Jülichs letzte Musikalienhandlung schließt, kein Nachfolger

Traditionsgeschäft : Musikalienhandlung Comouth schließt nach 38 Jahren

„Total Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe“ steht in roten Lettern im Schaufenster des Musikstudios Comouth. Am Samstag, 30. März, ist der letzte verkaufsoffene Tag. Dann wird sich der Besitzer des Musikalienladens nach der Eröffnung am 3. Oktober 1981 zur Ruhe setzen – jedenfalls fast.

„Ich bin 70 Jahre alt und werde aus Altersgründen schließen. Außerdem – wenn ich ganz ehrlich bin – lohnt es sich auch nicht mehr“, sagt Bernd Comouth. Das Kaufverhalten der Kunden habe sich geändert. Viele würden sich zwar im Laden beraten lassen, aber letztendlich dann doch online kaufen. Sobald das Musikstudio geschlossen hat, liegen die analogen Einkaufsmöglichkeiten für den Musikbedarf in Aachen und Köln. „Wer kommt denn nach Ihnen?“, fragte ein Kunde Händler Comouth. Die prompte Antwort: „Niemand.“ „Mannomann“, machte der Kunde seinen Sorgen Luft.

Obwohl die Geschichte des Ladens wie das Leben selbst nicht nur von Leichtigkeit geprägt war, fängt Bernd Comouth an zu lachen, wenn er zurückdenkt. Zwischen einer Vielzahl von Instrumenten nehmen die Gitarren eine besonders großes Ecke in seinem Geschäft ein. Sucht ein Musiker ein solches neues Saiteninstrument, gibt es für Comouth nur einen richtigen Weg: die Gitarre in die Hand nehmen und ausprobieren. Dabei erinnert der Mann irgendwie an den Zauberstabhändler aus „Harry Potter“, Mr Ollivander. Er gibt seinen Kunden hier eine Gitarre mit einem anderen Hals, aus Echtholz, dann eine mit einer anderen Klangfarbe – so lange, bis es passt.

„Mancher Musiker und ich sind über die Jahre Freunde geworden, die ich gerne hin und wieder zu Fachmessen mitgenommen habe, um Instrumente für den Verkauf auszusuchen. Hinter Schrott würde ich in meinem Laden auch nicht stehen. Bin ja selbst Musiker“, sagt Comouth, der seit seiner Kindheit Musikinstrumente spielt. „Vieles war schön. Unter anderem der Kontakt mit den Menschen. Einfach ein Privileg.“

Auch Reinhold Wagner, Vorsitzender des Jazzclubs, bedauert die Schließung des Geschäftes. „Mit dem Musikstudio Comouth schließt in Jülich ein Laden, der mehr war als eine Musikalienhandlung“, sagt er. „Als Musiker wurde ich immer gut beraten. Was nicht vorhanden war, wurde in kürzester Zeit besorgt oder über einen Kontakt zu Kollegen geregelt. Herr Comouth und sein Geschäft waren Retter der einen oder anderen Veranstaltung, wenn er in letzter Minute mit einem Klavierhocker oder einem speziellen Kabel aushalf.“

In den 38 Jahren gab es auch den ein oder anderen Rückschlag oder verrückten Kunden. 1997 wurde in einer Nacht an einem Haushaltswarengeschäft, am Kulturbahnhof und an Comouths Musikstudio Feuer gelegt – Brandstiftung. Alle Instrumente des Ladens waren unbrauchbar. Drei Monate lang habe man renovieren müssen.

Auch kuriose Diebstähle habe es gegeben. „Eines Tages entdeckten wir, dass plötzlich eine alte Gitarre im Schaufenster stand. Irgendjemand muss seine alte Gitarre dort hinein gepackt und die neue in seinen alten Gitarrenkoffer gelegt haben, vermutet der Ladenbesitzer heute.

Lokale Kulturszene

„Herr Comouth war häufig in der lokalen Kulturszene anzutreffen und hat die ausübenden Musiker stets nach Kräften unterstützt. Wir werden es vermissen, mal eben für eine Kleinigkeit zum Comouth rüber springen zu können“, sagt Klaus Luft, stellvertretender Leiter der Musikschule, zu der Schließung. Ganz zur Ruhe setzen wird Bernd Comouth sich dann aber doch nicht. Er wird weiter Akkordeon und Keyboard unterrichten.

Mehr von Aachener Zeitung