1. Lokales
  2. Jülich

Jülich/Hoengen: Kein „Killerinstinkt” in Marathonspielen

Jülich/Hoengen : Kein „Killerinstinkt” in Marathonspielen

Auch wenn die SIG Combibloc Jülich/Hoengen am Sonntag gegen den Deutschen Meister Liebherr Ochsenhausen mit 2:6 den Kürzeren zog, begeisterte der Tischtennis-Bundesligist aus der Herzogstadt auf der ganzen Linie.

Vor 750 Zuschauern unterlag das Combibloc-Quartett mit nur drei Sätzen Unterschied und verlangte dabei den starken Süddeutschen wesentlich mehr ab, als die Experten im Vorfeld prognostiziert hatten.

Trainer Knut Gollnow kommentiert: „Mit dem Auftritt meiner Mannschaft bin ich voll zufrieden, mit dem Ergebnis leider nicht!”

Damit brachte Gollnow die Essenz dieser Partie mit einfachen Worten auf den Punkt. Wenn von den 650 tollen Ballwechseln, die die Fans insgesamt bejubeln durften, fünf (!) einen anderen Verlauf genommen hätten, hätte Combibloc den amtierenden Meister mit dem umgekehrten Ergebnis aus der Nordhalle gefegt. So ist Tischtennis!

Die Zuschauer erlebten Tragik, gepaart mit Faszination im Wechselbad der Gefühle. Und dabei startete die SIG zielstrebig ins Match: Jülichs EM-Bronze-Doppel Hielscher/Keinath hatte kaum Probleme gegen Russlands stärkste Formation Kuzmin/Mazunov; Krzeszewski/Klasek trieben Chuang/Crisan am Nachbartisch an den Rand einer Niederlage.

Danach lieferte der genesene Tomasz Krzeszewski gegen Adrian Crisan eine erstklassige Partie ab. „Ich habe taktisch sehr gut gespielt, meine Aufschläge variiert und bin damit super zurecht gekommen”, erläuterte Krzeszewski.

Ebenso deutlich siegte jedoch auch Ochsenhausens Nummer 1 Chuang gegen Lars Hielscher. Dann spielte sich in der Nordhalle eine echte Tragödie ab: Marek Klasek führte mit 2:0-Sätzen und 7:3-Punkten gegen Mazunov, Thomas Keinath war ebenfalls mit zwei Sätzen Vorsprung gegen Kuzmin auf dem Weg zum Sieg.

Das 4:2 schimmerte bereits auf der Anzeigetafel. Es entwickelten sich hochklassige Marathon-Matches, die beide im letzten Augenblick, nach Matchbällen für die SIG doch für Ochsenhausen endeten.

Der beste Ballwechsel des Tages war im fünften Satz im Duell Klasek-Mazunov zu sehen: 14 Mal katapultierten beide Akteure mit höchstem Risiko die Kugel aus der Halbdistanz auf die Tischhälfte des Gegners - mit dem besseren Ende für Mazunov.

Dringend benötigte 15 Minuten Pause gaben Zeit zum Durchatmen, bevor Krzeszewski und Hielscher zum finalen Nervenkrimi ansetzten: Der Pole im SIG-Dress verlor auf dem Wege zum 3:1 die Kontrolle über den Weltranglisten-Sechsten Chuang; Hielscher wurde auf der Zielgeraden von Crisan überholt.

Trainer Gollnow resümiert: „Ich habe auf der Bank graue Haare bekommen. Das hat nichts mit Können zu tun, wir hatten kein Glück, und letztlich hat uns der Killerinstinkt gefehlt.”