Kirchberg: Kirchberger Übergangs-Festzelt und dann mal sehen

Kirchberg: Kirchberger Übergangs-Festzelt und dann mal sehen

Wenn es eines Beweises bedurft hätte, wurde er am Mittwochabend erbracht: Fast 100 Frauen und Männer aus Kirchberg „knubbelten“ sich in der Alten Schule, um mit Bürgermeister Axel Fuchs und der Stadtverwaltung über die Zukunft der Versammlungsstätten im Ort zu diskutieren.

Der Raum war zu klein, und die Bürgerhalle wäre besser gewesen. Genau um die ging es ja auch, denn ihre Schließung sei unabwendbar, sagte der Verwaltungsleiter: „Eigentlich müsste sie sofort zugemacht werden.“ Bis Pfingsten sind noch zwei Veranstaltungen als Zugeständnis genehmigt, danach ist Schluss. Was dann? Auf einen kurzen Nenner gebracht: Für einen Übergangszeitraum soll ein Festzelt an der Grillhütte helfen — und dann mal sehen.

Möglichen Klagen über Lärmbelästigung des Zeltes an dem Standort will Axel Fuchs durch persönlichen Einsatz an der Haustür vorab begegnen, versprach er den Bürgern. Was passiert aber mit der Bürgerhalle? Das wollte Ortsvorsteher Helmuth Kieven wissen: „Wir sind an einem Punkt, an dem wir nicht wissen, wie es weitergeht.“

Nach dem Austausch steht fest, dass es noch Hoffnung gibt, die größte Versammlungsstätte des Dorfs zu erhalten. Hochbauamtsleiter Leo Heuter hatte erklärt: „Die Heizung ist der Knackpunkt.“ Seit vor fünf Jahren der Heizkessel wegen Korrosion und mit ihm die gesamte Anlage außer Betrieb genommen werden musste, arbeitet ein Provisorium auf Strombasis. Die Kosten einer Erneuerung (Gas oder Öl) schätzt er auf mindestens 80.000 bis 100.000 Euro, zumal ein Raum dafür geschaffen werden muss.

Die Kosten der Brandschutzertüchtigung hält er nicht für so hoch, sagte er in der Alten Schule. Bleibt das Dach, das bei normaler Belastung noch in Ordnung sei, höhere Schneelasten verkrafte es laut Angaben eines Statikers aber nicht. In Summe hat die Verwaltung vor fünf Jahren geschätzt, dass die Gesamtsanierungskosten (inklusive Dachstatik und -dämmung) rund 320.000 Euro ausmachen. „Jetzt können wir eine 4 davormachen“, verwies der Bürgermeister auf zu erwartende Verteuerungen. Das wird sich zeigen.

Verwaltung und Bürger kamen überein, dass die unabdingbaren Sanierungsarbeiten neu ermittelt werden. Es sollen auch Angebote eingeholt werden. Mit diesen Ergebnissen setzen sich die Ortsvereine auseinander und überlegen, in welcher Form Eigenleistungen möglich sind. Vorschläge von Mittwoch werden einfließen: Die mobile Stromheizung habe sich als günstig erwiesen, vielleicht könne auch eine neue stationäre Heizung auf Strombasis betrachtet werden. Erwünscht ist Kontakt zu den Stadtwerken Jülich, die Contracting anbieten: Hier werden die Investitionen vom Versorger übernommen, der die Energie liefert.

Liegen alle Daten vor, wollen Verwaltung und Bürgerschaft einen Vorschlag unterbreiten, über den der Stadtrat entscheidet. Nachzudenken sei auch über eine Trägerschaft der Bürgerhalle durch Initiativen im Ort.

Bei dem Treffen am Mittwoch wurden viele kritische Anmerkungen gemacht — so die Frage, warum die Stadt über „zehn bis 15 Jahre geschlafen hat“. Die Bürger stellten klar, dass sie sich „mitten im Dorf“ eine Versammlungsstätte wünschen. Ohne eine solche drohe das Dorfleben zu sterben.

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