Jülicher angeklagt wegen versuchten Mordes

Jülicher soll Haus der Ex-Frau angezündet haben: Angeklagt wegen versuchten Mordes

Es ist vor allem der Feuerwehr und einem wachsamen Hund zu verdanken, dass am frühen Morgen des 9. Mai dieses Jahres nicht Schlimmeres passiert ist. Gegen 3.30 Uhr soll an diesem Tag Paul Josef G. ein Brandbeschleunigungsmittel durch eine Dachluke des Wohnhauses, in dem seine von ihm getrennte Ehefrau lebt, geschüttet und dieses in Brand gesteckt haben.

Weil der Hund wegen des Feuers laut zu Knurren begonnen habe, seien die Frau und die gemeinsame Tochter aufgeweckt worden. Sie brachten sich über zusammengeknüpfte Tücher aus einem Fenster in Sicherheit.

Gegen den Mann hat am Mittwoch vor dem Landgericht Aachen der Prozess begonnen, bei dem er wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung auf der Anklagebank sitzt. Durch die zu erwartende starke Rauch- und Hitzeentwicklung habe Paul Josef G. in Kauf genommen, dass die Frau und die ebenfalls in dem Haus lebende gemeinsame Tochter bei dem Feuer ums Leben kommen könnten, begründete Staatsanwältin Golriez-Litterscheid die Anklage wegen versuchten Mordes. An dem Wohnhaus im Jülicher Stadtteil Selgersdorf ist durch den Vollbrand des Dachstuhls laut Gutachten der Versicherung ein Schaden von knapp 370.000 Euro entstanden.

„Stets hilfsbereit und freundlich“

Schon am ersten Verhandlungstag arbeitete sich der Vorsitzende Richter Roland Klösgen durch einen Reigen von insgesamt neun Zeugen, um die Geschehnisse in und um die Tatnacht nachzuvollziehen. Darunter waren auch vier Feuerwehrleute, von denen einige den Beschuldigten persönlich kennen und diesen als „stets hilfsbereiten und freundlichen Menschen“ beschrieben.

Vor dem Aachener Landgericht: Angeklagter Paul Josef G. mit den Rechtsanwälten Björn Hühne (l.) und Peter Nickel (r). Foto: dmp press Ralf Roeger/Ralf Roeger

Zumindest bis 2016, denn da schienen die Dinge im Zuge der Trennung von seiner Frau und einem Burn-out aus dem Ruder zu laufen. Fortan, so schilderten es die damit befassten Polizeibeamten, sei man immer wieder zum Hof des Ehepaares gerufen worden. Es gab mehrere Anzeigen gegen den Angeklagten wegen Diebstahls und Sachbeschädigung.

Der Angeklagte schweigt

Paul Josef G. jedoch schweigt zu den ihm vorgehaltenen Anklagepunkten, seit er noch am Abend des Brandes festgenommen wurde. Nur aus einem vorherigen Verfahren am Amtsgericht Jülich geht hervor, dass sich der selbständige Handwerker durch seine Frau wirtschaftlich unterdrückt gefühlt habe und er nach einem Rauswurf aus dem Wohnhaus sogar eine Zeit lang im Hühnerstall eines Reiterhofs gewohnt haben soll.

Zur Tatzeit, so gab die Mutter der jetzigen Lebensgefährtin des Angeklagten zu Protokoll, seien diese gemeinsam zum Kurzurlaub in den Niederlanden gewesen – drei Autostunden von Jülich entfernt. Allerdings wurde das Fahrzeug, mit dem sie dorthin gefahren sein sollen, ausgerechnet in der Nacht des Brandes wegen überhöhter Geschwindigkeit geblitzt. Weil das Bild jedoch von hinten aufgenommen wurde, ist die Person am Steuer nicht zu erkennen.

Um den genauen Ablauf jener Nacht wird es also noch eine Menge Fragen zu klären geben. Der aufmerksame Hund, der Mutter und Tochter geweckt hatte, wurde nach fast zwei Stunden übrigens ebenfalls gerettet. Die Verhandlung wird am 21. November fortgesetzt.

Mehr von Aachener Zeitung