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Jülich: König des Banalen unter der Plastikhaube

Jülich : König des Banalen unter der Plastikhaube

Rauch, Dampf und Qualm - dann „befährt” Helge Schneider die Manege auf einem Motorrad.

So stilvoll betrat der „King of Nonsens” am Freitag auch die Bühne unter der „schönsten Plastikhaube, die es überhaupt geben kann”.

Die Hauptbühne des Brückenkopf-Parks in Jülich mit ihrem auffallenden Regenschutz hatte es dem bekennenden „Quatschmacher” offenbar angetan, denn er kam in seinem Programm immer wieder gerne darauf zurück.

An „das Dorf” Jülich werde er sich immer erinnern - vor allem wegen der Lungenentzündung, die man sich auf der Bühne hole. Zahlreiche Fans waren gekommen, die Blödeleien des einen und einzig wahren Helge Schneider live zu erleben.

„Füttern verboten!” lautet der Titel des neuen Soloprogramms, mit dem Schneider zurzeit auf Tour ist, und zumindest inhaltlich füttern muss man den Chaoskönig wohl wirklich nicht - er findet von allein genug alltägliche Absurditäten, über die er sich auslassen kann.

Natürlich spielte der ausgewiesen fähige Multiinstrumentalist seine Hits wie „Fitzefatze”, „Katzeklo” oder „Tu ma lieber die Möhrchen”. Warum auch nicht?

Doch auch viel Neues brachte er zu Gehör: Er sang - teils sogar in verschiedenen „Sprachen” - über die Zweierreihe an der Pommesbude, das Schicksal eines Würmer-organisierenden Meisenmannes und vom Biobauern Thorsten.

Zudem lieferte er weit mehr als einen Grund, warum man die Oma mal wieder im Altenheim besuchen sollte, wie man sich erfolgreich gegen eine Einsargung wehrt, und gab auch noch Tips zum Überqueren einer achtspurigen Straße.

Ganz nebenbei bediente er dabei Klavier, Glockenspiel, Flöte, Rassel, Gitarre, Schlagzeug und Vibraphon.

Unnachahmlich

Nonsens mag man das nennen, was Schneider auf der Bühne von sich gab. Aber sicher ist, dass nur er diesen Quatsch so unnachahmlich verzapfen kann.

Einen „Kopp aus Papp” hat der Schneider, den seine Fans nur Helge nennen, nun wirklich nicht, und so steckt hinter aller offenkundigen Blödelei immer auch ein Funken Ernst. Schließlich sollen die lustigen kleinen Lieder nach eigenem Bekunden ja „auch zum Nachdenken anregen und sozialkritisch sein” - manchmal auch nicht.

Seis drum! Eine lebende Legende ist der Mann aus Mühlheim mit dem eigenwilligen Grinsen, dem besonderen Geschmack für Kleidung und dem noch eigenwilligeren Humor ohnehin schon längst. Das bewies er auch den Herzogstädtern: Keiner kann so in Wortfetzen (aber auch ganzen Sätzen) über alles herziehen, was ihm gerade in den Sinn kommt.

Wenn man sich nachher auch nicht ganz sicher war, was der Mann nun eigentlich den ganzen Abend lang erzählt hat, so trifft das Prädikat „lustig” wohl auf kaum einen besser zu als auf den König des Banalen, den Mann, der Quatsch zum Kult erhebt und immer wieder beweist, dass sich Liedtexte überhaupt nicht reimen müssen.

Ebenso dampfend und qualmend wie zu Beginn ging es nach gut zwei Stunden unter tosendem Applaus auch wieder mit dem Motorrad von der Bühne.