Europawahl am 26. Mai: Kandidat Patrick Schunn (FDP) will Europa erneuern

Europawahl am 26. Mai : Kandidat Patrick Schunn (FDP) will Europa erneuern

Die Nähe zu Europa ergibt sich manchmal von selbst. FDP-Mann Patrick L. Schunn, der für seine Partei in der Region Aachen als Kandidat zur Europawahl antritt, lebt in Linnich, ist dort Fraktionsvorsitzender, engagiert sich als Kommunalpolitiker. Seine Verortung in Europa ist naheliegen

„Ich lebe 20 Minuten von Holland entfernt. In die Kreisstadt Düren benötige ich 30 Minuten.“ Schunn, 34, hat in Aachen studiert, und auch das hat es befördert, politisch über Stadt- und Kreisgrenzen hinweg zu denken. Sein Ja zu Europa strahlt denn auch von jedem Wahlplakat, verbunden mit der Kernaussage „Unsere Zukunft ist Europa, eine andere haben wir nicht.“

Schunn ist überzeugter Europäer, der sich auch vor Floskeln nicht scheut. Sätze wie „Wir leben seit 70 Jahren in Frieden“ und „Europa ist eine Wertegemeinschaft“  kommen ihm leicht von den Lippen, eben weil er davon überzeugt ist.

Dass die Werte der Gemeinschaft eher bröckeln wenn nicht gar wegbrechen, spornt ihn an. „Wir müssen als Europäische Union gemeinsam auftreten“, sagt er dann etwa und bezieht das einerseits auf das Ziel einer einheitlichen Außen- und Sicherheitspolitik, andererseits aber eben auch auf die Einhaltung der gemeinsamen Werte. Dementsprechend fordert er auch für Länder wie Ungarn oder Polen härtere Sanktionen, wenn sie gegen diese Werte verstoßen.

Schunn spricht sich deutlich für ein Mehr von Europa aus, auch im Bereich der Migrationspolitik („Wir brauchen eine europäische Asyl- und Migrationspolitik mit klaren Regeln für unsere Außengrenzen, ohne auf Abschottung zu setzen.“) und der Bildungspolitik.

Geringere Hürden für ein Studium im Ausland, vergleichbare Abschlüsse, die Ausweitung des Erasmus-Programms von Schülern und Studenten auf Auszubildende, sechsmonatige Schülerauslandsaufenthalte unabhängig vom Einkommen sind da seine Stichworte, bei denen er weiß, wie schwierig das Unterfangen gerade im Bereich der Bildungspolitik sein wird, wenn schon in der Bundesrepublik die Bildungshoheit Ländersache ist.

Schunn ist aber zutiefst davon überzeugt, dass ein gemeinsames Europa nur dann gelingen kann, wenn man in diesen entscheidenden Fragen auch Antworten liefert. Besonders deutlich wird das für ihn beim Beispiel der Migrationspolitik: „Europa war in dieser Frage zu lange handlungsunfähig. Wir brauchen mehr Europa, um die Migration zu steuern und zu ordnen“, sagt er dann, „weil in einem Wirtschaftsraum von 500 Millionen Menschen nur gemeinsame Lösungen Sinn ergeben“. Europa zu erneuern und neu zu denken, wünscht er sich und sieht sich dabei weder auf Seiten der Bewahrer oder gar Populisten, sondern will reformorientiert an diesem neuen Europa mitarbeiten. Dabei ist der FDP-Mann durchaus auch ein Bewahrer, ohne das dies ein Widerspruch wäre. Wenn er von gemeinsamen Werten spricht, von Menschenrechten oder der Abschaffung der Grenzkontrollen, dann will er dies bewahren und nicht preisgeben.

Grenzen überwinden

Grenzen zu überwinden schafft Schunn auch im kommunalpolitischen Alltag. „In Linnich ist es die Stadtentwicklung, die mich beschäftigt, in Europa Themen wie die Digitalisierung“, sagt er etwa. Für ihn ist das kein Spagat, zumal er keine Berührungsängste zeigt und lokal auch mit den Piraten zusammenarbeitet, mit denen er eine gemeinsame Fraktion gebildet hat. Das klingt nur auf den ersten Blick ungewöhnlich. Bei aller politischen Abgrenzung müsse man immer miteinander reden können, erklärt Schunn. Wer im Gespräch bleibt, wird eher Verständnis für sein Gegenüber haben. Das ist auch einer der Werte, die man mit Europa verbinden kann und die Europa einen.

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