Jülich: Jülicher Archivalien bekommen immer noch „feuchte Füße“

Jülich: Jülicher Archivalien bekommen immer noch „feuchte Füße“

Das älteste Fundstück stammt aus dem 14. Jahrhundert, seit dem 16. Jahrhundert sind zahlreiche Zeugnisse vorhanden und für die Nachwelt gesichert. Dennoch bleibt das Archiv der Stadt Jülich ein Sorgenkind.

Wie aus dem Jahresbericht hervorgeht, sind die Besucherzahlen zurückgegangen, was auch an den eingeschränkten Betreuungsmöglichkeiten des Archivs liegt. Als „One-Man-Show“ muss Dr. Horst Dinstühler als Leiter und einziger Mitarbeiter alle Aufgaben bewältigen.

Das Stadtarchiv Jülich zieht Wissenschaftler an, die in dem reichen Fundus Quellen für ihre Arbeiten finden. Daneben steigt inzwischen die Zahl der Ahnenforscher. Auch die heimatgeschichtlich Interessierten kommen in die Keller am Hexenturm.

„Das Stadtarchiv hat im Haushalt nicht die oberste Priorität“, gesteht Beigeordneter Martin Schulz, „aber es hat eine breite Unterstützung.“ Deshalb wird aus wirtschaftlichen Gründen nur das Nötigste geschafft. „Ich mahne immer nur die Einhaltung von Gesetzen an“, erklärt Horst Dinstühler. Das 1989 in Kraft getretene Archivgesetz schreibt den Kommunen vor, Archivgut sachgemäß zu verwahren, zu sichern und für die Nutzung bereitzustellen.

Dass dies in Jülich nicht so ist, gesteht der Beigeordnete ein. „Die Sachmittel sind über die Jahre stabil geblieben, wenn auch nicht besonders hoch“, sagt Schulz. Sie reichen immerhin für einen bescheidenen Betrieb des Stadtarchivs.

Das weitaus größere Sorgenkind ist die Unterbringung. In seinem Jahresbericht macht der Leiter nicht zum ersten Mal klar, dass die Bedingungen problematisch sind. Zu helle und zu feuchte Orte schaden den alten Dokumenten und Fotografien. In aufwendigen Prozessen müssen diese Schäden restauriert werden, sonst droht die Zerstörung. Inzwischen zeigt sich ja ein Silberstreif am Horizont. Mit dem Freiwerden der ehemaligen Realschule wird nun von Seiten der Stadt geprüft, ob ein Teil dieses Gebäudes für den Umzug des Stadtarchivs in Frage kommt. Dazu soll geklärt werden, welche baulichen Veränderungen vorgenommen werden müssen und welche Kosten entstehen.

Für das Stadtarchiv würde ein solcher Umzug die Lösung vieler Probleme bedeuten, weil eine Lagerung möglich wäre, die den Bestand dauerhaft schützt. Gerade weil das historische Erbe in Jülich so groß ist, gibt es viele Stimmen, die sich für die Fortführung des Stadtarchivs stark machen. Der Leiter hatte selbst im Rahmen seiner damaligen Promotion auf diese Bestände zugreifen können. Und auch seine zahlreichen Veröffentlichungen speisen sich aus diesen Beständen. „Daran kann ich jedoch nur am Wochenende arbeiten“, erklärt der Historiker.

Die Zeit von 1908 bis zum Ende des Weltkrieges zeigt jedoch große Lücken im Archiv, weil das Meiste vernichtet wurde. „Hin und wieder fischen wir Schätze auch mal aus dem Mülleimer“, verweist Dinstühler auf seltene Glücksmomente. Besonders interessiert ist der Archivar an alten Fotografien und Zeitungen aus der Region, die häufig auf Dachböden vor sich hin modern.