KG Maiblömche: Mike Schmitz ist Ehrenvorsitzender auf Lebenszeit

KG Maiblömche: Närrischer Ehrenvorsitzender auf Lebenszeit

Der Name Schmitz wird im Rheinland gleichgesetzt mit zum „rheinischem Adel“ dazu gehörend – wie eben der „Schulze“ in Berlin zum Portiersadel zählt. Zu beiden zählt sich Mike Schmitz aus Lich-Steinstraß nicht.

„Ich benn Rheinländer mit Hetz und Seel“, sagte der 67-Jährige. Dass er darüber hinaus auch noch Vollblut-Karnevalist ist, musste er nicht erwähnen. Als Sitzungspräsident der KG Maiblömche repräsentierte er genau 40 Kostümsitzungen. Jetzt wurde er verabschiedet, hochdekoriert von der närrischen Bühne entlassen.

Fällt es einem Jecken, der nie den karnevalistischen Schlachtruf „Helau“ in den Mund nehmen würde, schwer, das Amt des Sitzungspräsidenten abzugeben? „Nein, wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich schon vor drei Jahren aufgehört. Ich wollte nicht von der Bühne getragen werden, Jüngere müssen Aufgaben und Verantwortung übernehmen, das war immer mein Credo.“ Mike Schmitz, die rheinische Frohnatur, hatte sich angesichts seiner offiziellen Verabschiedung auf der jüngsten Kostümsitzung nochmals sein umfangreiches Archiv angesehen. „Obwohl ich mich natürlich noch an vieles erinnere“, lachte der Elektromeister; besonders herzhaft, als er sich an den Karnevalsschlager der Kultband „Bläck Fööss“ „jetz hät dat Schmitze Billa“ erinnerte.

„Meine Mutter hieß Sybille, hochschwanger ist sie mit mir im Rosenmontagszug mitgegangen.“ Kein Wunder also, dass ihm der Karnevalsbazillus in die Wiege gelegt wurde. Den hat er in vielen Jahrzehnten ausgelebt. Exakt 30 Jahre war er Sitzungspräsident, drei Jahre Vize, zudem Prinz Karneval. „Es war eine verdammt schöne Zeit, die ich nie vergessen werde.“

So fiel ihm der Abschied nicht schwer. Der war, und das räumte er frei und offen ein, „aber sehr emotional. Denn damit hatte ich nie gerechnet.“ Denn der Punkt stand nicht auf dem Sitzungsprogramm. „Bei 40 Sitzungen wusstest du immer, was kommt, jetzt aber nicht“, verkündete Maurice Emunds, der künftig zusammen mit Thomas Winters als Präsidententeam den KG-Sitzungen vorsteht, ergriff das Mikro und kündigte einen Überraschungsgast an – in Gestalt von Peter Neukirchen, Präsident des Karnevalsverbandes Rhein-Erft.

„Als Dank für seine langjährigen, herausragenden Verdienste für die KG Maiblömche ernennen wir Herrn Manfred ‚Mike’ Schmitz zum Ehrenpräsidenten auf Lebenszeit“, ließ die Lich-Steinstraßer KG die Urkunde durch Neukirchen überreichen. Die karnevalistische Vita des Geehrten erwähnte er kurz und vergaß nicht, dass die „Maiblömche“ unter den aktuell 161 Mitgliedsvereinen im Karnevalsverband Rhein-Erft die Mitgliedsnummer 1 hat.

Über 1000 Narren erhoben sich von ihren Plätzen und applaudierten lang und anhaltend ihrem Präsidenten. Für seine kleinen Tränen schämte Schmitz sich nicht und bedankte sich bei seinen Söhnen Holger und Mario für die vielfältige Unterstützung seiner karnevalistischen Aktivitäten. „Ja, da ist viel Zeit zusammengekommen.“

Seit den Anfängen im März 1988, als er erstmals als Sitzungspräsident fungierte, als einen der ersten Künstler Fritz Schopps ankündigte. „Et Rumpelstielzje war wie immer in Hochform“, erinnerte sich der Ehrenpräsident – der dritte in der Geschichte der KG – an den Anfang seiner Karriere. Die, so sagte er, von Höhen, aber auch von Tiefen gezeichnet war. Zu letzteren zählten unter anderem die Absage des Rosenmontagszug im Jahre 1991 wegen des Irak-Kriegs. Oder der Sturm im Vorjahr vor der Damensitzung, die diesem fast zum Opfer fiel. „Erst eine Stunde nach dem offiziellen Start stand fest, dass wir feiern durften. Das ging uns schon an die Nerven.“

Was für Schmitz nie in den Aufregungszustand führte, war ein Hänger im Programm. „Wenn das Volk in einem Riesenzelt, wie dem unseren sitzt, auf den nächsten Punkt wartet und der nicht kommt, sehe ich von der Bühne herab in ein Zelt ohne Bewegung. Mit alten und unverfälschten Karnevalsschlagern kann ich das Zelt dann in Bewegung bringen. Das ist schon toll.“

Schmitz hat 30 Jahre lang in einer Band gespielt, die Handhabung der Gitarre und die Liedtexte sind verinnerlicht, für ihn also keine Schwierigkeit, Hänger zu überbrücken. Dafür ist er bekannt, wie auch für seine Frisur, die sich Jahrzehnte nicht veränderte. „Der Bata Illic von Steenstroß“, wird er auch genannt. Ein Kompliment? „Nicht immer, es kommt darauf an, wer es sagt.“

Dass Liselotte Lotterlappen, alias Büttenredner Jürgen Jung, den Bata jetzt erwähnte, entlockte Schmitz ein herzhaftes Lächeln – auch der Auftritt des Elferrates in Batalocken. „Das sehe ich als großes Kompliment an, wobei ich sagen muss, dass mir in all den Jahren ein hervorragender Elferrat zur Seit stand.“ In dessen Reihen wird Mike künftig Platz nehmen. Ansonsten steht er als „zbV“ – zur besonderen Verwendung – zur Verfügung.

Auf seine Erfahrung und seine Beziehungen wird die KG sicherlich nicht verzichten. Selbst bleibt er dem Karneval treu. „Ich bin Senator in drei benachbarten Gesellschaften, der Kontakt ist mir immer wichtig gewesen.“ Wie auch der Besuch der so genannten Vorstellabende, wo sich in Köln die Künstler vorstellen, die verpflichtet werden wollen. „Ich muss mich immer inspirieren lassen, ich kann nicht von Null auf 100 in die Session starten.“ So schloss er auch aus, dass er, wie im Jahre 1979, neben Jungfrau Johannes Engels und Bauer Johann Hurtz den Prinzen verkörperte, nochmals in dieses närrische Ornat schlüpfen wird. „Nein, so etwas ist einmalig. Man geht ja auch nur einmal im Leben zur Kommunion.“

Mehr von Aachener Zeitung