Jülich/Schönberg: Jülicher THW kämpft in Schönfeld gegen das Hochwasser

Jülich/Schönberg: Jülicher THW kämpft in Schönfeld gegen das Hochwasser

Bei der Sicherung von Deichen in Sachsen-Anhalt durch das Technische Hilfswerk (THW) Nordrhein-Westfalen waren auch Helfer des THW-Ortsverbandes Jülich im Einsatz. Sie sind am Donnerstagabend zurückgekehrt und berichteten am Wochenende über ihren Kampf gegen die „Jahrhunderflut“ im Osten.

Am Freitagmorgen, 14. Juni, wurden die Jülicher nach Tagen der Bereitschaft alarmiert. Im Bielefelder Bereitstellungsraum sammelten sich die Kräfte der Ortsverbände Aachen, Düsseldorf, Duisburg, Eschweiler, Jülich, Haan, Hilden, Hürtgenwald, Mülheim und Nörvenich, um in einem Konvoi mit 100 Helferinnen und Helfern sowie 20 Fahrzeugen und unter der Führung der Fachgruppe Führung/Kommunikation des Ortsverbandes Jülich in Richtung Perleberg auszurücken.

Gegen 1 Uhr in der Nacht erreichten alle das rund 400 Kilometer entfernte Ziel. Nach etwas Schlaf ging es dann am frühen Morgen weiter zum Einsatzort Schönfeld, einem kleinen Ort in Sachsen-Anhalt, nahe der Elbe. Der Deich, der sich in direkte Nähe der Ortschaft befindet, war aufgrund der Wassermengen gebrochen und überflutete die Bundesstraße 107.

Der stetig steigende Wasserpegel bedrohte auch den Ort, so dass die THW-Helfer gemeinsam mit den Anwohnern und der Feuerwehr gegen die Wassermassen ankämpften. Es folgten Sandsackverbau und Pump-Einsätze, um die Kanalisation zu entlasten.

Gemeinsam mit dem Führer Fachgruppe Führung und Kommunikation sowie Helfersprecher Armin Großek schilderte am Wochenende Zugführer Technischer Zug Jochen Schüsseler die Eindrücke vor Ort. „Was sich da in der Bevölkerung abspielte, das waren Tragödien. Den Menschen standen die Tränen in den Augen. Häuser standen stellenweise ein Meter unter Wasser.

Es war dann auch ein Punkt erreicht, wo die Präsenz der Helfer auch einen positiven psychologischen Effekt hatte“, so Schüsseler und Großek. Die betroffene Bevölkerung war herzlich und freundlich. Die dortigen Bürger bereiteten Essen für die Helfer, obwohl es keinen Strom mehr gab. „Viele wissen wahrscheinlich gar nicht, was es heißt, keinen Strom oder kein Frischwasser zu haben. Die Auswirkungen sind unvorstellbar. Tiere können nicht versorgt werden. Landwirte haben einen Ernteausfall auf mindestens zwei Jahre.“ Doch nicht nur die allgemeine Lage war eine große Belastung auch für die Helfer. Die schwere körperliche Arbeit, die Hitze und eine Mückenplage machte allen schwer zu schaffen.

Schüsseler lobte die gute länderübergreifende Zusammenarbeit aller. So konnten bürokratische Hürden relativ schnell gemeistert werden. Martina Geigenmüller, Sachgebietsleiterin, betonte, dass das THW bundesweit mit eigener Logistik im Einsatz sei, um an Einsatzorten autark arbeiten und helfen zu können. Der Ortsverband Jülich sei auf solche Schadenslagen durch die Fachgruppen aufs Beste eingestellt.

„Es ist ganz wichtig, den ehrenamtlichen Kräften auch die Möglichkeit zu geben durchzuhalten“, betonen die beiden Fachgruppenführer. Viele Helfer des THW, der Feuerwehren und anderer Hilfsorganisationen leisteten unverzichtbare Hilfe in Katastrophengebieten. „Dieses Engagement ist nur deshalb möglich, weil ihre Arbeitgeber sie für den Einsatz freistellen“. Daher gilt auch ein ganz großer Dank den Arbeitgebern, die ihre Mitarbeiter zur Hilfeleistung freistellen“, betont das Hilfswerk.

Eigentlich wollte das THW Jülich am 23. Juni sein 60-jähriges Bestehen feiern. Doch angesichts der Fluterkatastrophe sagte das THW die Feier ab und hofft auf Verständnis.

(ma.ho)
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