Jülich: Junge Jülicherin will ein Jahr in Kamerun helfen

Jülich: Junge Jülicherin will ein Jahr in Kamerun helfen

Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst „weltwärts“ ist ein Erfolg. Seit „weltwärts“ 2008 durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ins Leben gerufen wurde, sind rund 26.000 Freiwillige ausgereist. Sie engagieren sich in einem Entwicklungsprojekt und nehmen Erfahrungen mit, die sie ihr ganzes Leben lang begleiten. Das gilt bald auch für Lea Uelhoff aus Jülich (17).

Durch die Förderung des BMZ haben alle interessierten jungen Menschen zwischen 18 und 28 Jahren die Chance, einen Freiwilligendienst in einem sogenannten Entwicklungs- oder Schwellenland zu leisten. Jährlich gehen rund 3500 junge Menschen weltwärts. Sie engagieren sich zwischen sechs und 24 Monaten bei einer lokalen Partnerorganisation für Bildung, Gesundheit, Umwelt, Landwirtschaft, Kultur oder Menschenrechte.

Zu den jungen Menschen, die sich „weltwärts“ engagieren möchten, gehört Lea Uelhoff aus Jülich, die gerade ihr Abitur am Gymnasium Zitadelle bestanden hat. Als sie sich unlängst mit ihren alten, längst zerlesenen Geolino-Heften beschäftigte, „war mir klar, dass ich das auch mal machen würde“, sagt die 17-Jährige, die Anfang kommenden Monats volljährig wird. Lea möchte am Globalisierungsprozess teilhaben und „im Rahmen meiner Möglichkeiten versuchen, positive Veränderungen zu bewirken“. So hat sie sich bei der Entsendeorganisation „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners“ für den zwölfmonatigen Freiwilligendienst beworben und eine Zusage für die Einsatzstelle des Vereins AHP2V in Baham (Kamerun) erhalten. Der Verein fördert im ärmsten Teil des zentralafrikanischen Landes Menschen, die eine geistige und/oder körperliche Behinderung haben oder verwaist sind derart, dass diese lernen, ihr Leben selbsttätig zu gestalten.

Leas Aufgabe in Kamerun wird es sein, die Kinder im Alltag zu unterstützen, bei Alphabetisierungskursen zu assistieren, das Freizeitprogramm mitzugestalten und die Physiotherapeuten zu unterstützen, die sich in einer kleinen Reha-Klinik um die Menschen mit Handicap kümmern. Dabei kommen ihr auch ihre guten Französisch-Kenntnisse zugute, damit keine Sprachbarrieren zu überwinden sind.

Um in Afrika überhaupt helfen zu können, benötigt Lea Uelhoff zunächst selbst Unterstützung. Zwar werden die meisten Kosten für Hin- und Rückflug, Unterbringung, Verpflegung, diverse Versicherungen und ein kleines Taschengeld von der deutschen Entsendeorganisation getragen, die staatliche Förderung erhält, doch Lea rührt derzeit die Werbetrommel, um „ihren“ Anteil an den Kosten in Höhe von rund 3500 Euro zu sammeln. So hat Lea eine Rundmail verfasst und ihre Pläne per Aushang in Praxen bekannt gemacht. „So langsam tröpfelt es ein“, hat es auch schon die ersten pekuniären Reaktionen gegeben.

Die Reaktionen in Leas persönlichem Umfeld waren dagegen eher geteilt: „Meine Mutter kann es nicht verstehen und wird es wahrscheinlich erst glauben, wenn ich im Flugzeug sitze“, ist sie überzeugt, während ihr Vater inzwischen ganz begeistert sei. Unterstützung erhält sie auch von ihren beiden älteren Halbbrüdern, von denen einer selbst einen Jugend-Freiwilligendienst in Russland absolviert hat. „Ich hatte auch ein Angebot aus der Slowakei“, sagt Uelhoff, die sich zunächst auf kulturellem Gebiet engagieren wollte.

Jetzt hat sie sich entschieden, weiter weg zu gehen und sich auf einem anderen Kontinent auf ein ganz anderes Leben voll einzulassen, in dem ihr Alltag komplett umgekrempelt wird. Einen Vorgeschmack auf das, was sie erwartet, hat sie während des ersten Orientierungsseminars in Karlsruhe erhalten, das von Freiwilligendienstlern geleitet wurde, die von ihren Erfahrungen berichteten.

Alleingelassen ist die junge Jülicherin, die vor zweieinhalb Jahren aus Nordhessen in die Herzogstadt kam, auch in Kamerun nicht, wo ihr Ansprechpersonen beim örtlichen Partnerverein und Betreuer des Entsendevereins zur Verfügung stehen, wenn es Probleme geben sollte. Das überzeugte schließlich auch ihre Mutter, zu der Lea ein besonders inniges Verhältnis hat. Innig ist zudem Leas Verhältnis zu ihrem Araber-Mix Sonny, den sie seit sieben Jahren reitet — sie gibt auch selbst Reitunterricht — und auf dessen Nähe sie vom 1. September an für ein Jahr verzichten muss.

Nach ihrer Rückkehr möchte sie ein Studium aufnehmen. Ob es Lehramt mit den Fächern Biologie und Deutsch wird oder Medizin dürfte sich auch in Afrika erweisen, wo Lea Uelhoff sowohl den pädagogischen als auch den medizinischen Umgang mit Menschen mit Handicap näher kennenlernt.