Aachen: Jülich will die Castor-Transporte proben

Aachen: Jülich will die Castor-Transporte proben

Bei einem Treffen zur Vorbereitung der geplanten Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus ist am Mittwoch offenbar auch ein Probelauf Thema gewesen, eine sogenannte Kalthandhabung.

Wie das Forschungszentrum Jülich (FZJ) unserer Zeitung am Freitag bestätigte, hätten an dem „üblichen Arbeitstreffen” auch Vertreter des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) als Genehmigungsbehörde, des NRW-Wirtschaftsministeriums als Atomaufsichtsbehörde und des NRW-Innenministeriums teilgenommen. Außerdem sei die Firma Nuclear Cargo und Service GmbH vertreten gewesen, die mit dem Transport beauftragt ist.

Die beiden NRW-Ministerien und das FZJ hoben gegenüber unserer Zeitung jedoch hervor, dass es für eine Kalthandhabung noch keinen konkreten Termin gebe. Ein Sprecher des NRW-Innenministeriums betonte: „Im Übrigen liegt noch gar keine Genehmigung für die Castor-Transporte durch das Bundesamt für Strahlenschutz vor.”

Gespräche über eine Kalthandhabung seien gängige Praxis in Genehmigungsverfahren, hieß es beim BfS. Ein solcher Probelauf findet immer längerfristig vor einem Castor-Transport statt. Das FZJ erklärte, dabei würden die Arbeitsabläufe zur Vorbereitung möglicher Transporte überprüft, und es werde demonstriert, dass die Verfahrensschritte sicher durchgeführt werden können.

Am FZJ lagern 152 Castorbehälter mit 288.161 hochradioaktiven Brennelement-Kugeln aus dem 1988 stillgelegten AVR-Versuchsreaktor. Die Genehmigung für die Lagerung in Jülich endet am 30. Juni 2013. Über den weiteren Umgang mit dem Atommüll gibt es Streit zwischen dem Bund und dem Land NRW. Die Landesregierung lehnt Castor-Transporte ab und plädiert für eine weitere Lagerung der Behälter in Jülich, bis ein Endlager für Atommüll in Deutschland gefunden worden ist. Die Bundesregierung möchte als Hauptgesellschafter das FZJ hingegen „kernbrennstofffrei” machen, um es als Forschungsstandort attraktiver zu machen.

Unterdessen tagte in Düsseldorf der Untersuchungsausschuss zur sogenannten Atomkugel-Affäre. Dabei warf Staatssekretär Helmut Dockter (SPD) dem FZJ vor, widersprüchliche Angaben über den Verbleib der Jülicher Atomkugeln gemacht zu haben.

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