Jülich: Jülicher Notunterkunft in Einsatzbereitschaft

Jülich: Jülicher Notunterkunft in Einsatzbereitschaft

Mitte vergangener Woche waren genau 151 Menschen in der Jülicher Notunterkunft für Flüchtlinge auf der Merscher Höhe untergebracht. Darüber informierte die Campleiterin Sabine Günnel (Deutsches Rotes Kreuz Jülich) den Sozialausschuss.

41 Bewohner seien unter 18 Jahren, die meisten stammten aus Syrien, Irak, Iran und Afghanistan. Manche sind schon seit Dezember in der Zeltstadt auf der Merscher Höhe, also seit Monaten und nicht — wie geplant — nur wenige Wochen. „Die Politik hat uns eingeholt“, sagte Günnel hierzu. Und bei aller Ungewissheit wagte sie eine Einschätzung: „Es gibt seitens der Bundesregierung die Tendenz, die Notunterkünfte vorzuhalten. Sie sollen in Einsatzbereitschaft bleiben.“

Weil völlig unklar sei, wie sich die Flüchtlingsströme entwickeln, wolle Berlin keine „Standby-Unterkünfte“, die binnen zwei oder drei Tagen zur Verfügung stehen — vorerst. Daher laufe der Betrieb in der für 1000 Menschen ausgelegten Unterkunft weiter — wobei die geringe Auslastung auch Möglichkeiten biete. Die Sozialbetreuung sei erheblich intensiviert worden. Und dieser Betreuung als „Prävention vor dem Lagerkoller“ sei es wohl auch zu verdanken, dass die Menschen im Jülicher Camp friedlich miteinander leben.

Auf Nachfrage aus dem Ausschuss räumte Günnel Gerüchte aus: „Wir bekommen natürlich nur so viele Essen, wie wir brauchen — von einem ortsansässigen Catering-Betrieb, der flexibel ist.“ Der könne auch schnell reagieren, wenn plötzlich 150 neue Bewohner ankämen. Wahr sei, dass auch leerstehende Zelte beheizt würden, allerdings nicht voll, sondern bis zu einer Temperatur von 11 Grad. Das habe seinen Grund: Ohne diese Temperierung laufe in den Zelten ansonsten das Kondenswasser auf die Möbel und den Boden.

Eine Schulpflicht bestehe in Notunterkünften grundsätzlich nicht. Im Camp gebe es aber viele Lerngruppen (Mathe, Deutsch, Englisch), die oft von Ehrenamtlern geleitet werden. 70 Freiwillige und 100 ehrenamtliche Dolmetscher bringen sich ein.

Das Bildungsniveau ist sehr unterschiedlich, berichtete Günnel weiter: vom Analphabeten aus dem ländlichen Afghanistan bis zum syrischen Herzchirurgen sei alles vertreten. Und so gebe es auch einen Alphabetisierungskurs.

Grundsätzlich sollen die Bewohner so viel Verantwortung für sich selbst übernehmen wie möglich, erklärte Sabine Günnel ein Ziel des DRK. Das funktioniere auch.

(-vpu-)
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