Jülich: Klebe-Delikte der braunen Szene: Nazi-Propaganda in Jülich

Jülich: Klebe-Delikte der braunen Szene: Nazi-Propaganda in Jülich

Die Herzogstadt hat ein kleines, hässliches Problem. Es hat doppelte Visitenkartengröße und ist braun. Nicht de facto, aber ideologisch. Seit einigen Monaten tauchen in Jülich Aufkleber mit rechtsradikalem Hintergrund auf.

Ziel der offenbar nächtlichen Klebeaktionen sind vor allem öffentliche Gebäude. Fensterscheiben, Türen und Verkehrsschilder werden beklebt. Auch die Rathaustüre und der Eingang zur Stadtbücherei wurden schon als Propagandafläche missbraucht.

Auch vor Privatbesitz machen die braunen Aktivisten keinen Halt. Das haben mehrer Leser der Redaktion mitgeteilt. Darüber hinaus haben offenbar politisch motivierte Täter auch schon ganze Straßenzüge umbenannt: Aus der Adolf-Fischer-Straße wurde die Hitler-Straße, Hess-Straße war in diesem Jahr auch schon kurzfristig zu lesen.

„In den vergangenen drei Monaten haben wir verstärkt mit diesem Problem zu tun”, sagt Monika Hofmeister vom Rechtsamt der Stadt. Die Verwaltung lässt jedes Klebe-Delikt umgehend beseitigen. Zudem erstattet sie Anzeige. Bisher allerdings ohne Erfolg.

Der Staatsschutz in Aachen beschäftigt sich mittlerweile mit dem Thema. „Wir haben eine steigende Zahl an Propaganda-Delikten in Jülich festgestellt”, bestätigte Polizeisprecher Paul Kemen. Das gelte jedoch auch für einige andere Städte und Gemeinden in der Region. In Jülich auffällig: Gestaltung und Qualität der Aufkleber wirken nicht wie das in einem Hinterhof entstande Werk unreifer Jugendlicher. Das Design erscheint professionell und ist speziell auf Jülich abgestimmt.

Zu sehen sind beispielsweise der Hexenturm sowie einschlägige Schriftzüge und Symbole. Auf Nachfrage hat Kemen den Verdacht, dass es sich bei den Klebereien um organisierte Aktionen handelt, nicht bestritten.

Polizei und Stadt Jülich appellieren deswegen an die Bürger, die Augen offen zu halten und jeden Aufkleber zu melden. Die Hoffnung besteht, dass die Täter irgendwann auf frischer Tat ertappt werden. Zeugen können sich direkt an den Staatsschutz in Aachen unter Tel. 0241/957735001 beziehungsweise nach Büroschluss an Tel. 0241/95770 wenden.

Eine positive Tendenz gibt es aber: Zuletzt sind beim Rechtsamt in Jülich keine neuen Klebeaktionen mehr gemeldet worden. „Wir wollen hoffen, dass die Sache jetzt abebbt”, so Monika Hofmeister. So wie vor einigen Jahren, als die rechte Prodaganda schon einmal die Herzogstadt überzogen hat und dann wieder von der Bildfläche verschwand.