Jülicher Weltladen bald am Marktplatz?

Verein sucht ein neues Ladenlokal : Jülicher Weltladen bald am Marktplatz?

Am Marktplatz 7 in exponierter Lage wartet derzeit ein vakantes Ladenlokal auf seinen neuen Mieter, und ein Interessent mit ganz besonderer Mission meldete kürzlich reges Interesse an: Der Jülicher Weltladen existiert als gemeinnütziger Verein bereits seit rund zehn Jahren und bietet neben fair gehandelten Lebensmitteln wie beispielsweise Kaffee, Tee, Honig, Kakao oder Schokoladen auch attraktive Handwerksprodukte und Kosmetika.

„Die Besonderheit aller angebotenen Waren im Weltladen besteht darin, dass die jeweiligen Erzeuger einen existenzsichernden Lohn erhalten. Das wird garantiert“, erläutert Roswitha Clermont (Vorsitzende des Vereins und Gründerin des Weltladens). Derzeit findet man den Weltladen noch in einer kleinen Gewerbeeinheit in der Marktstraße/ Ecke Große Rurstraße, doch wenn es nach dem Wunsch der Verantwortlichen geht, möchte man baldmöglichst das attraktivere und geräumigere Ladenlokal am Marktplatz beziehen.

Da der Verein dazu noch Unterstützung benötigt, luden die Ladenbetreiber um Roswitha Clermont kürzlich sämtliche Interessenten zu Kaffee und selbstgebackenem Kuchen ein, um für die gemeinsame Mission zu werben.

Unter den zahlreichen Gästen fand sich auch Bürgermeister Axel Fuchs ein, der sein Wort in sehr inspirierender Manier an die Zuhörer richtete und den Wert der Arbeit des Jülicher Weltladens und seiner ehrenamtlichen Helfer hervorhob.

„Wir müssen uns alle einmal vor Augen führen, dass unser Überfluss, in dem wir leben, von Menschen erarbeitet wird, die dafür nicht fair entlohnt werden“, so Fuchs, der die Gäste zum kreativen Ideenaustausch anregte und dabei selbst die mögliche Vision eines Weltladens als Treffpunkt am Marktplatz im Kopf hatte, wo man künftig vielleicht auch fair gehandelten Kaffee oder ebensolchen Wein miteinander trinken könne. Personelle Ressourcen seien ein ganz wichtiger Punkt, wenn es darum geht, eine gute Idee umzusetzen.

Dieser Meinung war auch Marzena Vomberg, die sich bereits seit fünf Jahren für den Verein verwendet und besonders mit der Order und Auswahl von Handwerkserzeugnissen und Kosmetika aus fairem Handel befasst ist. In ihrer Ansprache wies Sie eindringlich darauf hin, welche Begleiterscheinungen konventioneller Handel mit sich bringt, der beispielsweise Landarbeiter in Südamerika oder Indien dazu zwingt, ihre Heimat zu verlassen. Mit „Trade not Aid“ (Handel statt finanzieller Hilfe) beschrieb Vomberg eine Strategie, bei der den Produzenten der fair gehandelten Waren „kein Fisch sondern eine Angel geboten wird“. Bauern erhalten somit die Möglichkeit, ihre Produkte gerecht zu vermarkten, sich fortzubilden und der Förderung einer biologisch betriebenen Landwirtschaft nachzugehen.

In kleinen Werkstätten, die beispielsweise von Familien betrieben werden, entsteht Kunsthandwerk aus natürlichen oder recycelten Werkstoffen. Doch damit der Plan des Umzuges auf den Marktplatz gelingt, benötigt der Jülicher Weltladen vor allem zweierlei: Neue Mitglieder und neue ehrenamtliche Mitarbeiter. Inspiriert von einer Idee, die es verdient hat unterstützt zu werden, nahmen die vielen Besucher dieses Aktionstages Abschied. Nicht wenige, unter Ihnen auch Bürgermeister Fuchs, wurden am selben Tag Vereinsmitglied.

Unterstützer des Jülicher Weltladens können telefonisch (02461-3012901) oder per Mail (s. www.weltladen-juelich.de) Kontakt aufnehmen. Der Mitgliedsbeitrag liegt bei 12€ per anno.

(René Blanche)
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