Stetternich: Kreuzweg der Pfarre St. Rochus führt zum Gipfelkreuz

Stetternich: Kreuzweg der Pfarre St. Rochus führt zum Gipfelkreuz

Das Thermometer zeigte minus zwei Grad Celcius, die Sophienhöhe war von Schnee bedeckt. Obwohl sie sich „im falschen Film“ fühlten, fanden sich rund 200 Christen verschiedener Konfessionen am Karfreitagmorgen traditionell an der Stetternicher Grillhütte ein, um mit dem Kreuz in Händen zum Gipfelkreuz aufzusteigen und den Kreuzweg Jesu zu gehen.

Zu den Teilnehmern zählte sowohl ein wenige Wochen altes Baby, warm eingehüllt in die Winterjacke seiner Mutter, als auch ein Hund, der still die Prozession begleitete. Markus Kieven aus dem Liturgiekreis der veranstaltenden Pfarre St. Rochus hatte die Leitung inne, Pfarrer Konny Keutmann musste schwer erkältet das Bett hüten.

„Das Schwere leicht gesagt, und darin das Leben entdecken“, dazu lud Kieven bei seiner Begrüßung beim ersten Halt ein. „Was am Kreuz endet oder besser sich vollendet, das Leben und Wirken Jesu, soll uns heute auf dem Weg zum Gipfelkreuz leiten, anleiten und begleiten“. Wichtige Elemente und Symbole aus dem Wirken Jesu gaben den Themenstationen mit fürbittendem Gebet und Liedrufen ihre Prägung: Stern und Krone, Wasser und Taube, Brot, Wein und Haus.

Alle Symbole einander zugeordnet und ans Kreuz genagelt, zeigten später am Gipfelkreuz die Zeichen des Aachener Friedenskreuzes. Mit der Symbolik von Stern und Krone begannen die Trierpilger an der ersten Themenstation. Sterne gelten als Ausdruck besonderer Leistungen, sind aber auch „Werkzeuge Gottes, der allein die Ordnung garantiert“. Die Krone als Zeichen von Herrschaft und Macht wird schließlich zur Dornenkrone Jesu, dessen Herrschaft nicht von dieser Welt ist. „Du zerbrichst das drückende Joch, das Tragholz auf unserer Schulter und den Stock des Treibers“, diese Bibelstelle aus Jesaja mündete schließlich in die Fürbitten, unter anderem für Menschen, „die aus der Gewaltspirale ausbrechen wollen“.

Der Bedeutung „Haus“ widmeten sich im Anschluss die Kommunionkinder aus Welldorf/Güsten mit einer Geschichte, in der Eva, Lea und Jonas an Türen klingeln, meist aber mit faulen Ausreden abgewiesen werden. Nur „Frau Rosa“ öffnet ihre Türe. „Wer die Welt aussperrt und niemanden einlässt, macht sein Haus zu einem Fetisch. Jesus lädt uns ein und öffnet uns die Tür“, führten sie aus. Ihre Katecheten baten in fürbittendem Gebet auch darum, „Kinder fürs Leben zu ermutigen“.

Nach den Ausarbeitungen der Katholische Frauengemeinschaft an der nächsten Themenstation greifen Künstler meist auf das Symbol der Taube als Ausdrucksmittel des göttlichen Geistes zurück. Im Neuen Testament korrespondieren Lebenswasser und göttlicher Geist in der Taufe. Die Bibelstelle der samaritischen Frau am Jakobsbrunnen aus dem Johannesevangelium verdeutlichte schließlich den Zusammenhang zwischen Durst und lebendigem Wasser.

Besonders eindrucksvoll gestaltete sich die Themenstation der Freien Evangelischen Gemeinde zum Thema Brot. Freimütig gestand Pastor Simon Diercks in seiner Kurzpredigt ein, dass er einst selbst „hungrig war nach dem nächsten Highlight, der nächsten Romanze oder der nächsten Sprosse auf der Karriereleiter“.

Doch er habe erkannt, dass Jesus wie ein Mehrkornbrot sei, das „aus vielen Körnern besteht, satt macht und nicht schwer im Magen liegt“. Jesu „Laib“ sei am Karfreitag für uns am Kreuz gebrochen worden. Damit solle unter anderem „habgieriges Raffen zu liebevollem Teilen“ werden. Die freie Entscheidung räume Jesus allerdings nicht weg, auch am Karfreitag nicht. Nach zweistündigem Aufstieg lehnten die Kommunionkinder ihr gemeinsam getragenes Kreuz ans Gipfelkreuz an.

Die letzte Station widmete sich den Zeichen Dornenkrone und Kreuz. Im Vordergrund zu Kievens Reflexion stand die Lesung der Bibelstelle „Jesus stirbt am Kreuz“ und die Erkenntnis des römischen Centurio: „Wahrlich, dieser Mensch war Gottes Sohn“. Daraus entsteht die Verpflichtung für alle Gläubigen: „Wer mein Jünger sein will, der folge mir nach — mit allen Konflikten und Konsequenzen“.

(ptj)
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