Jülich: Jülicher Tafel ist nun fest in Frauenhand

Jülich: Jülicher Tafel ist nun fest in Frauenhand

Um der Sache und der Menschen willen erklärte sich Maria Güldenberg am Dienstagabend bereit, als neue Vorsitzende zu kandidieren. Sie ist seit Beginn an im Vorstand der Jülicher Tafel dabei und langjährige Kassiererin der Einrichtung, die hunderte Haushalte im Jülicher Land jede Woche mitversorgt.

Aus persönlichen Gründen hatte Wolfgang Flücken auf eine neue Kandidatur als Vorsitzender verzichtet. „Es war sehr schwer, Kandidaten für die einzelnen Vorstandsposten zu finden“, sagte Maria Güldenberg, denn die Ämter sind mit viel Arbeit und Verantwortung verbunden. Die Personalvorschläge fanden durch die Bank das Gefallen der Mitglieder. Bei der Jahreshauptversammlung im Kulturbahnhof erfolgten die Wahlen einstimmig.

Fortan ist also Maria Güldenberg Vorsitzende. Edelgard Heidelberg wurde als stellvertretende Vorsitzende wiedergewählt. Das Amt der Kassiererin übernimmt Brigitte Zimmermann, bis dahin Schriftführerin. Ihre Aufgabe übernimmt Dr. Gerhild Lottner. Stellvertretende Kassiererin ist Margret Esser-Faber. „Ich brauche Euch alle, damit es so weiterläuft. Es wartet viel Arbeit auf uns. Krempeln wir die Ärmel auf und packen es an“, appellierte die neue Vorsitzende an die Anwesenden, die zum Großteil im Verein engagiert sind.

Natürlich dankte sie ihrem Vorgänger im Amt für die geleistete Arbeit. Flücken betonte noch, dass er der Tafel weiter zur Verfügung stehe und sie praktisch unterstütze. Als letzte Amtshandlung hatte er bis zu den Neuwahlen durch die Sitzung geleitet. Die Tafel ist auch bei ehrenamtlichem und karitativem Hintergrund so etwas wie ein kleiner Betrieb.

Von daher verdient es Beachtung, dass die Kassenprüfer Vorstand und Kassiererin einwandfreie Arbeit attestierten. „Acht dicke Ordner kommen da im Jahr zusammen. Der Verein hat eine Buchführung wie ein mittelständisches Unternehmen. Der Vorstand hatte tolle Arbeit geleistet“, lobte Kassenprüferin Emily Willkomm-Laufs.

Finanziell steht der Verein auf gesunden Füßen. Nach wie vor ist die Einrichtung aber auf Spenden angewiesen, die zurzeit deutlich rückläufig sind. Dennoch verabschiedete die Tafel einen nahezu ausgeglichen Haushalt und hat Rücklagen vorzuweisen. Die sind notwendig, muss doch demnächst ein neuer Kühlwagens her.

Sorgen bereitet dem Verein allerdings die personelle Situation der Tafel. Etliche Fördermaßnahmen wie beispielsweise die Bürgerarbeitsplätze sind weggefallen. Zwei Festangestellte und drei Bundesfreiwilligen-Dienstler sowie rund 40 Ehrenamtler sind aktiv. Hinzu kommen noch Brückenjobber sowie Helfer, die Sozialstunden ableisten. Ein wichtiger Posten sind die Ehrenamtler, die mit dazu beitragen, dass die 585 Bedarfsgemeinschaften mit rund 1800 Menschen, die bei der Tafel zurzeit Unterstützung finden, gut betreut werden und der Fahrdienst aufrecht erhalten werden kann.

Hier könnte man noch weitere Unterstützung gebrauchen, doch auch festes Personal wäre laut Vorstand nicht schlecht, zumal noch mehr Arbeit auf den Verein zukommt. Außerdem bemüht sich die Tafel, auch Menschen zu erreichen, die in finanzieller Not sind, den Gang zum Sozialamt aber scheuen. „Wir sind keine Nebenstelle des Sozialamtes, sondern ein privater eigenständiger Verein. Wir helfen bei finanzieller Not“, so der Vorstand.

Kurz umriss Flücken außerdem das Aufkommen an Sachspenden, das nahezu gleich geblieben ist. „Wir leben von diesen regelmäßigen Spenden“ sagte er und dankte allen, die dem Verein Hilfe zukommen lassen — auch bei der Weihnachtspaketaktion.

(Kr.)
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