Kirgisische Praktikantin lernt und hilft auf Biohof in Broich

Ökologischer Gemüseanbau : Kirgisische Praktikantin lernt und hilft auf Biohof in Broich

Zhyldyz Aalieva absolviert auf einem Broicher Biohof ein Praktikum. Dort kümmert sie sich mit um den Gemüseanbau und hilft auch auf dem Feld. Für die Zukunft hat sie einen klaren Plan.

Dieser Job ist nicht leicht, er bedeutet viel harte Arbeit: Anneliese Jumpertz betreibt in Broich einen Biohof mit Hofladen. „Man muss diese Arbeit lieben, um sie zu machen“, sagt sie bestimmt. Ihre neue Praktikantin Zhyldyz Aalieva ist da genau die Richtige für den Job, denn sie liebt die Arbeit mit Gemüse. Die 22-Jährige kommt aus Kirgisistan und studiert in Russland Agrarwissenschaften. Sechs Monate lang macht sie im Rahmen ihres Studiums ein Praktikum bei Jumpertz. Ihre Liebe zum Gemüseanbau hat sie von zuhause mitbekommen. „Wir haben einen kleinen Garten in Kirgisistan, wo meine Mutter und ich immer arbeiten“, erzählt sie.

Dieser Liebe kann sie bei Jumpertz nun voll nachgehen, denn da hat sie allerhand zu tun: „Ich mache alles. Ich arbeite mit Tomaten, Gurken, Bohnen, ich arbeite auch im Feld, dort gibt es Kartoffeln und ich sammle Kartoffelkäfer. Ich pflanze auch: Sellerie, Salate, Rettich“, sagt Aalieva, die erst im letzten Jahr begonnen hat, Deutsch zu lernen.

Damals kam sie für ein Praktikum in Baden-Württemberg zum ersten Mal nach Deutschland und hat dort mit dem Deutschlernen angefangen. Jetzt versucht sie, ihr Deutsch zu verbessern, besucht nach Feierabend eine Abendschule. Denn sie hat ein klares Ziel: Nach Abschluss ihres Studiums würde sie gerne in Deutschland eine Ausbildung machen. Und dafür muss sie die Sprache beherrschen.

Bei dem Praktikum bei Jumpertz bekommt sie die fachlichen Kenntnisse, die sie dafür braucht. „Anneliese Jumpertz ist eine sehr gute Lehrerin und weiß alles. Ich sage: Vielen Dank, Anneliese!“, schätzt Aalieva die Betreuung auf dem Hof hoch ein. Doch sie lernt nicht nur, sondern ist auch eine gute Unterstützung auf dem Biohof: „Die ist super, wirklich“, lobt Anneliese Jumpertz ihre Praktikantin.

Kaum Azubis im Gemüseanbau

Heutzutage möchten in Deutschland kaum noch junge Leute Gemüseanbau professionell erlernen. Die Zahl der Auszubildenden ist in den letzten Jahren stark gesunken. In NRW gibt es laut der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen insgesamt gerade mal 31 Azubis in dem Bereich.

Auch deshalb freut sich der Biohof Jumpertz stets über gute Kräfte aus fernen Ländern. Der Hof nimmt fast jedes Jahr Praktikanten aus Osteuropa auf. „Die haben Vorkenntnisse, sind schon mal top ausgebildet, von fachlicher Seite her. Das ist auch für uns eine Bereicherung“, erzählt Jumpertz. Auch wenn in Deutschland oft ganz andere Verhältnisse herrschen als in den Heimatländern der Praktikanten – etwa was das Arbeitstempo angeht – kommen sie laut Jumpertz gut zurecht. Probleme, auch kultureller Art, gab es bis auf eine Ausnahme bisher kaum. Aalieva fühlt sich in Deutschland jedenfalls sehr wohl. Die Menschen seien freundlich und immer hilfsbereit, betont sie mehrmals. Bis Ende Oktober ist Aalieva noch auf dem Biohof.

Der Öko-Anbau ist für einen kleinen Gemüsebetrieb wie Jumpertz nicht leicht. „Feldgemüse im großen Stil anzubauen, ist kein Problem. Aber so feinere Sachen wie Tomaten und Salate sind schwierig im Ökoanbau“, erklärt Jumpertz.

Trotz dieser bekannten Schwierigkeiten möchte Aalieva eines Tages selbst einen solchen Hof haben: Die Tochter einer Zahnärztin und eines Ingenieurs möchte zurück nach Kirgisistan zu ihrer Familie gehen und dort einen ökologischen Betrieb für Bio-Gemüse aufbauen. Denn in Kirgisistan gibt es keine Bio-Produkte. „Alles kommt aus China und alles mit Chemie. Und ich dachte: Das ist schlecht“, so Aalievas Motivation. Mit dem Praktikum bei Jumpertz ist sie diesem Traum ein Stückchen näher gekommen.

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