Jülich: Jülichs „Zehner“ im Siebenmeterkrimi zum Turniersieg

Jülich: Jülichs „Zehner“ im Siebenmeterkrimi zum Turniersieg

Zehn Mannschaften, denen man von Beginn an den Spaß am Hallenfußball anmerkte, in denen jeder einzelne Spieler mit den Hufen scharrte, um möglichst bald den Ball zu kicken. Dazu eine perfekte Event-Vorbereitung und ein von Cheforganisator Michael Herrmann optimal eingerichteter Spielplan. Das waren die Säulen, die die dritte Auflage des Königskamp-Cups in der Jülicher Nordhalle zu einem Erfolg werden ließen.

Als Veranstalter hatte der SC Jülich 1910/97 neben den höherklassigen Vereinen GFC Düren 99 (Landesliga) und Germania Lich-Steinstraß (Bezirksliga), die das Eröffnungsspiel bestritten (1:1), Teams aus den Kreisligen A und B zu Gast. Den Zuschauern — während der spannendsten Phase waren die Ränge bis auf den letzten Platz besetzt — wurde bereits in der Vorrunde spektakulärer Hallensport geboten. Klassenunterschiede fielen nicht auf, die jeweils zwölf Minuten dauernden Partien lebten vom Einsatz und unbedingten Siegeswillen.

Heiß umkämpft wurde jeder Ball, selbst wenn er schon nicht mehr in unmittelbarer Nähe war. Foto: Jagodzinska

Gerade beim Hallenfußball sind Ausdauer und Konzentration bis zur letzten Sekunde enorm wichtig, um zum Erfolg zu kommen. Hinzu kommt im Vergleich zum Freiluft-Fußball überproportional häufig Zufall ins Spiel. So gab es etwa eine enorm hohe Zahl von Aluminiumtreffern, die entweder ins Gehäuse zum Torerfolg abprallten oder den Ball irgendwo zurück ins Getümmel beförderten.

Beste Ausgangsposition

Mit jeweils zwei Siegen zum Start sicherten sich in Gruppe A Amicitia Schleiden und SV Sierdorf hervorragende Ausgangspositionen für das Erreichen der Halbfinalspiele. Die Partie gegeneinander gewann Schleiden mit 4:1 und stand damit im Halbfinale, in das Siersdorf nach einem sicheren 5:1 gegen GFC Düren 99 ebenfalls einzog. Gruppe B wurde vom Gastgeber SC Jülich 1910/97 dominiert. 5:1 gegen SV Niederzier, 5:0 gegen SV Selgersdorf, 5:1 gegen SV Jülich 1912 und 4:1 gegen Salingia Barmen lautete die makellose Vier-Siege-Bilanz. Als Zweiter mithalten konnte lediglich Barmen mit zwei Siegen und einem Remis.

Beide Halbfinale von jeweils 15 Minuten sollten extrem spannend werden. Zunächst zog Barmen nach Toren von Schleiden jeweils nach, und so war nach dem 2:2 Endstand ein Siebenmeter-Schießen angesagt. Hier hatte die Salingia mit 3:2 das bessere Ende für sich und war damit erster Final-Teilnehmer.

Das zweite Halbfinale näherte sich torlos dem Ende, als sich das geduldige Aufbauspiel der „Zehner“ doch noch auszahlte. 1:23 Minuten waren laut der Hallen-Anzeige noch zu spielen, als der viel umjubelte Siegtreffer gelang.Das Spiel um den dritten Platz gewann Siersdorf mit 4:2 gegen Schleiden.

Im Finale zeigten die Barmener den „Zehnern“ anders als im Vorrundenspiel die Zähne und schockten den Gegner mit dem 1:0 gleich in der ersten Minute. Es entwickelte sich ein ausgeglichenes Lokalderby, in dem Jülich wiederum auf geduldiges Aufbauspiel setzte. Barmen hielt kampfstark dagegen und lauerte auf Konter. Nach einem groben Abwehrschnitzer erzielten die „Zehner“ in der 5. Minute den Ausgleich.

Fünf Sekunden vor Schluss hatte Jülich den Siegtreffer nach einem Missverständnis von Barmens Keeper mit seinen Abwehrspielern auf dem Fuß. Mit viel Glück und letztem Einsatzwillen wurde die chaotische Situation gerade noch bereinigt. Ein Siebenmeterschießen musste über den Turniersieg entscheiden.

Die Dramatik erreichte ihren Höhepunkt, als ein vom Jülicher Goalie gehaltener Ball sich noch hinter ihn drehte. Erwischte er ihn im Nachfassen vor oder hinter der Linie? Der Schiedsrichter entschied: Kein Tor. Auf den Zuschauerrängen meinte etwa die Hälfte, den Ball hinter der Linie gesehen zu haben, die andere davor. Der folgende Jülicher Schütze hämmerte seine Schuss dann zum Cupgewinn in die Maschen.

Bei der Siegerehrung dankte „Zehner“-Vorstand Michael Lingnau ganz besonders den beiden Schiedsrichtern Robert Musil und Dietmar Mangels, die ein unglaubliches Pensum abgeliefert hatten, Cheforganisator Michael Herrmann und „all den fleißigen Helfern rund um das Turnier“. Erfreulich war das Mitwirken der Jungs vom RW Sutthausen aus der Kreisliga Osnabrück-Stadt, die als Gäste nicht nur Farbe ins Turnier, sondern auch eine riesige Stimmung mitgebracht hatten. Solche Gäste sieht man gerne wieder, waren sich Veranstalter und teilnehmende Mannschaften einig. Der vierte Königskamp-Cup ist laut Lingnau bereits in der Planung.

(jago)
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