Jülich: Kunsthandwerkerinnenmarkt ist ein Aushängeschild für Jülich

Jülich : Kunsthandwerkerinnenmarkt ist ein Aushängeschild für Jülich

Rund 250 Ausstellerinnen präsentierten an zwei Tagen ihre originellen Unikate und beeindruckten mit außergewöhnlichen Handwerksdemonstrationen aus nächster Nähe. 30.000 bis 40.000 Besucher reisten zur 25. Ausgabe des Kunsthandwerkerinnenmarktes an, um vor historischer Kulisse das künstlerische Ambiente mit seinen edlen bis exzentrischen Produkten zu erleben und möglichst ein oder mehrere „Schätzchen“ zu erwerben.

Kurzum, der Schlossplatz platzte zu seinem Silberjubiläum aus allen Nähten. Als wahrscheinlich größter Kunsthandwerkerinnenmarkt in der Republik ist die Veranstaltung das „Aushängeschild Jülichs“, wie Bürgermeister Axel Fuchs auf der neuen Bühne einleitend betonte. „Die Kunsthandwerkerinnen wollen unbedingt nach Jülich. Wir könnten auch 400 unterbringen, dann müssten wir in den Wallgraben ausweichen“, setzte er nach.

Der Markt, den die damals neue Gleichstellungsbeauftragte Katarina Esser 1994 nach Jülich holte, ist im Grunde „ein klein wenig älter“. Fuchs erinnerte an die Anfänge in der „Alten Weberei Rödingen“ durch die Gemeinschaftsarbeit des Frauennetzwerks und „Frauen helfen Frauen“ und der damaligen Gleichstellungsbeauftragten Kerstin Müller-Lehnen.

Große Auswahl

„Heute ist die Auswahl besonders groß“, fanden mehrere Jubiläumsbesucher. Die künstlerische Palette reichte von feinen Glasarbeiten und Keramiken, wertvollem Schmuck aus den verschiedensten Edelmetallen, Emaille-, Filz-, Holz- und Papierkunst, exquisiten Handtaschen, Hut- und Modekreationen bis hin zu Skulpturen und Stelen. Die Besucherscharen zogen vorbei an Blütenmeeren aus Filz, glänzenden, zu Windlichtern umgearbeiteten Eisenkugeln, Büsten aus Pappmaché, einem Spruchhölzer-Ensemble oder einer originellen Vogelwelt aus Metall in Rostoptik.

„Dinge, die die Welt nicht braucht, aber die sie verschönern und verbuntern“, dieses Werbeschild einer Anbietern darf man getrost auf die gesamte Kunsthandwerkerinnenmeile erweitern. Begleitend ließ etwa Dhara S. Reisner aus Marl ihre handgearbeiteten Saxoflöten erklingen, die exzentrisch anmutende Noona Freudenberg aus Dumstorf nähte auf ihrer mindestens 100 Jahre alten Nähmaschine, Aiyana Kanti spielte auf der karibischen „Hang“.

Ein Beispiel für ausgefallene Produkte sind Sápmi-Armbänder von Melanie Knizia-Pawolka aus Würzburg, die ihr traditionelles schwedisches und samisches Handwerk in Schweden gelernt hat und fließend schwedisch spricht. Sie war auch „eine der ersten, die das Handwerk nach Deutschland gebracht hat“. Es handelt sich um selbst gesponnenen Zinndrahtschmuck, der in alten Flecht- und Knotenmustern mit Rentierleder oder Lammnappa verwoben wird, teilweise mit Silberperlen geschmückt. Verschlossen werden die Armbänder mit handgefeilten Knöpfen aus Renhorn oder Zinn.

Diplom-Designerin und Gesellin

Ein zweites Exempel ist „Gesellin“ Gabriele Weiler aus Stetternich mit Kleidung aus feinem, gewalkten Jacquardstrick. Darunter exklusive Westen, Jacken, Wickelboleros in den unterschiedlichsten Farbtönen, wobei alle Stoffmuster und Modelle eigene Entwürfe sind.

Von Anfang an gab es für die Diplom-Designerin „immer diesen Traum, einen eigenen Stoff zu produzieren, vielfältig in Farben und Mustern, immer nur zweifarbig und gerne ornamental, robust und widerstandsfähig in Qualität und Verarbeitung“, gab die Künstlerin einen Einblick in die Anfänge. Warum sie sich „Gesellin“ nennt? „Das Tuch ist ein geselliges Tuch, es schützt und trägt einen“, fasste die Designerin zusammen.

Fühlproben

Viele Gäste transportierten ihre erworbenen Produkte in einer der in limitierter Auflage produzierten Tragetaschen mit Jubiläumsemblem. Neben dem Angebot der Anprobe wurden auch „Fühlproben“ bei Produkten rund ums Schaf offeriert. Ein internationales kulinarisches Getränke- und Speisenangebot lud zum Verweilen ein. Für den sozialen Zweck verkauften die Frauen aus dem Lions-Club „Gavadiae“ ausgefallene Cocktails wie „Löwenblut“ oder „Sweet Barbara“.

Das musikalische Rahmenprogramm bildeten am Samstag die „Summer of Love“-Formation, bestehend aus Virginia Lisken (Gesang/Gitarre), Michael Dorp (Gesang) und Jo Lisken (Cajon). Am „Female Day“ am Sonntag zogen jeweils zur vollen Stunde die „Female Singers“ mit Susan Lentzen, Claudia Puhl, Marlene Glücklich, Natascha Wenrich, Christa Dohmen und Ronja Bellhoff mit ihren Geburtstagsständchen das Publikum in ihren Bann.

Ein Rahmenprogramm war an beiden Tagen ein Luftballonwettbewerb mit rund 1000 Ballons. Hauptpreis für den Gewinner der längsten „Reisestrecke“ war eine Fahrt im Heißluftballon. Historische Gästeführungen mit dem „Blick auf die Frau“ setzten Begleitakzente.

(ptj)
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