Konzert: Robert Schumann in der Schlosskapelle

Glück und Drama : Schumann wird in der Schlosskapelle inszeniert

Nach Liszt, Chopin, Beethoven, Wagner, Meyerbeer und Schubert, die Lutz Görner und Nadia Singer in ihrem Zyklus „Kosmos Liszt“ bereits porträtiert haben, ist nun Robert Schumann an der Reihe.

Das neue Programm, das im August 2018 in Schumanns Geburtshaus in Zwickau Premiere hatte und frisch als CD herausgekommen ist, wird am Samstag, dem 26. Januar, in der Schlosskapelle der Zitadelle Jülich zu erleben sein.

Ein unmöglicher Mensch sei dieser Schumann, beklagte sich Richard Wagner nach einem Besuch seines Komponistenkollegen in Dresden. Kein einziges Wort habe er geredet, eine Zumutung sei diese rücksichtslose Schweigsamkeit gewesen.

Robert Schumann, der Wortkarge, machte es seinen Gästen oft nicht leicht. Doch nicht nur die Zeitgenossen, auch Rezitator Lutz Görner, der sich zusammen mit der Pianistin Nadia Singer und dem jungen englischen Tenor Edward Leach in seinem neuen Programm Robert Schumann widmet, hatte zunächst seine Schwierigkeiten mit dem eigenwilligen Genius. „Anfangs konnte ich mich einfach nicht mit ihm anfreunden“, gesteht Görner, der drei Jahre lang mit seinem Schumann-Programm gerungen hat.

Die Hassliebe erleichtert die Annäherung

Doch wer Görner kennt, weiß, dass dieses anfängliche Hadern und Ringen geradezu charakteristisch für seine Arbeitsweise ist. Anziehung und Abstoßung wechseln dabei stetig. Mitunter entwickelt Görner zu den Protagonisten seiner Programme eine regelrechte Hassliebe, die ihm letztlich jedoch einen besonderen emotionalen Zugang zu ihnen ermöglicht.

In Schumanns kurzem Leben liegen Glück und Drama, Erfolg und Absturz, Genie und Wahnsinn nah beieinander. Um Schumanns Biografie zu erzählen, hat Görner Zitate aus Briefen und Schriften von Zeitgenossen sowie aus den eigenen Notizen des Musikers zusammengestellt. Herausgekommen ist ein spannungsgeladenes Porträt eines genialen Künstlers, dessen Leben von scharfen Widersprüchen geprägt war. Auf fruchtbare Schaffensphasen folgten Lähmung und Krankheit, im bürgerlichen Familienidyll lauerte die todbringende Syphiliserkrankung, die Schumann sich in jungen Jahren zugezogen hatte. Verheiratet mit einer umjubelten Pianistin, dauerte es über seinen Tod hinaus, bis auch er geachtet und umjubelt wurde.

Seine Qualität bezieht das Programm nicht zuletzt aus der vortrefflichen Auswahl der Musikstücke, die in die Biografie eingewoben sind. Tenor Edward Leach singt berühmte Schumann-Lieder nach Gedichten von Heine und Eichendorff. Besondere Glanzpunkte des Abends sind die Klavierwerke Schumanns, darunter Stücke aus dem „Carnaval“, den „Kinderszenen“, den „Fantasie-Stücken“ und viele andere, die von Nadia Singer, die in den vergangenen Jahren eine erstaunliche pianistische Entwicklung gemacht hat, gespielt werden.

Das Konzert „Robert Schumann. Leben – Lieder – Musik“ mit Lutz Görner (Sprache), Edward Leach (Tenor), Nadia Singer (Klavier) findet am Samstag, 26. Januar, in der Schlosskapelle um 19.30 Uhr statt. Karten gibt es in der Buchhandlung Fischer und online unter www.goerner-singer.de.