Jülich: Jülich versorgt Kinder mit 120.000 Mittagessen

Jülich: Jülich versorgt Kinder mit 120.000 Mittagessen

Die Zahl ist beeindruckend hoch und belegt einen gesellschaftlichen Wandel: Jülicher Kinder essen pro Jahr 120.000 Mahlzeiten in einer Tageseinrichtung oder einer Schule. Diese Entwicklung ist gewollt und trägt der Tatsache Rechnung, dass häufig beide Eltern arbeiten oder Alleinerziehende einen Betreuungsbedarf über die Mittagszeit hinaus haben.

Es gibt noch andere Gründe. Wie dem auch sei: Die Stadt ist inzwischen Großversorger des eigenen Nachwuchses. Nach den Sommerferien soll es Änderungen geben: Die Kinder werden wohl mehrheitlich keine warmgehaltene Kost mehr erhalten, sondern Tiefkühlkost, die fertiggegart wird. Diesen Plan präsentierten Dezernentin Katarina Esser und Amtsleiter Gert Marx im Fachausschuss — er dürfte Diskussionsstoff liefern.

Warmverpflegung: Sie bleibt in einigen Einrichtungen, soll aber mehrheitlich frisch gegarter Tiefkühlkost weichen. Foto: Uerlings

So ganz ließ die Verwaltung die Katze nämlich nicht aus dem Sack, aber es muss wohl regelmäßig Beschwerden über die Warmhalte-Kost gegeben haben. Was genau beanstandet wurde, blieb am Montagabend unklar. Die Ankündigung, künftig in einem Großteil der Einrichtungen auf Tiefkühlkost zu setzen, wird im Bericht aus dem Rathaus so untermauert: „Dieses System kommt seit Jahren in einem Kindergarten zum Einsatz (...). Der Kindergarten ist somit die einzige städtische Einrichtung ohne Reklamationen.“ In diesem Bericht wird die Industrienorm zitiert, wonach „die Zeit zwischen Ende des Garprozesses und der Ausgaben an den letzten Tischgast“ im Idealfall 30 Minuten beträgt. Drei Stunden sollten aber nicht überschritten werden.

Das an Jülicher Kitas und Ganztags(grund)schulen ausgelieferte Essen wird in der Regel morgens zubereitet, in spezielle Behälter gefüllt, ausgeliefert und in den Schulen warmgehalten. Diesen Ablauf erklärte Schulamtsleiter Gert Marx auf Anfrage. Küchenkräfte geben die Speisen aus, räumen auf und befüllen die Spülmaschinen.

Künftig sollen in Kitas und Schulen Tiefkühlschränke und Konvektomaten (Anschaffungskosten 70.000 Euro) zur Fertiggarung zum Einsatz kommen. Mit dem Einzug der Tiefkühlkost entfällt laut Verwaltung die „Problematik der Einhaltung der Warmhaltezeit“.

Ein Arbeitskreis hatte verschiedene Verpflegungssysteme verglichen und einen eindeutigen Favoriten benannt. Schul- und Kindergartenleiter, Eltern und Küchenkräfte würden am liebsten die Mahlzeiten frisch zubereiten. Das scheitert aber an fehlenden Küchen. „Nach Diskussion“ habe sich dieser Arbeitskreis fürs Tiefkühlsystem ausgesprochen. Das lässt sich in vielen, aber auch nicht in allen Einrichtungen realisieren. Im Gymnasium Zitadelle, in den Schulen des Schulzentrums sowie den Kindergärten Lich-Steinstraß und Koslar müsse es beim System der Warmverpflegung bleiben — aus individuellen Gründen.

Handlungsbedarf besteht für die Stadt auch aus rechtlichen Gründen, erklärten Dezernentin und Amtsleiter, denn das Jülicher Rechnungsprüfungsamt habe eine nationale Ausschreibung angemahnt. Sie sei vorzunehmen, da 120.000 Mahlzeiten à 2,50 Euro eine finanzielle Dimension erreichen, die das notwendig machen soll.

Bislang beliefern drei Cateringbetriebe Jülicher Schulen und Kitas. Per Ausschreibung sollen zwei neue gesucht werden: einer für Tiefkühlverpflegung, einer für Warmhaltekost. Die Fraktionen im Ausschuss kündigten Beratungsbedarf an, Lambert Schmitz (CDU) sieht „unzählige Fragen“. Die Verwaltung hat sich von mehreren neutralen Stellen beraten lassen und plant eine kurzfristige Ausschreibung, die schon im neuen Schuljahr zum Tragen kommt.

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