Haus Overbach: Junge Gäste aus Palästina in Jülich

Haus Overbach : Junge Gäste aus Palästina in Jülich

Die Verständigung verlief auf Deutsch. Gelegentlich mussten die Jugendlichen auf Englisch ausweichen, denn Arabisch sprach von den Jülichern niemand. Im Mai hatten elf Overbacher Schüler und Schülerinnen das Heilige Land besucht, zehn Tage bei und mit ihren Gastfamilien verbracht und sind mit einem prallen Koffer voller Erinnerungen heimgekehrt.

Nun sind junge Palästinenser und Palästinenserinnen nach Jülich gekommen, um Deutschland kennen zu lernen.

„Ich musste eine Prüfung in vielen Gebieten bestehen, um hierher reisen zu dürfen“, erzählte der 16-jährige Yousef Nemer mit Stolz, denn er hatte als Bester bestanden. Sein „Gast-Freund“ Fabian Zwerschke hatte es deutlich einfacher, denn die Auswahl in Overbach geschah mit einer Bewerbung und einem Gespräch mit der Initiatorin, Pfarrerin Cordula Trauner. Sie hatte das Projekt ins Lebens gerufen. Ihre Affinität zu Palästina stieß auf die Gegenliebe einer deutschen Lehrerin in Ramallah, Mirjam Lucas, die an der „Evangelian Lutherian School of Hope“ Deutsch unterrichtet. Sie habe sich nach kurzer Überlegung für Overbach entschieden, sagte Mirjam Lucas, die von ihrem Kollegen Rantissi Salem begleitet wird.

Mit den beiden kamen zwölf Jugendliche, die voller Neugier den Begrüßungsworten von Henning Achenbach als verantwortlichem Lehrer und Schulleiter Thorsten Vogelsang zuhörten. Der ließ gleich durchblicken, dass die Schule das Projekt gern im Zweijahres-Rhythmus 2020 wiederholen möchte. Fördergelder gebe es genau für diese Art der Völkerverständigung.

Ein völlig anderes kulturellen Lebens

Praktische Verständigung betrieben derweil die Schüler, wie der Geräuschpegel im Raum eindrücklich vermittelte. Ein Film, den Lehrer Achenbach im Mai in Ramallah aufgenommen hatte, bot ein breites Spektrum an Impressionen eines völlig anderen kulturellen Lebens.

„Es geht nicht um irgendeine politische Aussage in diesem Projekt“, betonte Thorsten Vogelsang. „Es geht um den Austausch und die kulturelle Verständigung.“ Die School of Hope sei als evangelisch-lutherische Einrichtung sehr gut geeignet, ergänzte Mirjam Lucas, weil viele palästinensische Eltern sowohl muslimischen wie christlichen Glaubens ihre Kinder auf die Schule schickten und ein wenig freizügiger seien.

Für Yousef und Fabian spielten solche Gedanken keine Rolle. Ihre Welt war die von Unternehmungen und Entdeckungen. „Fabian ist hier wie ein großer Bruder für mich“, sagte Yousef lachend, auch mit Blick auf den zwei Köpfe größeren Deutschen. Die beiden und ihre Kameraden besuchen Aachen und Köln, das Forschungszentrum und ein Wasserprojekt. Yousef würde am liebsten hier bleiben. Freunde sind sie jetzt schon.

(tm)
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