Jülicher Bücherbörse beginnt ihr viertes Jahrzehnt

Positiver Trend : Ein etwas anderes „Familientreffen“

Für die passionierten Forscher der Herzogstadtgeschichte ist die Jülicher Bücherbörse (JüBüBö) seit 31 Jahren ein im Kalender fest eingetragener Termin. Traditionell wird sie am ersten Sonntag nach Aschermittwoch vom Jülicher Geschichtsverein in Zusammenarbeit mit dem Museum Zitadelle und dem Förderverein der Stadtbücherei ausgerichtet. So auch in diesem Jahr wieder.

Auf dem Ausstellerstand von Albert Lampenscherf im Pädagogischen Zentrum des Gymnasiums Zitadelle liegt ein kleiner Stapel vergilbter Büchlein mit Jülicher Wappen und der Inschrift Anno Domini 1950. „Mit diesem kleinen Werk wollten mein Vater und der Verein einen Einblick in die große Vergangenheit einer der meist zerstörten Städte Europas gewähren“, erzählt Lampenscherf und weist auf die Fotos hin. Die Ruinen des im 16. Jahrhundert erbauten Rathauses, eine den Bombenangriffen bis zuletzt trotzende Mauer der Jesuitenkirche und die Trümmer der Propsteikirche lassen darauf die einstige Schönheit der Pasqualini-Stadt nur noch erahnen.

Aus dem Nachlass seines Vaters, der als „Maler der Heimat“ bezeichnet wird, präsentiert er den vielen Besuchern eine interessante Federzeichnung und ihre Entstehungsgeschichte gleich mit. Auf dem Bild ist der Jülicher Marktplatz im Jahre 1791 zu sehen. Der bekannte englische Landschaftsmaler und Karikaturist Thomas Rowlandson porträtierte bei einer Reise durch den Kontinent das Alte Rathaus, den Jesuitentrakt, die Kapuzinerkirche und eine Schildwache vor dem Pumpenhaus im Herzen Jülichs. „1966 wollte die Stadt bei einer Auktion das Kunstwerk erwerben, doch es war zu teuer“, erklärt er, „mein Vater hat damals eine etwas vergrößerte, doch exakte Kopie angefertigt“.

„Es sind die Erzählungen aus der Geschichte, die neben den alten Büchern, neuen Publikationen, Bildern und Ansichtskarten während unserer Börsen den Eigentümer wechseln und für einen regen Austausch sorgen“, bekräftigt der Vorsitzende des Jülicher Geschichtsvereins, Guido von Büren. Anhand der bisherigen Erfahrungen, dem in diesem Jahr erreichten „Spitzenwert“ von 26 Ausstellern sowie dem großen Publikumsandrang trotz des auf den Jülicher Straßen wütenden Sturmtiefs „Eberhard“ sehen die Organisatoren die Zukunft der JüBüBö gesichert.

Von den erfreulichen logistischen Hürden berichtet Walter Maßmann, der in seinen Händen alle organisatorischen Fäden zusammenhält: „Das wichtigste ist, dass wir genügend Ausstellungstische haben“. Er ist es auch, der den bereitwillig lauschenden Gästen die großen politischen Karten der deutschen Gebiete vor dem Wiener Kongress von 1815 erklärt. „Im Jahre 1777 gehörten die Herzogtümer Jülich und Berg zur Kurpfalz. Als der letzte Kurfürst der Pfalz zum König von Bayern gekrönt wurde, gehörten wir für circa zwei Jahrzehnte zum Bayern-Territorium“.

Die Jülicher Historie ist nicht nur eine regionale gewesen, sondern mit der Geschichte des ganzen Deutschen Reichs verflochten. Das weiß auch Kathrin Kelzenberg, eine in Heidelberg arbeitende Historikerin, die in mittelalterlicher Geschichte promovierte und ihre Arbeitsbibliothek dringend verkleinern muss. „Die Börse ist eine gute Adresse, um die Fachbücher zu einem fairen Preis in gute Hände abzugeben“, versichert sie und ergänzt: „Ich bin das erste Mal dabei und direkt erstaunt, wie vielfältig und gut besucht sie ist“.

Die Geschichte Jülichs ist zudem die Geschichte der kleinen Heimatorte. Fundierte Einblicke in die altehrwürdige Vergangenheit des Stadtteils Barmen bieten die Publikationen von Dr. Alexander Holz. „Aufbruch in die Moderne“ und „Als der Krieg nach Barmen kam“ konnten während der Börse direkt vom Autor erworben und gerne inhaltlich erläutert werden.

Die lokale Historie vor dem Vergessen zu bewahren, ist auch ein großes Anliegen von Robert Claßen. Zusammen mit Detlef Braun sammelt er alte Fotografien der in Broich seit Generationen ansässigen Familien und geht deren spannenden Geschichten auf die Spur. „Wir befragen die älteren Menschen zu den Fotos und das Erzählte erscheint jährlich neben anderen Themen, wie etwa Archäologiefunden oder der Wandlung der Landschaft rund um die Ortschaft, in unserem Heft, dem Dorfarchiv Broich“.

Die besondere Atmosphäre der Jülicher Bücherbörse wird von den Organisatoren gerne als die eines „Familientreffens“ beschrieben. Neue Mitglieder dieser „Familie“, ob als Besucher oder als Aussteller werden stets herzlich willkommen geheißen. Davon überzeugen konnte sich auch Günter Wentz, der als Vorsitzender des Linnicher Geschichtsvereins das erste Mal bei der JüBüBö die in Schrift und Bild festgehaltenen Schätze seines Vereins präsentierte.

(mavo)
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