Jülich: Zukunft des Hotels Kaiserhof ist offen

Notwendige Investitionen zu teuer? : Zukunft des Hotels „Kaiserhof“ ist offen

Das Hotel „Kaiserhof“ schreibt laut Eigentümer weiter schwarze Zahlen. Noch ist nichts entschieden, aber die Tage des Hotels in seiner jetzigen Form sind gezählt.

„Wir haben das Hotel 2012 vom damaligen Eigentümer gekauft, um es zu entwickeln“, sagt Reinhard Steiner, Geschäftsführer der Jülicher Wohnungsbaugenossenschaft, zu der auch die Rurbau GmbH gehört, die das Gebäude übernommen hat und seitdem betreibt. „Das Hotel hat sein Geld verdient und es gibt nach wie vor die entsprechende Nachfrage, so dass wir auch schwarze Zahlen schreiben“, erklärt Steiner. Dafür sorgen vor allem Servicetechniker oder Gäste, die dienstlich im Forschungszentrum zu tun haben. „Wir haben natürlich keine Premiumzimmer, aber wir halten uns gut“, sagt Steiner.

Um den Hotelbetrieb aber auf Dauer zukunftsfähig zu machen, müsste die Rurbau GmbH Geld in die Hand nehmen. „Investitionen würden sich aber nicht darstellen lassen“, betont der Geschäftsführer. Und selbst wenn sie sich darstellen ließen, bliebe es fraglich, wie viel Sinn sie ergeben würden, denn gleich zwei Investoren arbeiten derzeit an Plänen, in Jülich neue Hotelprojekte zu realisieren.

Dass die Rurbau GmbH das Hotel nach 2012 überhaupt weiterbetrieben hat, hing unter anderem mit einem vertraglich zugesicherten Nutzungsrecht zusammen. Sieben Jahre lang durften die früheren Eigentümer (zuletzt die Witwe des Eigentümers) in dem Hotel weiter wohnen. Diese Frist läuft nun Ende April aus.

Der Vorgängerbau des Hotels befand sich bis November 1944 in der Wilhelmstraße und wurde vermutlich in den 1890er Jahren errichtet. Foto: Stadtarchiv

„Natürlich handelt es sich bei dem Grundstück um ein Filetstück im Herzen der Stadt“, sagt Steiner, der sich verschiedene Formen einer künftigen Nutzung vorstellen kann. Dass er dafür noch keine fertigen Pläne in der Schublade liegen hat, hängt auch mit eben dieser Lage zusammen. Ein kombiniertes Wohn- und Geschäftshaus mit einer Restauration im Erdgeschoss könnte sich Steiner etwa vorstellen. Aber macht das Sinn, wenn direkt gegenüber am Schwanenteich ein kombiniertes Restaurant und Bistro gebaut werden soll? Zumal es vor einigen Jahren auch den Plan gab, den Parkplatz neben dem Kaiserhof zu bebauen. Der gehört der Sparkasse, die entsprechende Planungen allerdings inzwischen aufgegeben hat.

„Wir wollen erst mal abwarten, was sich am Schwanenteich tut. Klar ist: Wir werden etwas machen und natürlich wird es auch in Richtung Wohnungsbau gehen“, sagt Steiner. Dafür will er zwei Rechnungen aufmachen: „Wir wollen wissen, wie teuer eine Kernsanierung mit Umbau des Gebäudes ist und werden prüfen, was ein Komplettabriss und Neubau kostet und danach eine Entscheidung treffen.“ Mit der kann er sich durchaus noch Zeit lassen. „In zwei Jahren“, schätzt Steiner nach heutigem Stand, dürfte die Planung stehen und in Angriff genommen werden.

Komplettabriss? Das mag für Stadtbild-Puristen bitter klingen, weil der Kaiserhof gefühlt zum Schwanenteich gehört. Eine Historie hat das Hotel an diesem Standort aber nur bedingt, wie Susanne RIchter vom Stadtarchiv deutlich macht, es wurde erst nach dem Krieg in der Bahnhofstraße errichtet.

Vorgängerbau 1944 zerstört

Allerdings gab es einen Vorgängerbau: „Seit 1886 gibt es in Jülich die Wihelmstraße. Das Gebäude des späteren Hotels Kaiserhof entstand sehr wahrscheinlich in den 1890er Jahren an der verlängerten Achse der Kölnstraße in herausgehobener Lage. Im Adressbuch 1898 wird für die Adresse Wilhelmstraße 1 der ‚Hotelier Robert Quack’ genannt. Die Einwohnerliste 1900 führt als Besitzer Carl Kamp, Hotelier auf“, erzählt Susanne Richter zur Historie des Hotelnamens.

„In den Jahren 1903 bis 1904 erfolgen Umbauten, vermutlich im Zusammenhang mit dem Wechsel auf den Besitzer Josef Hetzer, der als Bauherr in den Bauakten genannt wird. In den Einwohnerlisten 1906 bis 1917 wird dann die Witwe Josef Hetzers als Hotelbesitzerin genannt“, ergänzt Richter. Untergegangen ist das alte, kaiserliche Hotel dann bei der Bombardierung Jülichs im November 1944.