.

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