Jülicher OP-Säle werden modernisiert

Arbeiten im Sommer und Herbst : Jülicher OP-Säle werden modernisiert

Viele Jülicher haben einen furchteinflößenden Geist durch das St. Elisabeth Krankenhaus spuken sehen. Die Horrorvisionen reichten von einer Schließung der beiden Operationssäle bis hin zum kompletten Aus für St. Elisabeth. Stephan Prinz und Judith Kniepen betonen, dass sie fest entschlossen sind, dem Spuk ein Ende zu bereiten.

Prinz, Geschäftsführer des Trägers Caritas Trägergesellschaft West (ctw) und Kniepen, Geschäftsführerin für Jülich und das St. Josef Krankenhaus Linnich, haben deswegen im Gespräch mit unserer Redaktion ein „klares Bekenntnis zum Standort Jülich“ abgegeben.

Selbst die kleinste Horror-Vision von geschlossenen OP-Sälen werde nicht eintreten, erklären Prinz und Kniepen. Mehr noch: Die beiden OP-Säle werden modernisiert. Im Spätsommer und Herbst, wenn wegen Urlaub weniger Eingriffe vorgenommen werden, sollen die Operationen an den Sälen erfolgen. Für rund 200.000 Euro erhalten sie einen neuen Bodenbelag und einen neuen Fließenspiegel. „Da sind die Säle nicht mehr unbedingt zeitgemäß, es ist aber sicher nicht so, dass die Fließen von den Wänden fallen und wir hier keine Operationen mehr durchführen können“, beruhigt Prinz. Der Fließenspiegel ist in die Jahre gekommen, der Estrich unter der Bodendecke weist Risse auf, die Decke selbst ist von auf den Boden getropften Desinfektionsmitteln gezeichnet. Akuter Notstand herrsche aber nicht, wie Kniepen und Prinz betonen.

Trotzdem läuft was nicht rund im Hause Jülich, völlig aus dem Nichts sind die Horrorvisionen nämlich nicht entstanden, obwohl sie danach ausgeufert waren. „Der Standort Jülich war viele Jahre im größeren Stil unwirtschaftlich“, sagt Prinz. „Die ctw hat sich in den vergangenen Jahren nicht ganz so mit dem Haus beschäftigt, wie das hätte passieren müssen“, sagt Prinz. Kniepen und er seien dabei, das zu ändern. Nicht mit großen Einschnitten wie Entlassungen und Schließungen, sondern mit vielen kleinen Dingen. „Wir wollen Schwerpunkte setzen“, erklärt Kniepen einen Teil der Strategie. Das Linnicher Haus mit hoch modernen OP-Sälen habe einen Schwerpunkt bei der Orthopädie, Jülich soll sich noch weiter auf die Geriatrie spezialisieren – also das Behandeln und Operieren älterer Patienten.

Die Viszeralchirurgie, das Operieren im Bauchraum, soll der zweite Jülicher Schwerpunkt sein. „Wir müssen uns spezialisieren“, sagt Kniepen. Und kooperieren. „Beide Standorte hätten für sich alleine wohl keine Chance“, führt die Geschäftsführerin der Katholischen Nord-Kreis Kliniken Linnich und Jülich aus. Denn Jülich befinde sich in einer schweren geografischen Lage mit vielen spezialisierten Krankenhäusern in der Nähe, die eine Konkurrenz darstellten.

Die künftig weiter vertiefte Spezialisierung bedeute aber nicht, dass in den Jülicher OPs keine Eingriffe der Grundversorgung mehr vorgenommen werden. Knochenbrüche werden hier weiter operativ korrigiert, Herzschrittmacher transplantiert, entzündete Blinddärme entfernt. Manche Bereiche werden deswegen vergrößert. Die Intensivstation in Jülich wurde von sieben auf neun Betten vergrößert und sei laut Kniepen „damit eine Nummer größer als Linnich“. Aktuell werden für beide Standorte zusätzliche Pflegekräfte gesucht.

Grundsätzlich solle die Effizienz in den beiden Nordkreis-Kliniken gesteigert werden. Wichtig dafür sei, dass die Mitarbeiter anders denken als bisher. Sie sollen lernen, das große Ganze zu sehen, das aus Jülich mit seiner 350-köpfigen Belegschaft besteht und aus den 290 Mitarbeitern in Linnich. Mitarbeiter sollen bei Bedarf auch in anderen Abteilungen oder im anderen Haus arbeiten, wenn der Bedarf dafür besteht. Synergieeffekte sind also ein Ziel. „Wir sind nicht überbesetzt“, erklärt Prinz das Anliegen der Effizienzsteigerung.

„Aber wir müssen lernen, unsere Ressourcen besser auszunutzen.“ Denn am Ende gelte das Gebot der Wirtschaftlichkeit auch für Krankenhäuser. Für Linnich, vor allem aber für Jülich bedeutet das laut Prinz, dass mehr Patienten in das Haus überwiesen werden müssen. Dafür soll Jülich modernisiert werden. Von Bedeutung sei zudem, dass die Ärzte im Jülicher Land ein neu aufgestelltes St. Elisabeth Krankenhaus wieder verstärkt beim Überweisen von Patienten berücksichtigen.

Eine Ursache für das Aufkeimen der Horrorgeschichten war die Veränderung der Trägerstruktur. Bekanntlich ist geplant, dass die Kölner Josefs-Gesellschaft als Träger für die fünf ctw-Häuser in Linnich, Jülich, Birkesdorf, Lendersdorf und Prüm einsteigt. Das Kartellamt hat der Übernahme mittlerweile zugestimmt. Die ctw wird dadurch zum Krankenhaus-Zweig in der Josefs-Gesellschaft. „Wegen des geplanten Wechsels konnten wir Anfang des Jahres nicht alle Pläne für die Weiterentwicklung in Jülich öffentlich mitteilen. Jetzt ist alles geklärt, jetzt können wir uns voll auf diese Aufgabe konzentrieren“, sagt ctw-Geschäftsführer Stephan Prinz.