Kirchenkreis-Neubau in Jülich auf sensibler Fläche

Erste Arbeiten auf früherem Friedhof : Kirchenkreis-Neubau in Jülich auf sensibler Fläche

Das Gelände hinter dem großen Rokoko-Portal an der Ecke Linnicher/Düsseldorfer Straße in Jülich ist überwuchert und wirkt ein bisschen verwunschen. Hier befindet sich der frühere evangelische Friedhof der Stadt, auf dem allerdings seit 1975 niemand mehr beerdigt worden ist.

Das ist – trotz Entwidmung – ein sensibler Bereich, auf dem bald der Verwaltungsneubau des Kirchenkreises Jülich entstehen soll. Ein besonderer Bau an einem besonderen Ort, könnte man sagen. Denn dort soll laut Superintendent Jens Sannig ein „außerordentlich umweltverträgliches, energieeffizientes und naturschonendes Bürogebäude“ errichtet werden. Erste Vorarbeiten beginnen schon in Kürze.

Der Bauherr will den Besonderheiten Rechnung tragen und ausgesprochen behutsam mit dem Grundstück umgehen. Auf Tiefbauarbeiten wird verzichtet, wo auch immer das möglich ist.

„Wir werden in den nächsten Tagen die Grünflächen etwas freilegen. Was nicht bebaut wird, lassen wir unberührt. Durch die Arbeiten werden die alten Grabfelder wieder richtig zutage treten“, sagt Christian Preutenborbeck, Kirchenoberverwaltungsrat, voraus. Grabsteine und Umrandungen werden nach Maßgabe des Bauherrn zur Seite gelegt und später im hinteren Teil des Grundstücks wieder verwendet. „Die Gräber bleiben unangetastet, wir wahren die Totenruhe“, betont der Verwaltungsleiter des evangelischen Kirchenkreises. Der Neubau hat keinen Keller, sondern nur ein auf dünnen Pfählen stehendes Fundament in etwa 40 Zentimetern Tiefe. Preutenborbeck: „Das war uns wichtig.“

Pfarrer Horst Grothe (von links), Kirchenoberverwaltungsrat Christian Preutenborbeck und Planer Reinhard Klatt haben sich auf dem alten Friedhof umgesehen, welche Vorarbeiten nach aktueller Planung in Kürze beginnen. Foto: Volker Uerlings

Dabei gibt es eine Ausnahme in Form eines Grabens vor dem Eingang des späteren Verwaltungsgebäudes, der durch eine Bauauflage der Stadt Jülich notwendig werde. Die Oberflächenentwässerung könne nicht in die in diesem Bereich schon stark ausgelastete städtische Kanalisation eingeleitet werden, erklärt Planer Reinhard Klatt. Daher muss eine sogenannte Rigole angelegt werden, die später nicht sichtbar sei. Das ist ein Pufferspeicher, der Regenwasser aufnimmt und langsam versickern lässt. Die genaue Größe der Rigole ergebe sich aus einem Gutachten zur Wasserdurchlässigkeit des Bodens, das noch nicht fertiggestellt ist.

Auf Expertise setzt der Kirchenkreis auch bei den nun anstehenden Rodungsarbeiten. Auch hier liegt bereits ein Gutachten vor, das – auf einen kurzen Nenner gebracht – aussagt: „Die kaputten werden entfernt“ (Christian Preutenborbeck). Die nicht mehr gesunden Bäume befinden sich also dort, wo auch gebaut werden soll. Entlang der Grundstücksränder bleiben fast alle Bäume stehen. Sie bilden auch die Jagdhabitate für fünf Fledermausarten laut Artenschutzuntersuchung. Auch darauf war Rücksicht zu nehmen.

Das Rokoko-Portal soll an exponierter Stelle vor dem Kirchenkreis-Neubau (Skizze) wieder errichtet werden. Foto: Kirchenkreis Jülich

Der Neubau des Kirchenkreises Jülich hat neben der Entfernung von einigem Wildwuchs noch eine weitere sichtbare Folge: Das markante Rokoko-Portal, das den Eingang zum alten Friedhof bildet, wird laut Verwaltungsleiter Preutenborbeck „vorsichtig abgetragen, restauriert, zwischengelagert und dann an exponierter Stelle auf dem Grundstück wieder aufgebaut“. Denkmalschutzexperten sehen sich das Tor, das einmal den Eingang der Evangelischen Kirche in Jülich von 1745 bildete, genau an und sagen dem Bauherrn, was er machen darf und was nicht. Der künftige Standort des Portals (ohne das heute umgebende Klinkerwerk) ist grob klar: Es soll vor dem Neubau zu stehen kommen, aber gegenüber dem heutigen Standort deutlich weiter nach hinten versetzt werden.

4,8 Millionen Euro

Geplanter Start zum Bau des Verwaltungsgebäudes ist laut Kirchenkreis September 2019. Die evangelische Kirche investiert hier rund 4,8 Millionen Euro in den neuen Standort, weil der alte im Jülicher Zentrum viel zu klein geworden ist.

Das neue Bürogebäude soll Platz für etwa 50 Beschäftigte bieten – auf insgesamt über 1500 Quadratmetern Fläche.