Jülich: Jülicher Hightech-Gewächshaus ist weltweit einzigartig

Jülich: Jülicher Hightech-Gewächshaus ist weltweit einzigartig

Ein Gewächshaus halt. Von außen wirkt der Neubau auf dem Gelände des Forschungszentrums Jülich unspektakulär. Er hat‘s aber in sich, denn bei der Suche nach Pflanzen, die die wachsende Menschheit in Jahren ernähren und ihr auch industriell nützlich sein können, haben die Wissenschaftler hier die Möglichkeit, fast jede Klimazone der Erde zu simulieren.

Das turnhallengroße Labor ist eine ganz besondere Konstruktion und weltweit in dieser Form einzigartig. Am Donnerstag wurde ein Hoffnungsträger in vielfacher Hinsicht eingeweiht. Wenn das Forschungsgewächshaus Ende des nächsten Jahres vollständig ausgestattet ist, darf man sich das getrost wie eine kleine Pflanzenfabrik vorstellen, Roboter inklusive.

Diese Automaten vermessen Pflanzen bis in die Wurzeln und zählen Blätter — immer und immer wieder: mal mit viel Dünger, mal mit wenig Dünger, mit den verschiedensten Erdreichbeschaffenheiten, mit viel Wasser, mit wenig Wasser, viel Licht und wenig Licht. Diese Vermessung nennt man „Phänotypisierung“. Im Laufe der Zeit werden so die Gewächse gefunden, die eben auch unter extremen klimatischen Bedingungen gute oder sogar hohe Erträge liefern. Oder es sind Wege erkennbar, den Pflanzen bei der Anpassung an besondere Umstände zu helfen.

Das alles lässt sich in dem besonderen Gewächshaus in Jülich flexibler und günstiger erforschen als zum Beispiel in Klimakammern. Das neue Hightech-Gebäude besteht aus speziellem milchigem Glas, das UV-Licht durchlässt und das Licht so streut, dass Pflanzen besser versorgt werden.

Die Metall-Konstruktion, die auf tragende Innensäulen verzichtet, die Schatten verursacht hätten, war eine Herausforderung, wie Jens Kuchenbecker, Leiter des Technischen Bereichs, am Donnerstag erklärte. Gleiches gilt für die Temperatur- und Belüftungsregelung. In enger Abstimmung mit dem Institut für Bio-, Geo- und Pflanzenwissenschaften unter Leitung von Professor Ulrich Schurr ist es gelungen.

Schurr dankte nicht nur der Bauabteilung, sondern auch seiner „Mannschaft“ und den Geldgebern. 4,1 Millionen Euro hat die Realisierung des Projektes gekostet, das Pflanzenforschung unter kontrollierten Bedingungen mit natürlichen Lichtverhältnissen und einem hohen Durchsatz erlaubt. In Teilen des Gebäudes lässt sich durch Speziallampen aber auch „die Tageslänge regulieren“, so Professor Schurr.

Kosten von 4,1 Millionen Euro

90 Prozent der Kosten steuerte das Berliner Bundesforschungsministerium bei, dessen Parlamentarischer Staatssekretär Thomas Rachel (MdB/Düren) am Donnerstag die Festansprache hielt, zehn Prozent kamen vom Land.

Er begründete die Wichtigkeit dieses Projekts, das in diverse europäische und internationale Netzwerke eingebunden ist: „Die globale Erderwärmung zwingt uns geradezu dazu, die Pflanzen zu verändern. Dafür brauchen wir ganz andere Labore — wie hier.“ Diese Forschung könne nicht nur einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Menschen auch in anderen Teilen der Welt künftig zu ernähren.

Grundsätzlich ist laut Thomas Rachel das übergeordnete Ziel, eine Ökonomie zu schaffen, „die sich an natürlichen Stoffkreisläufen orientiert“, was allerdings nicht von heute auf morgen gehe.

Auch die Führungsriege des Forschungszentrums Jülich sieht das neue Gewächshaus mit Freude und hohen Erwartungen, weil nun „noch bessere Forschungsmöglichkeiten“ bestehen, wie Professor Harald Bolt für den Vorstand sagte. Die Einrichtungen der Pflanzenforschung in Jülich bilden laut Bolt im Verbund mit den Universitäten in Düsseldorf, Aachen und Köln „einen ganz wichtigen Kern für die Bioökonomie in Deutschland und Europa“.