Jülicher Mädchengymnasium: Schülerinnen machen Handy-Diät

Vier Stunden täglich in Verzicht geübt : Jülicher Schülerinnen machen Handy-Diät

28 angehende Abiturientinnen des Jülicher Mädchengymnasiums machen Diät. Eine sehr spezielle Diät. Sie verzichten auf ihre Mobiltelefone. Nicht rigoros und für immer. Aber seit Mitte Juni für vier Stunden am Tag, von 8 bis 12 Uhr.

Einfach fällt den Schülerinnen der Verzicht nicht. Aber sie haben sich ihr Schicksal selbst und freiwillig ausgesucht. „Wir wussten von dieser Idee nichts“, sagten Klaudia Janta und Andreas Wergen, die beide Stufenlehrer der sogenannten Q2, also des Jahrgangs, der im kommenden Frühjahr das Abitur baut.

Damit die selbst auferlegte Handy-Diät kein Papiertiger bleibt, hat sich die Jahrgangsstufe bei #Sendepause angemeldet, einem Wettbewerb der AOK-Krankenkasse und des Jugendmagazins vigozone, der sich an Schulklassen richtet, mit dem Ziel, der Sucht nach dem Smartphone vorzubeugen. Wer mitmacht, der installiert eine App auf seinem Smartphone. Und die stellt fest, wie oft und wie lang die Teilnehmer in den vier Diät-Stunden mit ihren Smartphone zugange sind.

Die Schülerinnen des Mädchengymnasiums haben dabei offenbar viel Disziplin an den Tag gelegt. Denn sie sind die Siegerinnen für die Monate Juli und August. In der Gesamtrangliste steht die Q2 aus Jülich auf Platz fünf. „Wir machen da mit, um die Abi-Kasse zu füllen“, sagte Anastasia Bast und alle Mitschülerinnen grinsten. Tatsächlich seien die Preise für die Sieger interessant. Dem Thema messen die Schülerinnen allerdings auch eine Bedeutung zu. „Ich habe schon mehr darauf geachtet, wie oft ich das Handy in die Hand nehme“, schilderte Sophie Radermacher. Es sei häufiger passiert als gedacht. Die Mitschülerinnen nicken.

Alle Smartphones auf den Tisch: Die Jahrgangsstufe Q2 des Mädchengymnasiums macht seit Juni eine Handy-Diät. Foto: Guido Jansen

Besonders seltsam sei die Handy-Diät in den Sommerferien gewesen, erklärte Anne-Sophie Thouet. „Morgens gilt mein erster Griff normalerweise immer dem Handy. Das ist schon komisch.“ Vor allem in den Ferien, wenn kein Zeitdruck besteht, rechtzeitig in die Schule zu kommen. Da wäre eigentlich genügend Zeit, auf dem Handy zu spielen. „Und dann stellst du fest, dass du es schon wieder in der Hand hast“, sagte Sophie Radermacher über die vielen Smartphone-Tätigkeiten, die mittlerweile unbewusst passieren.

Alle 28 haben angefangen, über ihre Handy-Gewohnheiten nachzudenken. Einige haben bewusst geplant, wie sie das Smartphone zwischen 8 und 12 Uhr am besten ignorieren können. „Ich habe mit für die Zeit immer eine andere Beschäftigung gesucht“, schilderte Alina Schneider. Andere seien einfach in den Flugmodus gegangen. Sie haben dem Smartphone also die Verbindungen zum Telefonnetz und ins Internet gekappt. „Außerdem sind vier Stunden ja nicht so lang. Der Rest des Tages ist ja wie immer“, fügte Rojda Saydo hinzu.

Die Lehrer loben den Mut zum Verzicht. „Die Schülerinnen haben ohne unsere Unterstützung gemacht. Und sie haben das bisher durchgezogen“, betonten Klaudia Janta und Andreas Wergen.