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Führung durch Museum Zitadelle: Künstler haben die Landschaft im Blick

Führung durch Museum Zitadelle : Künstler haben die Landschaft im Blick

Kurator Marcell Perse hat am Sonntag eine Führung durch die Kunstsammlung des Museums Zitadelle geboten. Vorgestellt wurden die Werke des Landschaftsmalers Johann Wilhelm Schirmer und seinen Schülern sowie des Gegenwartskünstlers Heiner Altmeppen.

Altmeppen, der sich ebenfalls auf Landschaftsdarstellungen spezialisiert hat, wird als einer der profiliertesten Vertreter des Neuen Realismus beschrieben. Bereits 2014 war die Ausstellung „Landschaften in Bewegung“ in der Schlosskapelle der Zitadelle zu sehen, worin die Bilder „Kleines Rasenstück bei Inden“ und „Tagesanbruch bei Weisweiler“ vorgestellt wurden.

Diese sind Teil einer Serie, welche nun — im Rahmen des 25-jährigen Bestehens des Museums — um das Fragment „Sternwarte in Pier“ erweitert wurde.

„Dabei handelt es sich keinesfalls um eine Anlegestelle, sondern um die umgesiedelte Gemeinde bei Inden. In Pier und nicht am Pier!“, erläutert Kurator Perse. „Während der Abrissarbeiten kam die alte Sternwarte zutage, welche vorher verdeckt wurde. Eine Landschaft die verwundet ist, die einen Einblick in ihr Innenleben gewährt.

Es geht Altmeppen aber nicht darum, den vordringenden Tagebau als böse darzustellen, diese Thematik ist bei den Vorgängen im Hambacher Forst ja hochaktuell. Er möchte tiefer gehende Fragen aufzeigen, die noch nicht abgeschlossen sind. Was ist Heimat überhaupt und woran machen wir das fest?“

Altmeppen sei zunächst sogar vorgeworfen worden, dass er sich in Zeiten der ökologischen Krisen wieder der „handzahmen“ Landschaftsdarstellung zugewandt habe. Dem soll er mit den Worten „Sehen sie nicht, wie wir jetzt darüber diskutieren? Da haben wir doch wohl beide unser Ziel erreicht!“ entgegengetreten sein.

Entdeckt hatte Perse den Künstler durch dessen Frieslandbilder, in denen er den Kunstansatz des Jülicher Malers Johann Wilhelm Schirmer von 1800 in unsere Zeit transportiert habe. „Im 19. Jahrhundert tauschte sich die gesamte Käuferschicht für Kunst aus. Bürgerliche ‚Self-Made-Men‘, die sich Fabriken erarbeitet hatten und keine höhere Bildung besaßen, dominierten den Ton. Schirmer hat im späteren Leben selbst Probleme bei Geschäftsbeziehungen gehabt, weil er sich ausschließlich im Jülicher Platt ausdrückte. Nebenwirkung der Industrialisierung war auch, dass die Natur sich immer weiter von der Stadt entfernte. Man kann diese Gemälde als Tränen einer Gesellschaft verstehen, die einen Verlustreflex hat.“

Beschreibend für diese Malerei sei die hyperrealistische Darstellungsweise: Selbst bei einzelnen Grashalmen innerhalb der Bilder lasse sich die botanische Korrektheit feststellen. Schirmer studierte dazu mit seinen Schülern eingehend die Natur und stellte zahlreiche Versatzstücke her, die später zu einer Darstellung zusammengefügt wurden.

Altmeppen setzt auf das moderne Mittel der Fotografie, nach der er mit Lupe detailgetreue Abbildungen malt. „Dabei entsteht etwas, das über eine reine Fotografie hinausgeht. Wenn jemand so viel Lebenszeit opfert — ein einzelnes Gemälde kann bis zu acht Jahre Arbeit in Anspruch nehmen — dann möchte er etwas mitteilen, das es verdient, gehört zu werden“, ergänzte Perse. Für Interessierte beginnen sonntags um 11 Uhr weitere Führungen am Infopavillion der Zitadelle.