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Klavierabend mit Tetiana Hrabovska in der Schlosskapelle Jülich

Konzert in der Schlosskapelle : Anspruchsvolle Klavierliteratur mit brillantem Spiel

Die erst 20-jährige Tetiana Hrabovska erwies sich als brillante Pianisten bei dem gehaltvollen Programm ihres Konzertes in der Jülicher Schlosskapelle, das sie komplett auswendig vortrug.

Die Meisterschülerin von Heribert Koch, der das Programm auch anmoderierte, hatte wahrlich Meisterwerke der Klavierliteratur von bedeutenden Komponisten gewählt. Schade, dass sich so viele Musikfans den hochkarätigen Konzertabend entgehen ließen.

Beethoven selbst bezeichnete seine Sonate in Es-Dur op. 7 als „Grande Sonate“, die 1797 veröffentlicht wurde. Die inneren Dimensionen dieses Werkes berechtigen diese Bezeichnung durchaus. Ihre Klangfülle und Klangideen kennen keine Grenzen und Begrenzungen, ein Streben nach Unendlichkeit liegt ihr inne. Elementare Klanggebilde, die wie Naturkräfte miteinander wetteifern, fast streiten, stehen im Mittelpunkt des 1. Satzes. Tetiana Hrabovska gelang es durch ihr virtuoses Können und ihre starke musikalische Ausdruckskraft diese Kräfte zu bündeln und sie schwungvoll über weite Passagen hin zu lenken.

Wie eine ernste, in sich ruhende Meditation erscheint der Largo-Satz, dessen Bezeichnung „Largo, con gran’ espressione“ der Pianistin Gelegenheit gab, die weiche Melodie, erfüllt von Seufzern zu einer pathetischen Steigerung zu führen. Im dritten Satz, dem Allegro, bargen die arpeggierenden Triolen eine zarte Melodie. Unbekümmert heiter gelang das Rondo, Poco Allegretto e grazioso, ein durchaus harmonischer Satz mit lieblichem Hauptthema. Hinreißend gelungen die leicht hingetupften Staccato-Töne in ihrer zierlichen Begleitung.

Die Abegg-Variationen op. 1 von Robert Schumann nahmen, wie der Titel sagt, das alte Spiel mit den musikalischen Buchstaben auf. Er komponierte frei nach einer fiktiven Adeligen nach diesem musikalischen Buchstabenthema in biedermeierlich liebenswürdiger Eleganz ein Albumblatt, wie es der Zeit entsprach. Die Pianistin arbeitete die feinen Nuancen präzise heraus.

Großartig war ihre Darbietung der Sonate C-Dur op.1 von Johannes Brahms. Dem spielerischen Temperament und der großen Ausdruckskraft von Tetiana Hrabovska kam das stürmische, heroische Hauptmotiv entgegen. Die vier Variationen eines altdeutschen Minneliedes wurden dagegen im Andante liebevoll zart ausgespielt, das romantische Jagdstück des Scherzos folgte voller Harmonie.

Mitreißend, voller Feuer nutzte die Pianistin den glanzvollen letzten Satz, ihre pianistische Kunst in jagendem Tempo brillant auszuleben.

Bravo-Rufe und großer Applaus zeigten die Begeisterung der Zuhörer für die Darbietungen des jungen Talentes Tetiana Hrabovska, deren musikalische Interpretation der Kompositionen, die ausgefeilte Technik und das kraftvolle wie auch feinsinnige Spiel ein intensives Erleben der Werke ermöglichte.

(hivi)