Jülich: Jülicher Autorin verleiht Hannibal ein Gesicht

Jülich: Jülicher Autorin verleiht Hannibal ein Gesicht

Ein Comic? Sehr gerne! Ein Roman? Auch nicht schlecht. „Aber Comic und Roman in einem — das geht nun wirklich nicht.“ So schildert Jenny Dolfen aus Koslar die Reaktionen der Buchverlage auf ihre Idee, die Geschichte der Schlacht von Cannae zwischen Römern und Karthagern im Jahr 216 vor Christus auf eine neue Art zu erzählen.

„Dann mache ich das eben alleine“, hat sich Dolfen im vergangenen Jahr gesagt. Ohne Verlag, aber mit großem Erfolg. Denn die 550 Exemplare des Buches mit dem Titel „Darkness over Cannae. Hannibal against the Might of Rome“ (Dunkelheit über Cannae. Hannibal gegen die Macht Roms) sind schon fast vergriffen. „Ich muss vermutlich nachdrucken lassen“, sagt Dolfen. Und das, obwohl ihr außergewöhnliches Buch erst zwei Wochen auf dem Markt ist.

Der Titel verrät es: Die Lehrerin am Haus Overbach für Englisch und Latein hat ihr Buch in englischer Sprache verfasst. Das und die Mischung aus Roman und Bildern sind nicht die einzigen harten Fakten, die ihre Cannae-Erzählung außergewöhnlich machen. Sie schildert die Schlacht, in der das zahlenmäßig unterlegene Heer Hannibals die Römer vernichtend geschlagen hat, aus sieben Perspektiven. Sechs Erzähler sind historisch verbrieft.

Es handelt sich unter anderem um Hannibal, zwei seiner Offiziere und drei Römer. Erfunden hat Dolfen den Leibwächter Hannibals. Leichte Kost liefert die Autorin und Illustratorin nicht ab. „Ich wollte unter anderem das Gefühl vermitteln, wie es ist, wenn ein Heer mit 80.000 Römern aufzieht und wenn am Ende 70.000 Menschen tot sind.“

Für ihr Buch hat die 39-Jährige die historischen Quellen Polybios und Livius studiert, dazu die einschlägigen Werke zeitgenössischer Forscher. Die Fakten müssen stimmen. Das ist für sie wichtig. Dann hat sie angefangen zu schreiben. Auf Englisch, „weil ich Jahr in England gelebt habe und schon lange auf Englisch lese“. Alle Arbeitsschritte passierten in den Ferien. Die jüngsten Sommerferien gingen dann für die Illustrationen drauf. Jeden Tag hat sie von morgens acht Uhr bis in den Abend gezeichnet.

Zeichnen war schon immer ihre Leidenschaft. Gleiches gilt für mystische Geschichten. Jenny Dolfen hat sich in den vergangenen Jahren in der Szene der Tolkien-Fans einen Namen als Illustratorin gemacht. Tolkien ist der Mann, der unter anderem die Fantasy-Romane „Herr der Ringe“ geschrieben hat. „Ich war mir nicht sicher, wie diese Klientel reagieren würde, wenn ich auf einmal mit Karthagern ankomme“, sagt Dolfen. Die Antwort hatte sie schnell.

Als sie für ihr Cannae-Projekt Unterstützer im Internet gesucht hat, haben sich innerhalb einer halben Stunde viele Mitglieder der englischen Tolkien-Gesellschaft als Geldgeber gefunden. Crowd-Funding heißt das. Diese ersten Zusagen hatten eine Sogwirkung. Über 300 Ausgaben waren so im Vorfeld schon verkauft. Für die, die mehr Geld gegeben haben, hatte Dolfen ein besonderes Angebot. Sie hat diese Personen in ihre Bilder eingearbeitet.

Apropos Tolkien. Bisher hat Jenny Dolfen beispielsweise Elben gezeichnet. Mit Karthagern hatte sie keine Erfahrungen. „Deswegen habe ich mit ein Poster der tunesischen Fußball-Nationalmannschaft ausgedruckt und die Gesichter als Vorlagen benutzt.“

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