Jülich will neue Flächen für Gewerbe und Wohnraum erschließen

Gewerbe und Wohnraum : Jülich soll wachsen, um (noch) besser zu werden

Neue und dringend notwendige Flächen für Handwerk und Gewerbe, eine attraktivere und modernere Innenstadt und die Vorbereitung neuer Siedlungsflächen sind drei Schwerpunkte, die der Verwaltungschef im Gespräch mit der Redaktion benannte. Ein kurzer Nenner: Jülich soll wachsen und (noch) besser werden.

Das noch junge Jahr ist im Mittelzentrum Jülich ein besonders wichtiges. Das steht für Bürgermeister Axel Fuchs unumstößlich fest, weil wichtige Weichenstellungen erfolgen. Sie sollen die zweitgrößte Kommune im Kreis Düren deutlich zukunftsfester machen und haben sicher auch das Zeug, die von vielen Experten vorhergesagten „großen Chancen“ Jülichs endlich auch zu nutzen.

Reallabor für die Energiewende

„Das wichtigste Projekt ist die Umsetzung des Brainergy-Parks, der steht in der Prioritätenliste ganz oben“, sagt Axel Fuchs, denn auf der Merscher Höhe werden im besten Fall viele neue Jobs entstehen, die beim Strukturwandel dringend benötigt werden. Das sind Arbeitsplätze in allen Preisklassen, denn auf den 50 Hektar des Parks sind ja sowohl normale Gewerbeflächen geplant als auch spezialisierte in seinem modernen Kern, der eine Art Reallabor für die Energiewende darstellt.

„Parallel führen wir das Integrierte Handlungskonzept so weit, dass wir einen bewilligungsfähigen Antrag Ende 2019 abgeben können“, kündigt Fuchs an. Das „InHk“ soll so ein bisschen dafür sorgen, dass sich die Kernstadt unter Beibehaltung ihres Bestandes neu erfindet.

Die „Erlebbarmachung unseres Flusses“ und die Diskussion über neue Verkehrsführungen oder eine Umgestaltung des Schlossplatzes zählen ebenso dazu wie die mögliche Beseitigung eines mehr als 30 Jahre währenden Missstands: das schadhafte Pflaster der Innenstadt könnte ebenfalls verschwinden.

Bürgermeister Axel Fuchs sieht gute Perspektiven für seine Stadt: Neue Gewerbe- und Siedlungsflächen stehen ebenso auf seiner Agenda wie die Modernisierung der Innenstadt. Foto: Volker Uerlings

Glaube an eigene Stärken

Aber der Prozess steht ganz am Anfang. „Es wird kaum funktionieren, den Einzelhandel in Gänze zu retten. Aber den Markt und die obere Kölnstraße zu beleben, das wäre schon gut“, sagt Fuchs. Das Konzept, dessen Erstellung von einem Fachbüro begleitet wird, soll unter enger Mitwirkung der Bevölkerung entstehen. Grundsätzlich hofft er darauf, dass in Politik und Bevölkerung ein bisschen mehr Glaube an die eigenen Stärken einzieht. „Alle Experten sagen uns, dass wir hier größte Chancen haben“, sagt der Bürgermeister, der dann aber doch oft kleinteilige Debatten erlebt. In Düren, wo Fuchs lange als Finanzbeamter tätig war, „haben die ein ganz anderes Selbstverständnis. Wir müssen jetzt auch mal anpacken und mutig sein“

Natürlich legen Rat und Verwaltung ihr Augenmerk nicht nur auf das Jülicher Zentrum. So steht ein Entwicklungskonzept für die durchaus selbstbewussten Ortsteile auf der langen Liste, die abzuarbeiten und für die auch Geld da ist. Das hängt sicher eng zusammen mit den neuen Siedlungsflächen, die Jülich braucht, um einerseits zu wachsen und andererseits vom sogenannten „Überschwappeffekt“ des Ballungsraumes Köln-Bonn zu profitieren.

Jens Bröker, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Indeland, hatte im Jülicher Rathaus vor wenigen Wochen dargelegt, dass für ihn Jülich ganz vorn stehe bei der Ansiedlung von Menschen, die im Rhein-Erft-Kreis oder in Köln selbst kaum noch bezahlbaren Wohnraum finden und deswegen attraktive Flächen in der Peripherie wie den Kreis Düren ansteuern. Wenn man sich anschaut, wo das gut möglich ist, dann sticht ein Bereich ins Auge, der nah an der Stadt, an den Verkehrswegen und einem künftigen Restsee Inden liegt.

Axel Fuchs: „Der Süden von Jülich spielt hier sicher eine Rolle, aber auch der Südosten und Nordwesten.“ Grundsätzlich sieht er viele Vorteile, wenn zum Beispiel Forschungszentrum und Stadt „stärker zusammenwachsen“. Ein gemeinsames Projekt ist schon bekannt: ein Kongresszentrum, das außerhalb der FZJ-Zäune gebaut werden und Funktionen einer Veranstaltungsstätte beinhalten könnte – möglicherweise als Ersatz für die Stadthalle

Um die Stadt lebenswert zu erhalten, sind bestimmte Infrastruktureinrichtungen von großer Bedeutung. Von daher kündigt der Bürgermeister an, die „Situation des Krankenhauses genau im Auge zu behalten“. Und ein wichtiges „weiches Standortziel“ wäre laut Axel Fuchs, „die Studenten in die Stadt zu bringen“. Inzwischen wohnen sie in erheblichem Umfang auch in Jülich. Möglicherweise werden sie, wenn die Kernstadt an Attraktivität zugelegt hat, in der Zukunft stärker sichtbar.

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