Aldenhoven: Klassengemeinschaft der Aldenhovener Mädchenschule hat 50 Jahre gehalten

Aldenhoven : Klassengemeinschaft der Aldenhovener Mädchenschule hat 50 Jahre gehalten

Ein halbes Jahrhundert ist ins Land gegangen, seitdem die vierzig Schülerinnen der Katholischen Mädchenschule in Aldenhoven mit 14 Jahren ins „Erwachsene-Leben“ aus der Volkschule entlassen wurden.

50 Jahre ist eine Zeitspanne, in der die Welt mehrere kulturelle, politische, gesellschaftliche und technologische Wandlungen erlebte. Auch die Mädchen von damals, Jahrgang 1953/54, veränderten sich. Am Abend des Klassentreffens erinnerte jedoch der Restaurantraum an ein Klassenzimmer, das der Lehrer kurzweilig verlassen hat. Aufgeregte Stimmen, Lachsalven, laute Wiedererkennungsrufe und zusammenhängende Köpfe bei leisen, unsicheren Fragen: „Ist sie das?“ oder „Bist du es?“ machten diesen ersten Eindruck perfekt.

Zwanzig von Vierzig

Alle vierunddreißig heute noch lebenden Schulkolleginnen hatte Anne Erben, die Initiatorin des Treffens, ausfindig gemacht und zwanzig davon konnten ihre Einladung an diesem Abend annehmen. Zwanzig adrette, selbstbewusste Frauen und die ehemalige Klassenlehrerin, die auch an diesem Abend stets mit einem respektvollen „Frau Kramer“ angesprochen wurde, kamen nach sehr langer Zeit wieder zusammen.

Sie alle erinnerten sich lebhaft an die Erarbeitung der komischen Oper „Zar und Zimmermann“, an deren Abschluss der Besuch einer Aufführung im Aachener Stadttheater erfolgte. Damit führte die Lehrerin einige von ihnen das erste Mal in die Welt der klassischen Musik ein und für viele war das ein prägendes Erlebnis. Frau Kramer erinnert sich gut an ihre Schülerinnen von einst. „Einige sieht man noch in Aldenhoven“, sagt sie und „andere habe ich lange nicht mehr gesehen, aber bei Namensnennung erinnere ich mich wieder“.

Die „Anderen“ sind oft von weither angereist. Der Weg aus Berlin oder Augsburg war für sie nicht zu beschwerlich, um die Schulkolleginnen zu sehen und ihre verschiedenen Lebenswege zu erfahren. „Wir sind doch mobil“ und „von Berlin ist es nur eine Stunde Flugzeit“, kam unisono von denen, die Aldenhoven vor langer Zeit verlassen haben. Manchen war die beschauliche Gemeinde „zu langweilig geworden“, einige legten berufliche Karieren in den Großstädten hin oder führen gar auf dem Segelboot einen unkonventionellen Lebensstil. Obwohl man es ihnen nicht ansehen kann, sind viele von ihnen schon Rentnerinnen und bezeichnen sich schmunzelnd als aktuelle „Allrounder in der Familie“.

Diverse Lebens- und Berufswege

Wie unterschiedlich ihre Lebensschicksale sind, waren es auch die Berufswege. Von Sozialarbeiterin und politisch engagierter Gleichstellungsbeauftragten über Krankenschwester, Kindergärtnerin, Masseurin, Kirchen-, Gemeinde- und Büroangestellten bis hin zur Mitarbeiterin einer Bundesbehörde oder Friseurin vertreten sie die verschiedensten Berufszweige.

„Aus uns ist was geworden und zwar von allem etwas“, beschreiben sie lachend ihre Lebenserfahrungen. Sie entsinnen sich bewegt der zwei Schulkolleginnen aus den ersten italienischen Gastarbeiterfamilien. Nostalgisch schwelgen sie in den Erinnerungen an ihre damalige Schule, in deren Gebäude heute noch Kinder unterrichtet werden. Sie sprechen darüber, wie erwachsen sie sich mit ihren 14 Jahren fühlten und wie voller Tatendrang sie dem Leben entgegen blickten. Alte Fotos vom Schulhof werden herum gereicht und lassen die Schultage wieder lebendig werden. Sie erinnern sich wieder an die strikte Trennung zwischen Jungs und Mädchen nicht nur in benachbarte Gebäude sondern auch auf dem gemeinsamen Schulhof in den Pausen. Sie durften sich nicht „vermischen“, jeglicher Kontakt wurde von den Lehrern strengstens untersagt.

„Das war schon heftig“, fassen alle zusammen und Anne Erben fügt hinzu, „heute hat sich das zum Glück geändert“. Auch die Absolventinnen von 1968 an der Katholischen Mädchenschule in Aldenhoven veränderten sich während der letzten fünfzig Jahre, doch ihre Klassengemeinschaft haben sie über diese lange Zeit erhalten.