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Jülich: „Jülicher” Autos werden immer schlechter

Jülich : „Jülicher” Autos werden immer schlechter

„Was nichts kostet, taugt auch nichts”, sagen die Schwaben. Und sicherlich auch der hiesige TÜV-Prüfstellenleiter Axel Lausberg.

Gemeint ist dabei der Kia Rio als der rollende Beweis dieser These. Denn das billige Auto liegt im TÜV-Report Deutschland im Jahre 2008 an letzter Stelle und zählt damit zu den Mängelriesen von insgesamt 116 Automodellen.

„Mängelautos, die sind bei uns an der Tagesordnung.” Axel Lausberg weiß, wovon er spricht. Im Moment brummt es beim TÜV in Jülich. Er und seine beiden Kollegen Floria Ehrmann und Andres Henze brauchen sich über Kundschaft nicht zu beklagen. „Früher fuhren die Leute in den Urlaub, heute kommen sie zu uns.” Nicht, um den Wagen vorher der technischen Überwachung zuzuführen. „Nein, denn stehen Reparaturen an, dann haben die Leute für beides mittlerweile kein Geld mehr.” Besonders dann, wenn die Autos die Fünfjahresmarke überschritten haben.

Dann fangen die Mängel im und am fahrbaren Untersatz an. „Aber die Inspektion innerhalb des zweijährigen TÜV-Rhythmus, die findet schon gar nicht mehr statt.” Lausberg kennt sein Klientel. „Viele können sich diese oder gar Reparaturen nicht mehr leisten”,sagt der Prüfingenieur und sieht dies am Zustand der vorgefahrenen Fahrzeuge.

„Bis vor zwei Jahren lagen wir hier in Jülich bei rund zehn Prozent Durchfallquote, somit weit unter dem bundesweiten Durchschnitt. Doch mittlerweile nähern wir uns der 30-Prozent-Marke.” Das soll heißen, von zehn zur Hauptuntersuchung vorgeführten Autos fallen drei durch!

Ob es die defekte Bremsanlage ist, abgefahrene Reifen, der durchgerostete Querlenker, die Radaufhängung oder aber die Bremsscheiben. „An allen Verschleißteilen erkennt man, dass zwischenzeitliche Wartungen nicht durchgeführt wurden. Mangels Geld.”

Darüber hinaus sind es zudem gerade die elektronischen Komponenten, die dem Fahrzeugbesitzer Ärger bereiten. „Leuchtet irgendeine Kontrolllampe, dann müssen wir Nein sagen”, betont Lausberg - auch dann, wenn es in der Werkstatt manchmal nur eine Kleinigkeit ist, in vielen Fällen stecken dahinter auch sicherheitsrelevante Mängel. „Dann wird es teuer”, sagt der TÜV-Ingenieur und rät, ältere Fahrzeuge zuerst einmal dem Technischen Überwachungsverein vorzuführen. „Das kostet 51 Euro, anhand der Mängelliste kann der Autobesitzer dann dezidiert die Werkstatt aufsuchen und muss lediglich anschließend die Nachprüfgebühr von 15,40 Euro zahlen.”