Jülich: Jülicher Aquarium als Wohnzimmerwand

Jülich: Jülicher Aquarium als Wohnzimmerwand

Häuslebauer können was erzählen. Über Handwerker, Gewerke, Pünktlichkeit der Firmen, Baubesichtigungen, Diskussionen mit Architekten. Ein einzigartiges, wenn nicht einmaliges Erlebnis wird ein 35-jähriger Unternehmer aus Garmisch-Partenkirchen haben.

Um den Durchblick von seiner künftigen Küche zum gegenüber liegenden Wohnzimmer zu haben, orderte er bei der Jülicher Firma Schuran einen Raumteiler in Form eines schweren Meerwasseraquariums. Es wird nach der Inbetriebnahme 40 Tonnen schwer sein. Die handwerkliche Herausforderung: Auf diesem Becken lastet quasi das erste Obergeschoss. Per Spezialtransporter ging der Koloss auf seine Reise ins Werdenfelser Land.

Alleine der Filter zur Umwälzung der 20.000 Liter Wasser im Aquarium hat den Durchmesser einer übergroßen Kühltruhe. Auch er wurde von den Jülicher Schuran-Fachleuten angefertigt, dann vor Ort eingebaut. Foto: hfs.

Schuran Kunststoffe und „seawater equipment“ — damit hat sich der Jülicher Spezialist in der nunmehr 30-jährigen Geschichte weltweit einen Namen gemacht. Ob ein Haifischbecken für einen Privatmann, ob ein begehbares Aquarium, überdimensionale Rundbecken aus Plexiglas oder aber Filtertechnik für Zoos und Tierparks, es gibt fast nichts, was bei dem vergleichsweise kleinen Unternehmen mit 20 Mitarbeitern nicht in Auftrag gegeben wird.

„Die Idee, ein solches Becken zu bauen, kam von mir“, sagt der Seniorchef Hermann Schuran mit Blick auf das jüngste Projekt. Das Aquarium mit Hauswandfunktion hängt noch an einem Haken eines Spezialkrans, der bis zu 100 Tonnen heben kann. Ganz so viel Gewicht müssen die Fachleute an diesem Tag auf dem Firmengelände an der Eleonorenstraße nicht bewegen lassen. „Der Betonklotz wiegt rund 25 Tonnen“, sagt Juniorchef Florian Schuran und nennt damit ein Detail des als Raumteilers gedachten Heimaquariums.

In dem werden sich künftig tropische Fische bewegen, umgeben von rund 20.000 Litern Meerwasser. Und beobachtet von den künftigen Hausbewohnern, die erwartungsvoll der Ankunft des Schwerlasters entgegen sahen. „Denn erst wenn wir das Becken installiert haben, dann kann der Hausbau weitergehen“, erklärt Florian Schuran, der drei Mitarbeiter mit auf den Weg zum Zielort schickte. Der Keller zum Anwesen ist fertiggestellt, jetzt wird vor Ort ein weiterer Spezialkran das Becken auf die Decke setzen. „Dann kann weitergebaut werden.“

Gegossen wurde der „Betonklotz“ von der Heinsberger Fachfirma Florack, getrocknet wurde es unter einem Zelt auf dem Jülicher Firmengelände. Zuerst innen mit Spezialharz beschichtet, erfolgte die Verglasung mit zwei gebogenen Frontscheiben. „Die Biegung, die den Reiz des ganzen Beckens ausmacht, ist die Herausforderung“, sagt Hermann Schuran, in dessen Spezialofen das 40 Millimeter dicke Plexiglas geformt wurde. Ursprünglich sollte das Aquarium geteilt werden. Von der Küche wäre der Blick frei gewesen auf die tropischen Fische, vom Wohnzimmer sollte ein Korallenriff zu sehen sein. Aber die Kosten wären dann deutlich höher ausgefallen. Sie liegen jetzt schon im sechsstelligen Bereich liegen. Begeisterte und betuchte Aquarianer schreckt das nicht.

„In dem Heinsberger Betonbauer haben wir einen hervorragenden Partner gefunden“, berichtet Hermann Schuran vom regionalen Teamwork. 20 Vorbestellungen liegen im Unternehmen vor, die in den kommenden Monaten nach Rostock geliefert werden.

Apropos Lieferung: Wenn das Becken vor Ort aufgebaut und Millimeter genau ausgerichtet worden ist, erfolgt die Befüllung mit rund 20.000 Litern Wasser. Zuvor wird die riesige Filtertechnik eingebaut, für deren Equipment ein rund 15 Quadratmeter großer Raum herhalten wird.

Im September zur Einweihung des luxuriösen Eigenheimes werden die Bewohner des Beckens — Doktor-, Anemonen- oder aber Kaiserfische — eingesetzt. Vielleicht sind dann die Schuran-Fachleute schon auf Sylt gewesen und haben dort eine rund neun Tonnen schwere, 40 Quadratmeter große und 21 Zentimeter dicke Plexiglasscheibe, hergestellt in Japan, in ein Aquarium eingebaut. Oder aber sie sind von Frankfurt aus zur französischen Antilleninsel Guadeloupe geflogen, wo ein weiterer Großauftrag winkt.

Auftrag in Guadeloupe?

„Das Zooaquarium wird 30 Jahre alt. Wir waren jetzt dort, haben uns die Filtertechnik angesehen, die muss erneuert werden. Dafür haben wir uns nun beworben“, merkt Florian Schuran an. Und ergänzt, „dass wir zu 90 Prozent im Geschäft sind“. Von den fehlenden zehn Prozent werden die Jülicher Spezialisten die Auftraggeber in der Karibik wohl auch überzeugen.

(hfs.)
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