Kreis Düren: Kirchenkreis Jülich feiert 175-jähriges Bestehen

Kreis Düren: Kirchenkreis Jülich feiert 175-jähriges Bestehen

„In den kühnsten Träumen” hatte der Evangelische Kirchenkreis zu seiner Jubiläumsfeier zum 175. Bestehen nicht so viele Gäste erwartet.

Neben zahlreichen protestantischen Christen aus allen 19 Gemeinden waren Mitglieder aus der marokkanischen Partnerkirche zu Gast, die Regionaldekane Hans-Otto von Danwitz (Düren) und Gottfried Graaff (Heinsberg) als „katholische Geschwister”, ferner der parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel und die Bürgermeister aus den Städten und Gemeinden des Kirchenkreises.

Ein Festgottesdienst zum Reformationsfest, „Urdatum” aller protestantischen Christen, leitete die Feier im Pädagogischen Zentrum der Jülicher Zitadelle ein. Für die musikalische Begleitung und rhythmische Betonung sorgten der Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde, verstärkt von Mitgliedern aus dem Kirchenkreis, und die Band der Kirchengemeinde Weisweiler-Dürwiß.

Der Predigt von Superindentent Jens Sanning lag ein Text aus dem Galaterbrief 5,1 bis 6 zugrunde: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!” Diesem Satz, dem „man sich nicht entziehen kann”, stellte Sanning die „Perversionen menschlichen Strebens” entgegen. Beispiele waren die Judenverfolgung unter dem Nazi-Slogan „Arbeit macht frei”, zu der „auch ein Teil der evangelischen Kirche geschwiegen hat.” Als „freie Christen, die sich einzig und allein seiner Liebe unterwerfen, nehmen wir das alles nicht hin”, sei eine Erkenntnis der Reformation. „Besondere Hilfe schulden wir denen, die ganz unten sind”, war sein Tenor.

Eine Ergänzung von katholischer Seite kam später aus den Reihen der Gratulanten, von Regionaldekan Otto von Danwitz. Er verwies auf die 50-Jahr-Feier des Zweiten Vatikanischen Konzils und dessen Wahrheitsanspruch. Aus dem Konzil leitete er die Erkenntnis ab, dass „die katholische Kirche die Wahrheit nicht mehr für sich gepachtet hat”.

„Der Evangelische Kirchenkreis Jülich hat bis heute 175 Jahre lang Bestand. Das hätten ihm 1837 vielleicht nicht allzu viele Auguren vorhergesagt. Er hat sich seither in vielem gewandelt, und er wird sich in vielem auch weiterhin ändern. Ihr Kirchenkreis wird weiterhin ein Seismograph sein, der gesellschaftliche und politische Entwicklungen zumindest mittelbar widerspiegelt.” Dies stellte Dr. Stefan Flesch fest, als Antwort auf den Titel seines Vortrags: „Was bleibt, was vergeht, was kehrt wieder?” Der Direktor des Landeskirchlichen Archivs im Rheinland hatte in seinen Ausführungen zu einer „kleinen Zeitreise” in das Jahr 1837 eingeladen. In der Kollekte kam für die Flüchtlingsarbeit in Marokko eine Summe von mehr als 1300 Euro zusammen.