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Preußens Pläne zur Sprengung: Jülicher St. Jakob-Bastion liegt im Dornröschenschlaf

Preußens Pläne zur Sprengung : Jülicher St. Jakob-Bastion liegt im Dornröschenschlaf

Die Preußen überließen nicht viel dem Zufall, als sie vor über 200 Jahren das Kommando in Jülich von den Franzosen übernommen haben. So haben sie einen Plan gezeichnet, wie sie die St. Jakob-Bastion sprengen können. Nicht, um sie zu zerstören, falls sie vom Feind genommen wird, sondern um die neuesten Sprengtechniken auszuprobieren.

Mit von Batterien gespeisten Zündern — „der letzte Schrei“ in der Pyrobranche im frühen 19. Jahrhundert.

Der preußische Sprengplan: Mit einer Sprengladung in der Mitte der Bastionsspitze hätten die Preußen versucht, die Mauern von innen zum Einsturz zu bringen. Foto: Museum Zitadelle

Im Gegensatz zu vielen Großmächten heute mit ihren Bomben- und Raketentests haben die Preußen aber nicht gesprengt. Und so steht die Bastion St. Jakob noch heute. „Sie ist die am besten erhaltene Jülicher Bastion“, sagt Winfried Cremerius vom Bürgerbeirat der Stadt.

Ein Feuchtgebiet: die Innenräume der über 450 Jahre alten Bastion. Foto: Jansen

Und St. Jakob ist wohl der Teil der Befestigung des italienischen Baumeisters Alessandro Pasqualini, der mittlerweile am meisten in Vergessenheit geraten ist. Heute liegt sie an der Bongardstraße neben dem Hallenbad und größtenteils unterhalb eines Kindergartens, der bezeichnenderweise St. Jakobus Auf der Bastion heißt. Größtenteils ist sie überwachsen und sieht aus wie ein bewaldeter Hügel mitten in der Stadt.

Viele kennen das alte Gemäuer vielleicht noch unter dem Namen Getränkebastion, weil ein Getränkehändler hier sein Lager hatte. Damit war vor gut 20 Jahren Schluss. „Seitdem ist die Bastion im Dornröschenschlaf und rottet vor sich hin“, sagt Cremerius, der es sich mit dem Bürgerbeirats-Mitstreiter Karl Sauer zur Aufgabe gemacht hat, diesen Prozess aufzuhalten.

Cremerius und Sauer haben die Regale und Holzaufbauten aus den Zeiten der Getränkebastion abgerissen und entsorgt. Die Elektrik müsste in Teilen neu gemacht werden. „Vor allem aber gibt es ein Feuchtigkeitsproblem“, berichtet Cremerius. Die Drainage vor einer der Eingangstüren funktioniert nicht mehr. Und weil die Türe am unteren Ende einer Treppe liegt und weil der Gang hinter der Türe abschüssig ist, läuft viel Wasser bei Regen in die Bastion. Zudem sind die Belüftungsschächte verstopft, die Luft zirkuliert nicht, die Feuchtigkeit bleibt im Innern, das Gebäude schwitzt.

Vorsichtige Hoffnung

„Es wäre ein echter Höhepunkt, wenn wir diese Bastion in die Führungen durch die Stadt einbauen könnten“, sagt der Jülicher Historiker Guido von Büren. „Jede Festungsstadt würde sich die Finger lecken nach einer so alten und so gut erhaltenen Originalsubstanz.“

Cremerius und von Büren haben vorsichtige Hoffnung, dass es mittelfristig gelingt, den Dornröschenschlaf von St. Jakob zu beenden. Erzählen könnte von Büren viel über die Bedeutung der Bastion, die im Zeitalter der Zitadelle — Baubeginn 1545 — entstanden ist, geplant von Pasqualini als ein Eckpfeiler des Verteidigungskonzepts der Stadt.

Mehr als 50 Meter lang waren die Außenmauern des Dreiecks, das als südlichster Punkt der Jülicher Befestigung gen Düren zeigte. Umgeben war sie von einem Graben, den man zwischen dem Bastionshügel und dem Hallenbad noch erahnen kann. „Die vier Bastionen der Stadt und die Zitadelle bildeten das Fünfeck“, erklärt von Büren. Jeder der Eckpunkte hätte schwer bewaffnet werden können, wenn der Auftraggeber der Stadtbefestigung, Herzog Wilhelm V., das Geld dafür gehabt hätte.

Zur Bauzeit waren die Bastionen und Wälle der Stadt nicht bewachsen. Spätere Generationen haben dann festgestellt, dass feindlicher Kanonenbeschuss noch verheerender wird, wenn er auf die nackten Mauern trifft, weil die Ziegelsteine dann splittern. Deswegen haben die Jülicher entschieden, die Wälle und Mauern mit Erde zu bedecken und zu bepflanzen. Deswegen sind viele Festungsteile heute, die Krieg und Abriss überstanden haben, so getarnt wie die Bastion St. Jakob.

Preußische Pläne

So wurden die Wälle beispielsweise zu Lebensräumen, in denen sich die Jülicher aufgehalten haben, wenn gerade keine Belagerung stattgefunden hat. Und für den Fall einer Belagerung war dank der Bäume genügend Holz in Reichweite.

Im 1. Weltkrieg haben die deutschen Soldaten in Jülich auf Geheiß ihres Kommandanten Major Schell die Festung mit Kohl bepflanzt und konnten so die Hungersnot im sogenannten Steckrübenwinter 1916/17 überstehen.

Zurück zu den Plänen der Preußen: Die haben nicht nur Zeichnungen entworfen, wie die Bastion zu sprengen sei, wenn sie denn hätte gesprengt werden sollen. „Sie haben es wirklich auf die Spitze getrieben und auch Pläne dafür angefertigt, wie die Festung bepflanzt werden soll“, berichtet Guido von Büren.