Jülich: Veranstaltung zum Thema 100 Jahre Wahlrecht für Frauen

Veranstaltung zum Thema 100 Jahre Wahlrecht für Frauen : Gleichberechtigung: Viel Luft nach oben

Die Mitglieder der Frauen-Union (kurz FU) Bezirk Aachen, Düren, Heinsberg und Euskirchen haben im Kulturbahnhof ein festliches Event anlässlich 100 Jahre Frauenwahlrecht veranstaltet. Hierzu hielt Patricia Peill, Landtagsabgeordnete und gleichzeitig auch Vorsitzende der FU des Bezirks, eine Rede im Gedenken an den Kampf Frauen für die politische Mitbestimmung.

„Gehen wir einmal gemeinsam 100 Jahre zurück. Viele Frauen mussten hart arbeiten, mussten und haben sich ihren Männern untergeordnet und das war sicher das Entscheidende: Nur wenige von ihnen hatten einen Zugang zu Bildung“, erinnerte sie an die Zeit, in denen Frauen noch kein politisches Mitbestimmungsrecht hatten und weiter: „Doch es gab einige Frauen, die ausgebildet waren, aus politisch engagierten Familien stammten, wo auch den Mädchen mehr als nur Nähen und Kochen gelehrt wurde. Diese haben für uns alle für die Rechte von Frauen vorgekämpft und nicht aufgegeben.“

Seit November 1918 gibt es nun das hart erkämpfte Wahlrecht in Deutschland. Ziemlich genau, nämlich bei der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung am Sonntag, 19. Januar 1919, durfte Frau dieses zum ersten Mal ausleben.

Auch heute, so Peill in ihrer Rede, sei bezüglich der Gleichberechtigung noch viel Luft nach oben. So sagte sie: „In der Landtagsfraktion der CDU sind wir von 72 Abgeordneten nur 17 Frauen. Das ist weniger als ein Viertel.“ Darüber beleuchtete sie den Frauenanteil im Jülicher Stadtrat, der bei 23 Prozent läge, sensibilisierte aber auch gleichzeitig dafür, dass Angela Merkel sowie Annegret Kramp-Karrenbauer leuchtende Beispiele dafür seien, dass „Frauen sich auch gegen die stärksten männlichen Mitbewerber durchsetzen, wenn sie den Mut haben, den Hut in den Ring zu werfen.“

Diesen Punkt nahm auch MdB Thomas Rachel auf und sagte in die Richtung des vollen Zuschauerraums, der picke packe voll mit Frauen und einigen Männern war, die größtenteils, aber nicht alle CDU-Mitglieder sind: „Wenn wir etwas verändern wollen, dann müssen sich Frauen und Männer zusammentun. Ich möchte sie (die Frauen) ganz herzlich ermutigen, sich in den kommenden Wahlen zur Wahl zu stellen.“ Darauf Peill: „Fairness und Gerechtigkeit kann man nur miteinander, nicht gegeneinander. Daran arbeiten wir gemeinschaftlich in der Partei.“

Am Ende äußerte sie: „Ich wünsche mir, dass es selbstverständlich wird, dass Frauen und Männer in Erwerb, Erziehung und Hausarbeit gleichberechtigt sind, dass gleich viele Männer und Frauen in den Parlamenten sitzen und, dass dies nicht weitere 100 Jahre dauert.“

Im Gespräch erinnerten sich weitere Mitglieder an gewonnene Rechte und Erlebnisse während des Kampfes für Frauenrechte. So auch Maria Güldenberg, Beisitzerin der FU Düren-Jülich: „Wir haben viel geschafft, aber wir sind noch lange nicht da, wo wir sein können.“

Eine Frau, die den Kampf für Frauenrechte hautnah in den vergangenen Jahrzehnten miterlebt hat, ist das Mitglied Frauen-Union Irene Fröhlich. „In der Schule war es noch das wichtigste, dass wir brav sind. Als ich in den 70ern studierte, war ich das erste Mal auf einer Demonstration. Meine Mutter hätte nie gedacht, dass wir so weit kommen würden. Wie man für Dinge kämpft, habe ich auch in der Frauen-Union gelernt“, sagte sie.

Probleme sehen Mitglieder der Frauen-Union besonders noch im Spagat der Frau zwischen Familie und Beruf. „Neben der ungleichen Bezahlung gibt es ein Ungleichgewicht zwischen Mann und Frau, sobald diese Kinder bekommt“, sagte so beispielsweise Andrea Hilger und Peill dazu: „Dann gibt es ein Ungleichgewicht in der Erwerbsbiografie. Der Frau wird bei der Familie deutlich mehr Verantwortung zugesprochen.“ Dann Fröhlich: „Und zwar doppelt und dreifach.“ Auch Hanne Breuer stimmte zu: „Es ist eine Doppelbelastung und Leidensdruck, der zu Normalität geworden ist. Wir müssen auch junge Leute darauf aufmerksam machen.“

Zur Feier des Tages schauten die Besucher der Veranstaltung zusammen „Die göttliche Ordnung“ auf der Leinwand in der KuBa-Halle. In dem Film setzt sich die junge Frau Nora gegen die Unterdrückung durch ihren Mann zur Wehr und wird dadurch in ihrem Dorf auch die Stimme der Frauen, die das Frauenwahlrecht einfordern. Die Zuschauer lachten herzlich, während Nora (gespielt von Marie Leuenberger) zusammen mit ihren Mitkämpferinnen die Möglichkeit der Emanzipation in ihrem verschlafenen Dorf entdeckte und die Hürden überwand, die die Frau von politischer und familiärer Selbstbestimmung abhielt.

(mio)
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