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Jülicher Orthopäde Uwe C. Peltzer startet zum ersten Mal bei „Le Jog“

Oldtimer-Prüfung : Jülicher startet zum ersten Mal bei „Le Jog“

„Entweder man macht das Ding einmal oder so lange man lebt jedes Jahr. Man hasst oder man liebt es.“ Das sagt Horst Pokroppa, der seit zehn Jahren an der härtesten Zuverlässigkeitsprüfung für Oldtimerfahrer in Europa teilnimmt, „Le Jog“.

Die Abkürzung steht für „Land‘s End to John O‘Groats Classic Reliability Trial and Tour“, veranstaltet von der „Historic Endurance Rallying Organisation“ (HERO).

Jedes Jahr führt die Tour rund 2400 Kilometer über Feld- und Wirtschaftswege vom südwestlichsten zum nordöstlichen Zipfel Großbritanniens, nunmehr zum 25. Mal. Erstmals navigiert der Privatier und Wahl-Vaalser vom 7. bis zum 10. Dezember den Jülicher Orthopäden mit Wohnsitz im holländischen Lemiers, Uwe C. Peltzer, der als „Le ­Jog“-Fahrer seine Premiere feiert.

Der Orthopäde kommt „aus der Gleichmäßigkeitsfahrerecke“, im Gegensatz zum einstigen Rennfahrer Pokroppa. So fuhr Peltzer, gelegentlich sogar navigiert von seiner Gattin, im Winter etwa bei der „Coppa d‘Europa“ oder der „Histo Monte“ mit, die den historischen Spuren der Rallye Monte-Carlo folgt. „Eine der Legenden, die man sich dort erzählte, war ,Le Jog’“, schwärmt Peltzer. Als Orthopäde ist er „prädestiniert zum Schrauben. Da ich nicht mehr operiere, schraube ich jetzt am Auto“, erzählt er augenzwinkernd. Mehr Zeit dazu, den roten MGA Coupé, Baujahr 57, zu inspizieren hat Privatier Pokroppa, unter anderem kommt es wegen der vielen Flussdurchfahrten auf eine wasserdichte Elektrik an.

Aber das ist nicht der einzige Grund für die Zuteilung der Aufgaben. Pokroppa ist zweimal selbst gefahren hat sieben Mal navigiert – und war damit unzufrieden. Bei seiner zehnten Teilnahme hat er den Anspruch, „weit nach vorne zu kommen. Navigator ist ein schwieriger Job. Die drei Aufgaben bestehen darin, „zu wissen, wo du bist, die genaue Strecke anzusagen und die nächste gleichzeitig schon vorbereitet zu haben. Wenn man alle Punkte auf Zeit angefahren hat, kriegt man eine Goldmedaille, die strebe ich seit Jahren an“, träumt der Vaalser.

Peltzer hingegen macht einfach, „was der Navigator sagt“. Er ist begeistert von der „komischen Form von Eustress, man ist ein bisschen in einer anderen Welt“. Kennengelernt haben sich die beiden Oldtimer-Fans vor 30 Jahren bei einer Hochzeit, dann wieder aus den Augen verloren. Erst, als sich die Töchter der Männer in ihrer Musikschule im Vaalserquartier über den jeweils alten Jaguar der Väter unterhielten, wurde der Kontakt wieder aufgefrischt.

„Wir fahren alle am Limit, bekloppter kann man nicht sein“, wirbt Pokroppa für die Tour mit „wunderbaren Menschen, bei denen die Kameradschaft groß geschrieben wird“ und in der die rund 220 Streckenposten, die mit einer Thermoskanne in Nacht und Kälte ausharren, „die wahren Helden sind“.

„An den sogenannten ,Spectator points’ winken einem mitten in der Nacht die Fans mit Fahnen zu, sowas gibt es nur in England“, erzählt der Routinier. Er rechnet damit, weinen zu müssen, wenn am Dienstag, 10. Dezember, die Dudelsackpfeifer die Rallyefahrer am Hafen empfangen. Obwohl der rote MGA kaum Platz bietet, ist der Smoking Pflicht für die Siegerehrung, bei welcher der Whisky in Strömen fließen wird.

Peltzer betonte abschließend den Nachhaltigkeitsgedanken der Oldtimerfahrer „im wahren Leben“. Er selbst fährt ein Erdgasauto, Pokroppa ein E-Auto. Letzterer plädiert allerdings für Fahrzeuge, die „lange gefahren werden. Sie sind fussabdrucksmäßig immer besser als E-Autos“. Bereits am Mittwoch um 6 Uhr starten die Oldtimer-Fahrer ihre Reise nach Cornwall, wo noch etliche Vorbereitungen zu treffen sind.