Kampf gegen Leukämie: Lisa-Marie geht einfach vorneweg

Neunjährige kämpft erfolgreich gegen Leukämie : Lisa-Marie geht einfach vorneweg

Die Neunjährige Lisa-Marie aus Güsten kämpft seit 2017 gegen Leukämie. Das hält sie aber nicht davon ab, vorweg zu gehen. Gerade ist sie zum dritten Mal zur Klassensprecherin gewählt worden. Und ins Jülicher Jugendparlament will sie auch.

Es gibt Begegnungen, bei denen wird ziemlich schnell klar, dass es immer noch schlimmer kommen könnte. Eine Begegnung mit Lisa-Marie Bocks kann zu solchen Gedanken führen. Und das nicht, weil die Neunjährige aus Güsten ein wirklich schweres Schicksal hat mit ihrer Leukämie-Erkrankung. Sondern weil Lisa-Marie so optimistisch und voller Tatendrang ist, dass das beinahe ansteckend wirkt.

„Sie sagt immer, dass es immer schlimmer geht und dass sie sich selbst nicht als krank ansieht“, sagt ihre Mutter Katharina. Und weil das so ist und Lisa-Marie jemand ist, der gerne voran geht, wurde sie jetzt zum dritten Mal zur Klassensprecherin gewählt in der Grundschule in Welldorf. Bald will sie dem Jugendparlament der Stadt Jülich angehören und sich dafür einsetzen, dass Spielplätze behindertengerecht gemacht werden.

Diagnose 2017

Engagierte Tochter, stolze Mutter: Lisa-Marie Bocks (l.) will ins Jülicher Jugendparlament, Mutter Kathrin unterstützt sie. Foto: Guido Jansen

Lisa-Marie Bocks Leukämie, also Blutkrebs, wurde am 24. Mai 2017 diagnostiziert. Seitdem hat sie einige dunkle Stunden und Tage erlebt. Heute zeigen die monatlichen Blutuntersuchungen zwar ausschließlich gute Resultate, als endgültig geheilt gilt sie damit aber noch nicht. Bei Leukämie gilt die Fünf-Jahres-Grenze als wichtig. „Wenn die ohne Rückfälle erreicht wird, dann reden die Ärzte von einer Chance von 80 Prozent, dass nichts wiederkommt“, erklärt Mutter Katharina.

Die Sorge komme wieder vor jeder monatlichen Blutuntersuchung, sagen die Mutter und Vater Andreas. Nur bei Lisa-Marie nicht. „Mama, dann mache ich das einfach nochmal“, sagt sie, um ihre Mutter zu beruhigen.

Das – das ist die Chemotherapie, damals mit zweieinhalb Monaten Isolation und zwei Wochen, in denen sie die Schmerzen nur mit Morphium ertragen konnte. Und es sind die Spätfolgen. Heute noch sitzt sie teilweise im Rollstuhl. Die Chemotherapie hat ihre Knochen angegriffen, sie sind viel brüchiger. Das verheilt nur langsam. Ein einfacher Sturz kann schlimme Folgen haben. Schwierig für ein lebhaftes Kind. Jede Schürfwunde zieht zudem eine Tetanus-Spritze nach sich. Die Chemotherapie hat alle Impfungen bis dato kaputt gemacht. Deswegen darf sie im Moment nicht springen. Das ist ihr großes Ziel. „Sobald es geht, will ich auf dem Trampolin springen“, sagt sie.

Dass Lisa-Marie gehen kann wie jede andere Neunjährige und dass sie trotzdem teilweise im Rollstuhl sitzt, führt zu irritierten Blicken bei Fremden. Dann zum Beispiel, wenn die Familie auf einem Behindertenparkplatz parkt, den Rollstuhl auspackt, Lisa-Marie ganz normal aus dem Auto steigt und sich in den Rollstuhl setzt.

An den Blicken sei schon mal zu sehen, dass Leute dann meinen, dass Familie Bocks sich Vorteile erschleicht, sagen die Eltern. Oder dass man ihnen vielleicht vorwerfen könnte, übervorsichtige Helikoptereltern zu sein. Auf dem Spielplatz zum Beispiel, wenn Mutter Katharina in der unmittelbarer Nähe bleibt, obwohl Lisa-Marie genau so sicher klettert wie die anderen Kinder auf dem Spielplatz. Und dass sie immer Desinfektionsmittel für die Hände dabei hat. „Die Leute können ja nicht wissen, wie groß die Folgen eines einfaches Sturzes sein können“, erklärt Vater Andreas.

„Papa ist in besten Händen“

Viele Eltern sagen, dass ihre Kinder ihr Sonnenschein sind. Alle haben sie Recht. Kathrin und Andreas Bocks vermutlich sogar ein bisschen mehr. Denn sie haben mit ihrem einzigen Kind dunklere Stunden erlebt als die meisten anderen Eltern. Der schlimme Tag der Diagnose, die Tage der Therapie. Irgendwie sei es immer Lisa-Marie gewesen, die ihren Eltern Mut zugesprochen habe.

Auch an einem dunklen Tag im vergangenen Dezember, als Vater Andreas einen Herzinfarkt erlitten hat. „Ich fuhr dann mit Lisa-Marie im Auto hinter dem Rettungswagen her und habe einfach nur geweint“, erzählt Kathrin Bocks. „Sie hat dann zu mir gesagt: Mama, was hast du denn. Papa ist in besten Händen.“ Damit sollte sie Recht behalten. Vater Andreas ist heute vorbehaltlos gesund. „Heute haben wir viel mehr Hoffnung als Angst“, sagt er. Für ihre Tochter. Und wegen ihr.

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