Konzert des Kaléko-Quartetts in der Evangelischen Kirche in Linnich

Konzert des Kaléko-Quartetts : Musikalische Reise durch drei Jahrhunderte

Der Linnicher Kultursommer befindet sich im vollen Gange und bietet nicht nur bei sonnigem Wetter genügend Attraktionen für diejenigen, die ihre Ferienzeit nicht in südländischen Gefilden verbringen. An einem grauen Julinachmittag konnten die Gemüter vieler Konzertgäste in der evangelischen Kirche deutlich erhellt werden.

Für das junge Streichensemble aus Hannover ist der Name das Programm. Ebenso wie die Lyrik der Dichterin Mascha Kaléko zeichnen sich die musikalischen Interpretationen des Kaléko-Quartetts sowohl durch einen weichen melancholischen Charakter als auch durch die kraftvolle Geradlinigkeit des Ausdrucks aus.

Mit dem „Streichquartett in B-Dur, op. 18, Nr. 6“ von Ludwig van Beethoven erreichten die einzelnen Stimmen eine durchdringende Transparenz, die abwechselnd die freudig tänzerische, melancholisch-lyrische und in einem virtuosem Finale eine energiegeladene kraftvolle Stimmung des Werkes zum Besten gab. In dem Stück „Pannonia Boundless“ der serbischen Komponistin Aleksandra Vrebalov begeisterten die Violinistinnen Maria Meures und Anne Zauner mit einem stilisierten Einstieg in die sehnsuchtsvolle Welt der Sinti- und Roma-Musik.

Mit träumerischen Klängen übernahm Caroline Luy (Viola) den romantischen Tenor des Stücks, wobei die durchgezogenen Töne des Violoncellos mit Luisa Arnitz einen unbändigen Ruf nach Freiheit kraftvoll widerspiegelten. Der harmonische Abschluss des Stücks ähnelte einem temperamentvollen Tschardasch und gipfelte in einem triumphalen Akzent als Hommage an die Kunst der nomadisierenden Musiker.

Eine harmonische Symphonie der Streichtöne erlebten die Zuhörer auch mit dem sogenannten „amerikanischen Streichquartett in F-Dur, op.96“ von Antonin Dvořẚk. Mit Frische und Lebendigkeit interpretierten die Musikerinnen den Reichtum an Klangfarben und die Vielfalt der Melodien. Gefühlsvoll und mit großer musikalischer Hingabe ließen sie das Publikum in romantisch unbeschwerter Stimmung schwelgen, den „Naturstimmen“ lauschen und ein schnell-spritziges Finale genießen.

Als Dank für den tosenden Beifall wurden die Zuschauer mit einem schwedischen Volkslied in der Zugabe nochmals an diesem regnerischen Nachmittag aufgeheitert.

(mavo)
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