Kostümsitzung der KG Rurblümchen

Abschied : Jecke sagen „Bye bye my Love“ zur Stadthalle

Auch wenn eine Kostümsitzung im rheinländischen Karneval eigentlich immer eine lustige und unterhaltsame Veranstaltung ist, mischte sich in diesem Jahr bei der KG Rurblümchen etwas Wehmut unter das jecke Treiben.

Denn in dieser Session endet eine Ära, wenn zum letzten Mal für die KG in der Jülicher Stadthalle allen Gästen „Alaaf!“ zugerufen wird. Was hier vor 93 Jahren mit der Vereinsgründung unter Willi Becker begann, endete nun an gleicher Stelle – der Kreis hat sich sozusagen geschlossen.

Selbstverständlich wird die KG in Zukunft im Festzelt weiterfeiern und das Programm für die Session 2019/2020 steht schon. Doch in Erinnerung an die alte Heimat ziert das Konterfei der alten Stadthalle den aktuellen Sessionsorden der Rurblümchen und wird so immer an die alte Heimat erinnern. Auf die Jülicher Jecken wartete im ausverkauften Saal auch diesmal ein tolles Programm und es begann pünktlich mit dem Einzug des Elferrates unter Vorsitz von Präsident Frank Kutsch gemeinsam mit der Prinzengarde Köln. Es wurde direkt richtig voll auf der Bühne und die Gruppe spielte zahlreiche Karnevalsklassiker zum Mitsingen und Mitschunkeln. Der traditionelle Mariechentanz wurde zu Ehren von Bürgermeister Axel Fuchs aufgeführt.

Ein besonderer Höhepunkt der Sitzung war natürlich der Auftritt des Jülicher Kinderdreigestirns, bestehend aus Prinz Jan (Schlader), Jungfrau Lisa (Schlader) und Bauer Jonas (Schlader) mit ihren drei Pagen Jule (Sußmann), Calvin (Schoppe) und Talina (Schoppe), die als Band auch selbst ihren Sessionssong spielten. Viel zu Lachen gab es beim Auftritt von Comedian Volker Weininger, der viel über schlechte Autofahrer, einen Kalender von 2034 und Klobürsten in der Spülmaschine zu berichten wusste – und selbstverständlich nicht ohne Zugabe das Podium verlassen durfte.

Richtig deftig wurde es beim Auftritt von Thomas Oellers, der als selbsternannter Heimatredner politische Missstände in seiner Stadt aufs Korn nimmt. Bei seiner Rede bekam jeder sein Fett weg und besonderen Anklang fand seine Kritik an der Schließung und dem vorgesehenen Abriss der Stadthalle.

Akrobatische Tanzleistungen auf höchstem Niveau zeigte das Tanzcorps der Fidelen Sandhasen Oberlar, bei der auf der vollbesetzten Bühne unter viel Applaus zahlreiche akrobatische Einlagen gezeigt wurden. Bei der Kostümsitzung durfte selbstverständlich das Kölner Urgestein Bernd Stelter nicht fehlen und prompt wurde ein heiterer Rückblick auf das Jahr 2018 geliefert und es kam keiner ungeschoren davon: angefangen bei Donald Trump über Recep Tayyip Erdogan bis hin zu Wladimir Putin. Und er lieferte eine etwas andere Version des Grönemeyer-Hits „Sekundenglück“, den alle begeistert mitsangen.

Für die richtigen kölschen Töne bei der Sitzung sorgte über den Abend die Thomas-Arens-Combo. Zudem waren wieder viele hochklassige kölsche Gruppen eingeladen worden. Die Cöllner hatten ihren Hit „Angelina“ im Gepäck und sangen gemeinsam mit dem Publikum über das, was des Karnevalsjecken Herz begehrt, wie den Dom, den Rhein und den Himmel voller Kamelle.

Miljö hatten natürlich ihren Hit „Wolkeplatz“ dabei, sangen über die Domspitzen und präsentierten ihren neuen Sessionssong „Schöckelpääd“. Bei beiden Gruppen war klar, dass der Auftritt nicht ohne Zugabe enden durfte.

Lustig wurde es auch beim Auftritt von Lieselotte Lotterlappen alias Joachim Jung, die gekonnt das Publikum in ihre Gags mit einspannte und zum Ende bei einem Medley ihre Künste als Trompetenspielerin beweisen konnte.

Zum Finale steuerte der Abend auf einen absoluten musikalischen Höhepunkt mit dem Auftritt der Höhner zu. Hierbei hielt es keinen auf seinem Stuhl und es folgte mit „Jetzt geht’s los“, „Wir sind für die Liebe gemacht“ und „Echte Fründe“ ein Hit auf den anderen. Hervorragend klappte auch die mit dem gesamten Saal gestaltete Choreographie zum neuen Hit „Komm wir halten die Welt an“, bei dem sich auf Kommando niemand mehr rührt, bis auf das Wort „Welt“ alle wieder tanzen. „Hey Kölle“ durfte ebenfalls nicht fehlen und die geforderte Zugabe wurde mit „Schenk mir Dein Herz“ und „Viva Colonia“ geliefert und die Gruppe mit Standing Ovations verabschiedet.

Nun schlüpfte auch Rurblümchen-Präsident Kutsch in das Kostüm des Herrenballetts und unter dem Motto „Radiosender 100,11“ wurde der Sessionstanz aufgeführt – mit Hits der 80er, 90er und aktuellen Songs. Die Gruppe wurde von allen Jecken gefeiert und lieferte mit dem Titel „Bella Ciao“ eine tolle Zugabe.

Zum Ende dieser besonderen Sitzung sang der gesamte Saal das Jülicher „Hexenturmlied“ und speziell für die Stadthalle wurde noch „Bye Bye my Love“ angestimmt und im Anschluss wurde noch lange bei der After Show-Party im Zelt gefeiert.

(bw)
Mehr von Aachener Zeitung