Inden/Altdorf: Kirchen-Kabarett: Mit Heiterkeit und Niedertracht

Inden/Altdorf : Kirchen-Kabarett: Mit Heiterkeit und Niedertracht

Kein „Pausenfüller“ zwischen Gottesdienst und Fußball-WM-Spiel, sondern ein toller Programmpunkt am Sonntag war die kabarettistische, zeitkritische Auseinandersetzung mit der Institution Kirche, ihren Würdenträgern und den schlichten Gläubigen. Eingeladen hatte die evangelische Kirchengemeinde Inden-Langerwehe in das evangelische Gemeindezentrum Inden/Altdorf.

Gemeindealltag, Glaubensfragen — mit Heiterkeit und Niedertracht brachte das Duo Ute Niedermeyer und Antonia Jacob Szenen aus dem kirchlichen Leben, die wirklich aus dem Leben gegriffen waren. Zunächst widmete sich Ute Niedermeyer der Frage, ob Hessisch nicht eine sinnvolle gute Weltreligion wäre.

Immerhin scheinen die Hessen die größere Gottesnähe zu haben. Durch Apfelwein, dem Yoga zum Trinken, innerlich gereinigt und mit der Erkenntnis, dass Buddha ein wiedergeborener Hesse sein muss, liegt der Gedanke gar nicht so fern. Das der Region eigene Mantra beinhaltet die Einsicht: „Bevor ich mich aufrege, ist es mir lieber egal.“

Ihr Fett bekamen die Frauenvereinigungen und die älteren Damen der Gemeinde weg, deren vermeintliche Gebrechlichkeit durch Eierlikörkonsum und Erlebnishunger bei Ausflügen mit dem „Mumienshuttle“ kritisch unter die Lupe genommen wurde.

Die „Berufskleidung“ der katholischen Geistlichen in evangelisch geprägter Landschaft mutet zuweilen seltsam an. So rief ein Knirps beim Anblick eines Priesters im Ornat ein fröhliches Helau als Gruß, der ebenso freundlich und verständnisvoll mit einem Helau des Pfarrers und dem Kommentar „der Bub ist bestimmt evangelisch“ erwidert wurde.

Die leidgeprüfte Konfirmandenlehrerin berichtete von ihren Nöten mit den Jugendlichen und den Anstrengungen des Zeltlagers in Taizé. In all diese verschiedenen Rollen schlüpfte Ute Niedermeyer mit viel schauspielerischem Talent. Besonders köstlich war die Schilderung des Versuchs eines Pastors, seine Konfirmanden per „Konfi-Chat“ zu unterrichten.

Warum sind Engel immer Männer?

Der Online-Kontakt, zunächst sehr vielversprechend, artete allerdings bei der Betrachtung eines Kunstwerkes aus, als ein findiger Onliner den anderen entsprechende freizügige Seiten „Paradies und mehr“ empfahl und damit eine nicht mehr zu steuernde Lawine auslöste.

Wichtig war auch die Klärung der Frage, warum Engel immer Männer sind. Die Antwort war einfach: Wäre so ein Engel hübsch und süß, so würde man(n) ihm höchstens hinterher pfeifen. Außerdem wären die Verkündigungen der Engel viel langatmiger und mit so manchem Kaffeeklatsch verbunden.

Auch die Unzufriedenheit in unserer Konsumgesellschaft wurde durchleuchtet und als typisch deutsch definiert.

Aufgelockert wurde das Programm von den Liedbeiträgen von Antonia Jacob. Sie beleuchtete das Gemeindeleben von der Terminfindung bei den überbelegten Kirchenräumen bis zu Hochzeitsplanung. Mit eigenen Texten zu bekannten Volksliedmelodien und ihrer Gitarrenbegleitung ließ sie die Zuhörer schmunzeln. Zur Abschaffung der Diskriminierung von Frauen schlug sie Namensänderungen wie zum Beispiel „Jesus Christiane“ vor, was sie aber doch nicht als akzeptabel ansah.

Herrlich war ihre Darstellung einer Gottesdienstbesucherin, die sich in der kirchlichen Veranstaltung als wahrer Hypochonder outete. Die Schilderung des Dankes an die Gemeinde hielt der Feiergesellschaft den Spiegel vor. Eine einfachere Lösung ist das Feiern der Gottesdienste auf Latein, weil das eh keiner versteht. Gerne ließen sich die Gäste zum Mitmachen animieren und formierten sich zu einem ansehnlichen Chor.

Großes Lob für die beiden Kabarettistinnen, die sich nicht scheuten mit kirchlichen Themen kritisch umzugehen und den Finger in so manche Wunde zu legen. Großer Applaus war der Dank für ein intelligentes und unterhaltsames Programm.

(hivi)