Mersch/Pattern: Kapellenfest in Mersch: Open-Air-Feier für die ganze Gemeinde

Mersch/Pattern : Kapellenfest in Mersch: Open-Air-Feier für die ganze Gemeinde

„Immer am ersten Wochenende im August findet in Mersch ein Kapellenfest statt“, liest man auf der Seite eines bekannten sozialen Netzwerks im Internet. Unter diesem Begriff verbirgt sich das traditionelle Fest der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Mersch/Pattern.

Auch die Bezeichnung „immer“ ist zweideutig, denn bis zum Jahre 2008 gab es das weiße Sebastianus-Häuschen in Mersch noch gar nicht. „Das hier war früher eine Drecksecke“, sagt der 2. Brudermeister Gerd Wolff und weist auf den gepflegten Maarplatz im Ortskern rund um die St. Sebastianus-Kapelle hin. „Diese Kapelle haben wir eigenhändig gebaut und in den folgenden Jahren den Platz komplett umgestaltet“, erläutert der Brudermeister Heinz Breuer.

Eine trotz der andauernden Hitzeperiode grünliche Rasenfläche, ordentlich gestutzte Hecken, ein Quellstein mit plätscherndem Wasser sowie die kürzlich rundum verglaste und überdachte Sitzgelegenheit für Reisende wurden von den Schützenbrüdern mit finanzieller Hilfe von Sponsoren in Eigenleistung gestaltet. In vielen Arbeitsstunden werden sie wöchentlich gepflegt.

Ausgestattet mit weißen Pavillons und einladenden Tischgruppen sorgt dieser Ort während des Schützenfestes für die einmalige Atmosphäre eines ungezwungenen sommerlichen Dorffestes. „Es gibt in Mersch keine Bürgerhalle, und es wird auch kein Festzelt für die Feierlichkeiten aufgebaut“, erklärt Breuer, „es ist eine einzigartige Veranstaltung, ein Open Air-Schützenfest für Jung und Alt“.

Aus dem Hochmoor entwachsen

Eine spezielle Eigenschaft verbindet den Maarplatz mit der Geschichte der Schützenbruderschaft Mersch/Pattern. Allein der Ortsname Mersch entspringt dem Wort „Maar“, was „mit Wasser gefüllte, kreisförmige Vertiefung“ bedeutet. Im Mittelalter war die Umgebung von Mersch ein Hochmoor, und die einzige direkte Straße nach Köln führte durch diese Siedlung.

Ebenso aus dem Mittelalter (vor 1487) stammen die ersten historischen Quellen, in denen die St. Sebastianus-Schützengesellschaft erwähnt wurde. Sowohl der Maarplatz als auch die Gesellschaft erfuhren in den 2000-er Jahren ihre „Wiederbelebung“ und, wie der Brudermeister zusammenfasst, „führen jetzt beide die alte Ortstradition im Dienst der Gemeinde fort“.

2006 startete hier nach einer langen Ruheperiode die Reaktivierung der uralten Schützentradition und wird seitdem „Schrittchen für Schrittchen“, wie Gerd Wollf erklärt, neu aufgebaut. „Mit unserer unterbrochenen Geschichte sind wir gleichermaßen eine der ältesten als auch eine der jüngsten Bruderschaften, zudem eine der größten und der kleinsten“, ergänzt er.

Mit 140 Fördermitgliedern zählt die St. Sebastianus Schützenbrüderschaft Mersch/Pattern zwölf „uniformierte“ aktive Schützenbrüder. „Doch sind wir eine aufblühende Schützenbruderschaft“, sagt Breuer und zählt stolz die seit 2006 erzielten Erfolge auf.

Wie im vergangenen Jahr wurden auch 2018 die königlichen Majestäten gekrönt und das Nachfolgepaar für das nächste Schützenfest wurde bereits ermittelt. Die Mitgliederzahl weist nicht zuletzt dank der Jugendförderung eine steigende Tendenz auf. In Projektarbeiten mit dem Nachwuchs wird höchster Wert auf soziales Engagement gelegt.

Während die älteren Schützenbrüder sich durch die Betreuung des Maarplatzes als öffentliche Begegnungsstätte auszeichnen, sammelten die Jungschützen in diesem Jahr Hunderte Kilogramm an Kronkorken für die Darmkrebsforschung.

Dass diese gemeinnützige Arbeit von den Mitgliedern der Gemeinde anerkannt wird, zeigte sich deutlich bereits beim Auftakt des Schützenfestes. Mit großem Zuspruch der Bewohner wurde zunächst unter blauem Himmel an der St. Sebastianus-Kapelle ein Wortgottesdienst abgehalten. Anschließend feierten die Schützenbrüder und ihre Gäste bei heißen Sommertemperaturen, nicht minder heißen musikalischen Rhythmen und kühlem Bier ausgelassen bis in die späten Abendstunden.

Der Sonnenschein und die vielen Gäste blieben den Schützenfeierlichkeiten auch am darauf folgenden Sonntag treu. In einem Festumzug durch das bunt geschmückte Dorf präsentierten sich die königlichen Majestäten Uwe Wolff und Jennifer Honeyman zugleich strahlend und gediegen dem applaudierenden Publikum. In das Gefolge reihten sich neben dem Adjutanten-Paar auch die Jungschützen, deren Betreuerin dieses Jahr die Würde der Schützenkönigin trug.

Begleitet von den Ortsvereinen sowie befreundeten Bruderschaften aus Jülich, Welldorf, Broich und Kirchberg würdigten die Merscher Schützen ihr Königspaar mit einer glänzenden Parade. Für eine musikalische Untermalung sorgten der Marinespielmannszug aus Jackerath und die Musikkapelle „Oberländer Bua´m“ aus Alsdorf.

Das mehrstündige Konzert der letzteren, ein ausgeklügeltes Kinderprogramm und eine Vielfalt an Speisen und Getränken boten bei schönstem Sommerwetter ein wahres Open-Air-Familienfest am Maarplatz. Ganz im Sinne der alten/neuen Schützenbruderschaft aus Mersch/Pattern.